„Gutmensch und stolz darauf“
- Ach, wirklich?

SapereAudeBlog

In einem anderen Beitrag wurde ja bereits das Wort des Jahres 2015 kritisch betrachtet, hier soll es nun um das Unwort des Jahres, bestimmt von der „Sprachkritischen Aktion“ (http://www.unwortdesjahres.net/), gehen. An sich scheint die Auswahl, die von diesen Menschen getroffen wurde, ebenso wie die von der GfdS, alles andere als politisch neutral zu sein und wahrscheinlich würde sich eine Kritik an so mancher Ihrer Wahlen für Worte beziehungsweise Unworte des Jahres lohnen. Letzteren Titel gewann im Jahre 2015 das Wort Gutmensch. Sogleich konnte man auf verschiedenen Netzseiten und auch außerhalb solche Aussagen wie im Titel „Ich bin ein Gutmensch und stolz darauf“ vernehmen. Diese Selbstbezeichnung und was der Stolz an dieser Stelle bedeutet, soll Gegenstand der folgenden Betrachtungen sein.

„Gutmensch und stolz darauf“ - Ach, wirklich?

In einem anderen Beitrag wurde ja bereits das Wort des Jahres 2015 kritisch betrachtet, hier soll es nun um das Unwort des Jahres, bestimmt von der „Sprachkritischen Aktion“ (http://www.unwortdesjahres.net/), gehen. An sich scheint die Auswahl, die von diesen Menschen getroffen wurde, ebenso wie die von der GfdS, alles andere als politisch neutral zu sein und wahrscheinlich würde sich eine Kritik an so mancher Ihrer Wahlen für Worte beziehungsweise Unworte des Jahres lohnen. Letzteren Titel gewann im Jahre 2015 das Wort Gutmensch. Sogleich konnte man auf verschiedenen Netzseiten und auch außerhalb solche Aussagen wie im Titel „Ich bin ein Gutmensch und stolz darauf“ vernehmen. Diese Selbstbezeichnung und was der Stolz an dieser Stelle bedeutet, soll Gegenstand der folgenden Betrachtungen sein.

Zunächst einmal schauen wir uns die Begründung für die Kür dieses Wortes an. Dieses hatte es bereits im Jahre 2011 schon einmal auf den zweiten Platz, hinter den Begriff „Döner-Morde“ geschafft. Dort wird vor allem kritisiert, dass es sich um eine Diffamierung von Andersdenkenden handele.
Kommen wir nun aber auf die Pressemeldung vom Jahre 2015 oder besser auf den ersten Teil, denn die anderen beiden Unworte sollen hier nicht Thema sein. Wichtig ist zu bemerken, was diese Kür überhaupt bewirken soll: es handelt sich um eine Rüge an all jene, die das Wort verwenden, stellt also einen Appell an die Vernunft dar, es nicht mehr zu tun. Im Endeffekt geht es also darum, einen Begriff aus der öffentlichen Debatte zu entfernen.
Wichtig dabei ist, dass der Begriff vor allem im Kontext der Anwendung betrachtet werden muss. Letztes Jahr stand zum Beispiel das Wort „Hausaufgaben“ auf Platz zwei. Geht es um schulische Belange, so ist dieses Wort wahrscheinlich weniger ein Problem, aber die Jury hat es speziell im Zusammenhang mit Griechenland und der dorthin gerichteten politischen Aufforderungen genannt. Was also ist der Kontext, in dem der Begriff Gutmensch hier kritisiert wird oder wird er allgemein verdammt und soll gar ganz aus dem Wortschatz verschwinden? Die Antwort darauf ist ganz einfach: das Wort sei böse und müsse weg. Aber warum die „Sprachkritische Aktion“ das verlauten lässt, werden wir gleich noch sehen. Schauen wir uns nun ihre Pressemitteilung an und gehen diese Satz für Satz durch.

Das Wort „Gutmensch“ ist zwar bereits seit langem im Gebrauch und wurde auch 2011 schon einmal von der Jury als ein zweites Unwort gewählt, doch ist es im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsthema im letzten Jahr besonders prominent geworden. Als „Gutmenschen“ wurden 2015 insbesondere auch diejenigen beschimpft, die sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe engagieren oder die sich gegen Angriffe auf Flüchtlingsheime stellen.

