Bejahung des Menschlichen

SapereAudeBlog

Im letzten Beitrag, in dem es um die meiner Ansicht nach notwendige Verneinung der Wurzel allen Übels, nämlich der Sklavenmoral und der Tyrannei der Schwachen, ging, hatte ich bereits angekündigt, dass ich hier nun den ersten Schritt der positiven Setzung, also einer Bejahung benennen will, der die geistige Grundlage einer Alternative zum derzeitigen Modell der Gesellschaft und Politik eröffnet. Und dieser Schritt ist ganz einfach auszudrücken: Es ist ein Ja zum Menschlichen. Moment. Was? Bin ich jetzt unter die Gutmenschen gegangen und erzähle hier was von humanitärer Hilfe, menschlicher Politik und was weiß ich was alles? Natürlich nicht. Eher werde ich hier eine Umdeutung von dem vornehmen, was das Wort „Menschlich“ bedeutet und versuchen aufzuzeigen, dass eine solche tatsächlich zwingend notwendig ist um das ewig von verblendeten ideologisch konzipierten Utopien herrührende Denken zu überwinden.

Bejahung des Menschlichen

Im letzten Beitrag, in dem es um die meiner Ansicht nach notwendige Verneinung der Wurzel allen Übels, nämlich der Sklavenmoral und der Tyrannei der Schwachen, ging, hatte ich bereits angekündigt, dass ich hier nun den ersten Schritt der positiven Setzung, also einer Bejahung benennen will, der die geistige Grundlage einer Alternative zum derzeitigen Modell der Gesellschaft und Politik eröffnet. Und dieser Schritt ist ganz einfach auszudrücken: Es ist ein Ja zum Menschlichen. Moment. Was? Bin ich jetzt unter die Gutmenschen gegangen und erzähle hier was von humanitärer Hilfe, menschlicher Politik und was weiß ich was alles? Natürlich nicht. Eher werde ich hier eine Umdeutung von dem vornehmen, was das Wort „Menschlich“ bedeutet und versuchen aufzuzeigen, dass eine solche tatsächlich zwingend notwendig ist um das ewig von verblendeten ideologisch konzipierten Utopien herrührende Denken zu überwinden.

Wie auch im letzten Beitrag möchte ich hier Wiederholungen von Inhalten früherer Beiträge möglichst vermeiden. Entsprechend sei Ihnen, werter Leser, empfohlen den vorangegangenen Beitrag entweder zu lesen oder das Video dazu anzuschauen . Da auch dieser wiederum auf zwei anderen älteren Beiträgen, nämlich „Sprache, Verfall, Manipulation und Kriegsführung“ und „Macht und Moral“ (Videos: (Link) bzw. (Link)) aufbaut, möchte ich an dieser Stelle darauf hinweisen, dass vieles, was ich scheinbar voraussetze, bereits erklärt wurde und entsprechend nicht so aus der Luft gegriffen ist, wie es auf den ersten Blick scheint. Ein Zuschauer auf Youtube hatte jedoch angemerkt, dass eine detailliertere Betrachtung davon, was Sklaven- und Herrenmoral ausmachen und was daraus für Konsequenzen folgen, notwendig ist. Ein Beitrag dazu wird in Zukunft folgen, entsprechend bitte ich um Geduld. Also, zum Thema:

Es wurde bereits angedeutet, dass es hier um eine Umdeutung von dem, was menschlich ist, gehen soll. Das stimmt nicht ganz. Eher soll es darum gehen, zu zeigen, dass das, was als unmenschlich bezeichnet wird, in Wirklichkeit gar allzu menschlich ist. Im Endeffekt ist das Ziel hier einen weiteren Beitrag dazu zu leisten, dem Denken von der Utopie, dem Idealbild einer Gesellschaft aus etwas entgegenzusetzen: nämlich nicht mehr von Modellen oder Konstrukten ausgehend seine eigenen Moralvorstellungen und politischen Positionen aufzubauen, sondern eben auf Natur des Menschen.

Die erste Frage, die sich der eine oder andere nun stellen wird, lautet: Hat er doch die Weisheit mit Löffeln gefressen und die Natur des Menschen erkannt? Darauf lautet die Antwort: Abwarten. Ich werde im Folgenden versuchen, alles sehr ausführlich auszuführen um solche Missverständnisse zu vermeiden, wie sie im Kommentarbereich bei uns des Öfteren deutlich werden.

