Was ich unter Linken erlebt habe

SapereAudeBlog

Im folgenden werde ich Ihnen, werte Leser, meine Erfahrungen mit verschiedenen linken Organisationen, allen voran den Jusos und der Partei Die Linke, mitteilen. Es handelt sich hierbei nicht um eine Analyse dessen, wie Linke insgesamt drauf oder wie alle ihre Organisationen gestrickt sind, jedoch gibt es die Erfahrungen eines Menschen wieder, der tatsächlich versucht hat, sich bei ihnen einzubringen.

Was ich unter Linken erlebt habe

Im folgenden werde ich Ihnen, werte Leser, meine Erfahrungen mit verschiedenen linken Organisationen, allen voran den Jusos und der Partei Die Linke, mitteilen. Es handelt sich hierbei nicht um eine Analyse dessen, wie Linke insgesamt drauf oder wie alle ihre Organisationen gestrickt sind, jedoch gibt es die Erfahrungen eines Menschen wieder, der tatsächlich versucht hat, sich bei ihnen einzubringen.

Zunächst einmal sei hier erklärt, warum ich überhaupt zu den Jusos und Jahre später noch einmal zu der Linkspartei gegangen bin. Ersteres geschah im Alter von 15 Jahren, weil mich meine damalige Sozialkundelehrerin aufgrund meines Interesses in ihrem Unterricht dazu ermuntert hat, zu einer politischen Jugendorganisation zu gehen. Natürlich hat sie mich zu derjenigen geschickt, die ihr persönlich am nächsten stand. Jahre später, genauer etwa ein halbes Jahr vor der letzten Bundestagswahl 2013, bin ich dann als Student in die Partei die Linke eingetreten, weil ich mich gerne auf parteipolitischer Ebene von innen heraus informieren und eventuell auch gerade an bildungspolitischen Fragen mitarbeiten wollte. Die Linke war dabei eher das Resultat eines Ausschlussverfahrens. Auch war ein Grund, dass ich in Pommern aufgewachsen bin, wo wir eine Menge Linker haben, die man als äußerst vernünftig bezeichnen kann und von denen ich auch nicht allzuwenig kannte. Was ich an meinem Studienort in Westdeutschland allerdings erlebt habe, ist eine andere Frage.

Fangen wir mit den Jusos, den Jungsozialisten in der SPD an. Hier durfte ich damals den SPD-Nachwuchs des Landes Mecklenburg-Vorpommern kennen und zwar bis hin zu einer Landesmitgliederversammlung, auf der ich sehen durfte, wie man schon im jungen Alter and die Arbeitsweise der Politik herangeführt wird. Aber alles zu seiner Zeit.

Mein persönliches politisches Interesse war damals und ist heute eigentlich immernoch die Bildungspolitik. Ich war stets mit unserem Schulsystem unzufrieden (in MV wurde es während meiner Schulzeit und auch später noch mehrfach komplett umgeworfen, stets zum schlechteren). Heute bin ich mir bewusst, dass das Schulsystem und die Bildungspolitik zwar sehr wichtige Fragen, jedoch nicht die einzigen wichtigen Faktoren sind, um die man sich als patriotisch eingestellter Mensch kümmern muss, wenn man etwas für diejenigen tun möchte, die nach einem die Schule durchlaufen müssen.

Also ging ich zu den Jusos. Zwar mit dem Bewusstsein, nicht unbedingt irgendwas großartig beitragen zu dürfen, ich war ja immerhin der Neue, doch mit dem Ziel, nachdem ich eine Weile dabei war, irgendwann auch die eigenen Ideen beisteuern zu können, um so eventuell irgendwann auch mal Verantwortung zu übernehmen und möglichst viel aktiv mitzuarbeiten. Diese Illusion sollte mir aber bald genommen werden.