Das mag ja durchaus richtig sein, aber dann sollte man die Verwendung des Begriffes im falschen Zusammenhang kritisieren und nicht das Wort an sich. Es geht inhaltlich dabei um etwas anderes, wie wir gleich sehen werden.

Mit dem Vorwurf „Gutmensch“, „Gutbürger“ oder „Gutmenschentum“ werden Toleranz und Hilfsbereitschaft pauschal als naiv, dumm oder weltfremdes Helfersyndrom diffamiert.

Falsch. Mit Gutmensch wird bewusst eine Abgrenzung zum Begriff des Guten Menschen getroffen. Letzteres bezeichnet jemanden, der moralisch handelt. Man kann sich jetzt natürlich darüber streiten, was genau das bedeutet, aber es ist wahrscheinlich unstrittig, dass es gute Menschen gibt und dass jemand, der selbstlos, das heißt, auch ohne Anerkennung dafür zu erwarten, seinen Mitmenschen oder auch Tieren etwas Gutes tut, ein solcher ist. Und das nicht nur einmal sondern in einer Weise, dass man sagen kann, es gehört zu seiner Persönlichkeit.
Was ist nun der Unterschied zum Gutmensch? Dieser WILL ein guter Mensch in den Augen anderer sein, ist also nicht völlig selbstlos. Eine andere Form besteht darin, sich selbst dadurch besser zu fühlen, etwas vermeintlich Gutes getan zu haben. Der Gutmensch versucht nun zwanghaft, dieses Bild zu erzeugen und das führt oft dazu, dass er gewissen Annahmen und ideologischen Moralvorstellungen einfach folgt, ohne diese kritisch zu hinterfragen. Dazu gehört dann zum Beispiel auch die Frage, wann denn die entsprechende Aussage so zutreffend ist und wann nicht, also in welchem Kontext diese zu sehen wäre. Ohne diese zu werten seien hier einmal ein paar solche aufgelistet: Einwanderung sei eine Bereicherung, Krieg sei immer verwerflich, Reichtum sei unverdient und eine Beraubung, homosexuelle Paare können Kinder genauso gut erziehen wie heterosexuelle, Geschlecht sei ein gesellschaftliches Konstrukt usw. Wie gesagt: hier wird keine dieser Aussagen beleuchtet und bestätigt beziehungsweise widerlegt. Sie dienen lediglich als Beispiele und sollen vielleicht den einen oder anderen von Ihnen, werte Leser, zum Nachdenken anregen.
Der Gutmensch nimmt nun also eine Annahme einfach an, schlicht weil dies einer gewissen gesellschaftlichen Norm entspricht. In den konsumierten Medien und dem eigenen sozialen Umfeld wird zum Beispiel einhellig (zumindest nach Außen hin) die Meinung vertreten, wir hätten es mit armen, vom Krieg und der Flucht traumatisierten Flüchtlingen zu tun, denen man helfen müsse. (Dem interessierten Leser seien hierzu unsere Beiträge zum Begriff Flüchtlingskrise empfohlen). Jemand, der ohne darüber nachzudenken, ob seine Handlung tatsächlich Gutes bringt, also er tatsächlich hilfsbedürftigen Menschen helfen wird, der ist genau das, was der zitierte Satz angibt: naiv. Und da macht es sehr wohl Sinn, eine Unterscheidung zwischen Guten Menschen auf der einen Seite und den Gutmenschen auf der anderen zu treffen.
Wichtig dabei ist auch, dass der Gutmensch normalerweise andere Meinungen nicht zulässt, da er sich völlig klar darüber ist, auf der moralisch richtigen Seite zu stehen. So haben kürzlich zum Beispiel Vertreter der Organisation „RosaLuxx.“ davor gewarnt, um Carlo Pedersoli, den man besser unter dem Namen Bud Spencer kennt, zu trauern. Der Grund hierfür sei, dass er in „Italienischen Regionalwahlen für die Forza Italia antrat.“ Und dies wäre dann „extrem uncool.“ Also weil ein Mann eine andere politische Meinung hat, die in dem entsprechenden Land nicht als extremistisch und verfassungsfeindlich eingestuft wird und damit legitim als Partei antreten darf, soll man nicht um ihn trauern, wenn man ihn für sein Lebenswerk bewundert? Was haben denn bitte seine Filme, denn dafür werden ihn die meisten kennen, mit seinem politischen Wirken zu tun? Und warum glauben diese Menschen, dass sie als Linke dem Rechten moralisch überlegen sind und dass alles, was er getan hat, nun im Schatten seiner Aktivitäten in der Forza Italia stehen muss? Der einzige Grund, den man hier angibt, ist seine Unterstützung dieser Partei. Es werden weder moralische noch andere Erwägungen getroffen, die ihn als schlechten Menschen einzustufen geeignet wären.