Ich hatte damals, über meine Lehrerin, Kontakt mit dem Vorsitzenden des Kreises hergestellt und dieser hatte mir gesagt, wann und wo das Treffen stattfinden würde. Ich, pünktlich wie es sich meiner Erziehung nach gehört, stand etwa fünfzehn Minuten vor der Tür, bevor die ersten Jusos vor der örtlichen SPD-Zentrale eintrafen, in deren Keller sie einen Raum zur Verfügung hatten. Wir standen dort draußen noch eine Weile rum, bis endlich der Vorsitzende mit dem Schlüssel kam. Ich konnte an sich nur zwei Typen von Menschen ausmachen, die zu diesem Treffen hinkamen und beide waren ausschließlich männlichen Geschlechts: die einen waren alternative Punker, die mindestens drei Buttons an Kleidung oder Rucksack hatten, auf denen entweder ein Hakenkreuz das in den Mülleimer geschmissen wird, ein Anarchistenzeichen, ein roter Stern oder sonst irgendein linkentypisches Zeichen war. Auch wurden schwere Stiefel mit weißen und roten Schnürsenkeln und abgenutze Jeans- oder Lederjacken, sowie möglichst lange Haare getragen. Halt so, wie man sich einen Punker vorstellt.
Der zweite Typ war dem völlig entgegengestellt und sah im Endeffekt so aus, wie man sich einen Erstsemesterstudenten in BWL vorstellt. Man könnte hier auch ganz bösartg von Wohlstandskindern sprechen, die trotz des Elternhauses aus dem gehobenen Mittelstand sich gedacht haben, dass Links dann doch besser ist.

Als wir endlich in den Raum der Jusos hineingegangen sind, wusste ich eigentlich sofort, worauf ich mich da eingelassen hatte. Überall hingen Poster mit plakativen Sprüchen, mehr als dreiviertel davon wiesen so geistreiche Botschaften wie "Rechts sein heißt nicht Recht haben" oder "Nazis raus" auf. Meine Befürchtung sollte schon bald bestätigt werden: die Hälfte aller Themen, die besprochen wurden, hatten irgendwas mit den sogenannten "Neonazis" und deren "Aufmärschen" zu tun. Zu dieser Zeit war in MV von den Jusos auch noch gerade die Aktion "Endstation Rechts" ganz groß. Die Versammlungen waren wöchentlich und ich hörte mir das ganze erst einmal ein paar Wochen lang an, bevor ich, immernoch der Neue, mich daran gewagt habe, mal ein paar Dinge in Frage zu stellen.
Ich sprach damals dann denjenigen an, den ich persönlich am sympathischsten fand. Die Frage war, warum wir denn so viel "gegen Rechts" machen und viel weniger für irgendwelche Inhalte, die uns als junge Leute eher interessieren sollten. Immerhin waren wir eine Jugendorganisation und als solche sollten wir uns doch wohl vorrangig mit Angelegenheiten der Jugend beschäftigen. Mir wurde darauf nur erwidert, der "Kampf gegen Rechts" (und ja, so wurde das stets genannt) sei sehr wichtig. Andere Themen halt auch, aber den dürfte man nicht vernachlässigen, da sonst die Rechten die Oberhand gewinnen könnten. Wir kamen auch nach mehrmaligem Nachfragen nicht weiter, also beließ ich es dabei.
Übrigens: auf meine Frage hin, was denn ein Rechter eigentlich sei, wurde mir immer das Wort "Neonazi" oder manchmal auch "Faschist" präsentiert. Wenn ich mir jedoch die Stiefeltragenden, durchtätowierten und ständig betrunkenen Glatzköpfe ansah, mit denen sich die Punks aus der Stadt gerne mal angelegt hatten, dann konnte ich so gar keine Ähnlichkeit zu dem entdecken, was ich aus dem Geschichtsunterricht über die Nationalsozialisten kannte. Eines der größten Probleme, die ich bis heute mit dem Begriff "Rechts" habe, wenn sogenannte Linke ihn benutzen, ist, dass sie mir nicht erklären können, was sie damit meinen und meist in ein einfaches Gut-Böse-Schema verfallen.

Ich habe damals dann oft versucht andere Themen einzubringen, musste aber feststellen, dass mindestens die Hälfte der Anwesenden kein Interesse daran hatte. Doch es gab damals einen Hoffnungsschimmer am Horizont: es sollte bald eine Landesmitgliederversammlung stattfinden und ich würde vielleicht als Deligierter hingeschickt, um dort an wesentlich breiteren politischen Themen mitarbeiten zu können. Im Endeffekt war dies das Ereignis, das schließlich meinen Rauswurf aus den Jusos besiegelte.
Der Grund dafür war, dass wir als Kreisverband, wenn ich mich recht erinnere, vier Deligierte schicken durften. Und einen Monat bevor wir diese im Kreisverband wählen wollten, hatten wir zwei Neuzugänge, beide weiblich. Zwei etwa 16 bis 17 jährige Mädchen, die von ihren Freunden mithingeschleppt worden waren und deren Interesse an Politik zwar vorhanden, jedoch bei weitem nicht so leidenschaftlich wie das vieler anderer war. Als linke, sozialistische Gruppierung ist man natürlich gegen Diskriminierung und hat deswegen eine Frauenquote. Mit anderen Worten: zwei unserer Jungs, die schon sehr lange dabei waren und diese beiden Mädchen haben die vier Plätze besetzt und zwei andere fielen dafür raus, darunter auch ich. Das heißt dann auch, dass zwei Delegierte Leute waren, die weder die Vereinsstrukturen kannten, noch in politischen Themen überhaupt großartig eingearbeitet waren. Der einzige Grund, dass sie "gewählt" wurden, war ihr Geschlecht. Das nenne ich mal erfolgreiche Gleichstellung.
Darüber habe ich mich natürlich öffentlich bei der Sitzung bereits beschwert. Mit meiner Meinung zurückhalten und Dinge, die ich für falsch erachte, nicht anzusprechen, wenn die Gelegenheit dafür günstig ist, hielt ich damals für völlig unangebracht. Wie sonst sollte man eine Debatte über solche Missstände beginnen? Es artete in einem handfesten Streit aus, doch mein jugendlicher Dickkopf dachte sich damals: jetzt erst recht!

Ich bin also trotzdem, als einfacher Beobachter ohne Stimmrecht, mit zur Landesversammlung nach Schwerin gefahren. Heute bin ich froh darüber, denn es hat mir ziemlich die Augen darüber geöffnet, auf was für einen Blödsinn ich mich da eingelassen hatte. Überall Leute, die mit verschiedenen Ideologien um sich werfen können, von der Praxis aber keine Ahnung haben. Alle paar Sekunden fiel irgendwo ein Kampfbegriff: Nationalismus, Sexismus, Rassismus, Diskriminierung, Homophobie, Nazis und so weiter. Und jede Arbeitsgruppe, egal zu welchem Thema, hat früher oder später das Thema "gegen Rechts" aufgegriffen. Es wurde immer offensichtlicher: das einzige, was diese Leute zusammenhält, ist der unbedingte Wille, gegen Rechts und deswegen Links zu sein. Deswegen konnten sie sehr wohl unterschiedliche Positionen in verschiedenen Fragen haben, aber wehe dem, der gewisse Grenzen überschreitet. Natürlich habe ich das getan.
Ich war damals schon sehr patriotisch eingestellt. All dieser offensichtliche Hass auf das Deutschtum war mir völlig schleierhaft und ich konnte (und kann auch heute noch) in keiner Weise verstehen, wie man dieses Land, die Leute und ihre Geschichte so verachten kann. Natürlich, diese Jusos kannten nur zwölf Jahre der Geschichte und alles davor war praktisch der lange Anlauf dorthin, aber so engstirnig konnten sie gar nicht sein. Oder doch? Das Ende der Geschichte ist jedenfalls, dass ich meinen Mund ein paar mal zu oft aufgemacht habe. Nicht in den großen Sitzungen, ich hatte immerhin kein Stimmrecht, aber in den kleinen Arbeitsgruppen.