Der Ausdruck „Gutmensch“ floriert dabei nicht mehr nur im rechtspopulistischen Lager als Kampfbegriff, sondern wird auch hier und dort auch schon von Journalisten in Leitmedien verwendet.

Dieser Satz, wie auch der nächste, ist schlechterdings einfach lächerlich. Zunächst einmal verwendet man hier den Begriff „rechtspopulistisch.“ Wenn etwas in den letzten Jahren immer wieder als Kampfbegriff verwendet wurde, dann ist es doch dieser. Vielleicht sollten die Damen und Herren Juroren einmal darüber nachdenken, diesen als Unwort des Jahres 2016 zu küren. Oder wie soll man das pauschale Abtun vieler Vorschläge als rechtspopulistisch bezeichnen, ohne dass öffentlich Klarheit darüber besteht, was denn nun genau rechts ist?

Die Verwendung dieses Ausdrucks verhindert somit einen demokratischen Austausch von Sachargumenten.

Wenn also die bösen Rechtspopulisten, die Journalisten in den Leitmedien verwenden den Begriff Gutmensch ja nur hier und dort, nun also das Unwort sagen, dann verhindern sie einen demokratischen Austausch von Sachargumenten. Also dieselben Menschen, die von der „Sprachkritischen Aktion“ gerade unkritisch als „Rechtspopulisten“ bezeichnet wurden, um sie so auch in der Diskussion vorzuverurteilen und die Ebene des Sachlichen gar nicht erst begehen zu müssen. Interessant.
Unabhängig davon sollten jedoch die oben angestellten Überlegungen zur Bedeutung des Begriffes zeigen, dass dieser nicht diskussionsbehindernd wirkt, so er im richtigen Kontext angewandt wird. Wer sich einmal kritisch mit der sogenannten Flüchtlingskrise auseinandergesetzt hat, dem wird klar sein, dass das Wort Gutmensch in diesem Zusammenhang sehr wohl an der richtigen Stelle zur Anwendung kommen kann. Dies heißt natürlich nicht, dass manch einer ihn nicht doch diffamierend und pauschalisierend verwendet oder vorher tatsächlich darüber nachgedacht hat, was er denn bedeutet, aber gleich zu behaupten, das Wort sei deswegen ein Unwort, ist, gelinde gesagt, kurz gesprungen.

Fazit

Wer tatsächlich stolz darauf sein sollte, ein Gutmensch zu sein, dem sei mitgeteilt, dass er stolz darauf ist, unkritisch sich moralischen Idealvorstellungen hinzugeben und sich dadurch natürlich auch leicht manipulierbar macht. Aber man kann durchaus darauf stolz sein, nicht den Mut zu haben, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen. Dies zeugt jedoch nicht davon, dass man in irgendeiner Weise gut ist.
Die „Sprachkritische Aktion“ beweist mit ihrer Kür eigentlich nur eines: dass sie nicht in der Lage ist, tatsächlich sprachkritische Arbeit zu leisten oder dies nur äußerst oberflächlich tut. Wenn alle Wahlen zum Unwort eines Jahres auf diese Weise getroffen wurden und werden, kann man diesen Verein in keiner Weise ernst nehmen.


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