Das Ende vom Lied ist, dass ich mich dadurch, dass ich eine Meinung hatte und die Besessenheit vom "Kampf gegen Rechts" nicht verstanden und die Frauenquote abgelehnt habe, praktisch in den Augen der Jusos als Mensch mit "rechten Tendenzen" gezeigt hatte. Das führte nicht zu einem wirklichen Rauswurf, aber ich wurde nach und nach immer mehr von den anderen ausgeschlossen und mir wurde einmal deutlich gesagt, ich solle es doch lieber lassen, wieder zu kommen. Dabei dachte ich damals wirklich noch, ich sei von meiner Einstellung her eher links.

Die Landesversammlung hat mir Außerdem noch eines gezeigt: Korruption wird bereits im Jugendalter geübt. Einer der wichtigsten Tagesordnungspunkte war die Wahl eines neuen Vorstandes. Natürlich fein quotiert nach Kreisen und Geschlechtern, nicht nach Kompetenz. Letzteres führte dazu, dass eines der Mädchen aus meinem Kreis, wohlgemerkt ohne Erfahrung, fundiertes Wissen oder sonderlichem Interesse, in den Landesvorstand gewählt wurde, damit dieser groß genug war, einen Mann mehr aufzunehmen. Quotenlogik halt. Die Mädchen, die zur Wahl standen, MUSSTEN entsprechend alle gewählt werden, damit die Quote im Vorstand passte. Die Jungen hingegen haben um ihre Plätze konkurrieren müssen. Jedoch nicht mit Sachargumenten oder einem Programm, das sie durchsetzen wollten. Nein. Wir hatten uns in den Kreisgruppen zwecks Absprachen über das Wahlverhalten draußen bei einer Pause hingestellt und darüber gesprochen, wen man denn nun wählen sollte. Ich fand das schon deshalb albern, weil ich keinen der Leute aus anderen Kreisverbänden kannte. Diese Kandidaten kamen jedoch nacheinander zu uns, um sich vorzustellen. Wer jetzt allerdings glaubt, sie hätten mit uns über Inhalte gesprochen, der hat weit gefehlt. Sie kamen um uns um Stimmen anzubetteln (nein, das ist keine Übertreibung), brachten unseren Deligierten Bier oder machten einen auf gut Freund. Und natürlich hat jeder die wichtigsten Themen immer wieder wie ein Mantra runtergebetet, um ja voll auf Linie und damit wählbar zu sein: Gleichstellung und "Kampf gegen Rechts."
Im Endeffekt war es ein ziemliches Gekungel und wer sich am besten bei den Leuten eingeschleimt hat, der hat die Stimmen bekommen. Ich war schockiert darüber, dass die Leute, die ich teilweise doch für recht vernünftig hielt, sich für zwei Flaschen Bier kaufen ließen. Andere haben dann natürlich Gelder oder entsprechendes Abstimmungsverhalten bei den Vorschlägen der Kreisverbände versprochen. Alles im Tausch gegen eine Wahl. Na, wenn das mal nicht Korruption für Anfänger ist.
Man sollte auch dazu noch sagen, dass auf dieser Versammlung Unmengen von Alkohol geflossen sind und teilweise auch noch ganz andere Substanzen zu sich genommen wurden. Bei mindestens der Hälfte der Anwesenden hatte ich das Gefühl, dass der einzige Grund für sie dabei zu sein, die Geselligkeit und das Bier auf Kosten der SPD und damit auch des Steuerzahlers waren.

Aufgrund meines vorgeblichen "Nationalismus" und meiner angeblichen "Frauenfeindlichkeit", wie es mir vorgeworfen wurde, verließ ich also einge Zeit später die Jusos. Insgesamt war ich etwa anderthalb Jahre bei diesem Verein und habe doch vor allem eines gelernt: die Jugendorganisation, in der der Nachwuchs der Landes-SPD herangezogen wird, ist ein Haufen von Menschen, die ihren Zusammenhalt und ihre Daseinsberechtigung dann verlieren würden, wenn es keine "Nazis" mehr gibt. Deswegen wurden und werden diese wahrscheinlich auch in allem und jedem zwanghaft gesucht, damit man ja seinen Feind nicht verliert.

Nachdem ich aus den Jusos praktisch rausgeflogen war, hatte ich erst einmal einige Zeit keine Lust mehr, mich aktiv an irgendeiner politischen Gruppe, vor allem nicht an einer Jugendorganisation, zu beteiligen. Es dauerte einige Jahre, bis ich 2013 schließlich entschloss, mich einer Oppositionspartei etwa ein halbes Jahr vor der Bundestagswahl anzuschließen. Damals war die AfD gerade mal etwas mehr als einen Monat alt und ich hatte nicht viel von ihr gehört, also war meine Wahl auf Grüne und Linke beschränkt, da die anderen Parteien entweder in der Regierung saßen oder SPD hießen, mit der ich meine Erfahrungen ja durch die Jugendorganisation bereits gemacht hatte. Zwischen Grünen und Linken hielt ich letztere für das kleinere Übel, zumal ich, wie bereits gesagt, als Pommer einige äußerst vernünftige Linke kannte, was aber wohl damit zusammenhängt, dass man als grundsätzlich konservativer Mensch auf dem Gebiet der ehemaligen DDR sich als Linker bezeichnen kann. Im Westen sieht dies jedoch anders aus, wie ich nun weiß.

Um ehrlich zu sein war mein Ziel nie, in der Partei Karriere zu machen oder ihr großartig dabei zu helfen, die Wahlen erfolgreich abzuschließen. Ich wollte mit den Mitgliedern über verschiedene Themen diskutieren, über diese möglichst viele interne Informationen erhalten und vor allem im Straßenwahlkampf mit den Menschen reden, die am Stand vorbeikamen. Wie Sie, werter Leser, wahrscheinlich bereits ahnen, habe ich mich natürlich wieder mit allen angelegt.

Die Linken in der Stadt meines Studiums bestanden zum größten Teil entweder aus Studenten oder aus langjährigen SPD-Mitgliedern, die die Partei gewechselt haben, weil sie mit Harz IV oder dem Kosovo-Einsatz nicht einverstanden waren. Aber am Ende lief es wieder auf dasselbe Problem hinaus, das ich bereits bei den Jusos hatte, nur dass dieses mal nicht der "Kampf gegen Rechts" im Vordergrund stand. Es wurde ständig mit Kampfbegriffen um sich geworfen um halbwegs gebildet zu klingen, doch argumentativ etwas zu untermauern schien eine Unmöglichkeit. Am auffälligsten fand ich dies, als ich einen Entwurf für etwas einreichte, auf dem ich von "Studenten" geschrieben hatte. Das wurde dann korrigiert, denn richtig müsste es "Studentinnen und Studenten" heißen, da ich sonst die Frauen ausschlösse. Ich halte und hielt das für völligen Blödsinn und bin so mit einer Vorsitzenden des Kreises aneinandergeraten. Diese konnte mir zwar nicht begründen, warum ich Frauen damit außen vor ließe, doch sie sei sich dessen sicher und egal wie ich ihr versuchte zu erklären, dass es in der Deutschen Sprache nunmal auf diese Weise auzudrücken sei, sie wollte mir nicht zuhören, weshalb ich schließlich nachgeben musste.

Interessanter war jedoch der Straßenwahlkampf. Ich stand insgesamt bestimmt ein Dutzend mal für mehrere Stunden in der Fußgängerzone und habe mit Passanten gesprochen. Ich wollte gerne wissen, was die Menschen zu verschiedenen Themen denken und mit ihnen darüber diskutieren. Ich war doch sehr erstaunt darüber, dass die Leute bei weitem nicht so desinteressiert an Politik waren, wie uns immer verkauft werden soll. Die Politikverdrossenheit konnte ich nicht finden, jedoch eine starke Abneigung gegen die etablierten Parteien und Politiker. Ich stellte jedoch fest, dass man als Mitglied einer Partei den Großteil der Zeit sich von Aussagen anderer Mitglieder distanzieren oder diese rechtfertigen muss, selbst dann, wenn man ihnen nicht zustimmt.
Schließlich kam ein etwa mittelalter Herr auf mich am Stand zu und fragte mich aus heiterem Himmel nach den Bundesbereinigungsgesetzen und warum er denn bitte noch Strafzettel zahlen sollte, wenn das Ordnungswidrigkeitengesetz aufgehoben sei. Er hatte wohl nicht damit gerechnet, bei einer Partei auf jemanden zu stoßen, dem das BRD-Thema nicht fremd war, denn dass er mich nicht aus der Bahn werfen konnte, überraschte ihn doch schon sehr, doch das sich ergebende Gespräch war äußerst interessant. Nach einiger Zeit fragte er mich dann, warum ich, im Bewusstsein darüber, was die Parteienpolitik denn sei und dass sie nicht im Interesse unseres Volkes stattfände, mich dennoch an einer beteiligte. Der Grund war natürlich, dass ich lernen wollte. Sowohl wie die Partei funktioniert, als auch wie ihre Mitglieder denken. Wahrscheinlich werde ich in nicht allzuferner Zukunft mir die anderen Parteien auch noch einmal antun müssen.

Der Grund für mich, den Linken den Rücken zu kehren, war jedoch wiederum derselbe, den ich schon bei den Jusos hatte. Mit Menschen, die Kampfbegriffe um sich werfen, die sie mir nicht erklären können und sich selbst dadurch aufzuwerten versuchen, die vermeintlich Guten zu sein, weil sie ja gegen die vorgeblich Bösen und so unendlich tolerant, hilfsbereit und menschenfreundlich seien, kann ich schlechterdings nicht viel anfangen.

Was also, werter Leser, will ich Ihnen mit meinem Erfahrungsbericht mitteilen? Eigentlich nur eines: dass es sich lohnt, einmal in einer politischen Partei vorbeizuschauen, um am eigenen Leibe zu erfahren, wie diese Menschen tatsächlich drauf sind. Wie einen Parteienstrukturen dazu bringen, auf Linie zu bleiben und wie schnell man in ein Denkkorsett gezwängt wird, aus dem man zumindest äußerlich nicht ausbrechen darf, da man ansonsten schnell zur geächteten Person wird. Wie schlimm der Filz schon auf den kleinsten Ebenen ist, wie viel Bedeutung das Gekungel hat oder wie wenig über tatsächliche Inhalte diskutiert und diese infrage gestellt werden. Und zuguter letzt natürlich noch, um zu sehen, wie viel doch immer am Geld hängt und wohin denn all die Parteienfinanzierung geht.
Es ist eine Sache, diese Dinge von jemand anderem zu lesen oder zu behaupten, man wüsse, wie die Linken ticken. Es ist eine andere, mit Antifas mehrfach ungezwungen zusammengesessen zu haben, mit Jusos über Harz IV zu diskutieren oder mit Mitgliedern der Linkspartei tatsächlich mal über die Genderideologie zu sprechen. Was sich jedoch bei all diesen Gruppen immer deutlich zeigt ist eine absolute Intolleranz zweier Gruppe gegenüber: zum einen den Patrioten und zum anderen Menschen, die ihre Thesen nicht einfach hinnehmen, sondern es wagen, kritische Fragen zu stellen.


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