Beginnen wir also nicht mit der Frage danach, was die Natur des Menschen ist, also wie denn ein tatsächlich realistisches und nicht ein zurechtgebogenes Bild aussehen sollte, sondern damit, wie man sie erkennen kann. Da es heutzutage in Mode zu sein scheint, ein Skeptiker zu sein und diese Herangehensweise sehr bequem und einfach ist, muss natürlich beantwortet werden, ob es überhaupt möglich ist, den Menschen an sich zu verstehen. Und sicherlich ist eine gewisse Form von Skepsis nicht nur angebracht, wenn man denn die heute üblichen Methoden der Erkenntnisgewinnung darüber, wie wir sind, betrachtet, sondern sogar ratsam. Denn die Methodik der Psychologie, egal ob man da nun ein Verhaltens-, ein Neuro- oder sonstwas vorsetzt, ist dafür schlussendlich nicht geeignet. Man kann hiermit zwar einiges an Wissen erlangen, das sei durchaus zugestanden, doch ist ein großer Teil dieser Wissenschaften Schönrederei, zweifelhafte Verallgemeinerung, ideologisch motiviert und – das sei hier auch nicht verschwiegen – schlicht eine Verfälschung von Daten. Weiterhin ist es äußerst mühsam sich durch die gezwungen intellektuell geschriebenen Beiträge von Psychologen, Sozialwissenschaftlern und was es nicht alles gibt zu quälen. Da dies also keine gute Methode zur Erkenntnis über unsere Natur ist, müssen wir also ausweichen.

Zunächst einmal lässt sich nicht abstreiten, dass wir den Tieren nicht unähnlich sind. Ob man nun an die Evolutionstheorie glaubt oder nicht (und ich erwähne dies unter anderem deswegen, weil unter einem unserer Videos es dazu eine längere Diskussion gab), ist dabei uninteressant. Es ist nicht wichtig zu wissen, ob wir – platt ausgedrückt – vom Affen abstammen oder irgendwie anders, ob nun als Erben der Götter, geformt von Jahwe oder was weiß ich, auf diese Welt gekommen sind. Was jedoch eine Relevanz mit sich bringt, ist die Struktur unseres Gehirns und an sich unseres gesamten Körpers. Die Ähnlichkeit zu vielen Tieren sind nicht zu übersehen und Menschen, die man gewissen Umständen aussetzt, beginnen sich wesentlich animalischer zu verhalten, als wir dies in unserer zivilisierten Gesellschaft für angebracht halten. Hierfür muss man nicht einmal bis zu den sogenannten Wolfskindern oder ähnlichem gehen. Dass wir teils von Instinkten und Reflexen geleitet werden, wird jeder schon einmal erlebt haben. Etwa dass man die Flucht ergreift, wenn man glaubt, sich in einer brenzlichen Situation zu befinden oder dass man doch schon mal den einen oder anderen Impuls oder Drang aus beispielsweise moralischen Gründen unterdrückt hat. Und gerade unter extremen Bedingungen kann etwa der Überlebenstrieb einsetzen und den Menschen zu Handlungen antreiben, die er ansonsten niemals begehen würde.

Ich möchte hier weder die These aufstellen, der Mensch sei auch nur ein Tier, noch mich ihr entgegenstellen, da es der Sache nicht dienlich ist. Die bloße Feststellung, dass wir manch eine Verhaltensweise mit Tieren teilen und die Umwelt uns dazu verleiten kann uns an sie weiter anzugleichen, ist an dieser Stelle ausreichend. Das heißt, wir können aus der Beobachtung der Tierwelt einiges über uns lernen, so es um diejenigen Aspekte unseres Daseins geht, die wir mit ihr teilen. Das Beispiel mit dem Überlebenstrieb habe ich bereits angesprochen. Daher kommt auch, dass wir viele Analogien zu Tieren in unserer Alltagssprache verwenden, etwa wenn wir sagen, jemand beobachte etwas mit Adleraugen, sei wie ein in die Ecke getriebenes Raubtier oder benehme sich wie ein aufgescheuchtes Reh und dann ein entsprechendes Bild vor Augen haben, das die Verhaltensweisen tatsächlich gut vergleichbar macht. Jedoch gibt es durchaus unterschiedliche Tierarten, gerade auch was ihre Verhaltensmuster angeht. Die Frage ist also, welche Instinkte und Triebe man im Menschen erkennen kann, die unser Handeln zumindest beeinflussen.

Bevor wir uns jedoch daran wagen, sollte man noch kurz über ethnische Unterschiede nachdenken. Sind weiße Europäer in ihren animalischen Anteilen anders aufgestellt als Phillipinos, Indianer oder Schwarzafrikaner? So weit mir das bekannt ist, erst einmal grundsätzlich nicht. Man kann durchaus sagen, dass bestimmte Gruppen beispielsweise mehr Testosteron haben als andere, also entsprechend die daraus resultierenden Verhaltensweisen dominanter sind, jedoch ist es nicht so, dass der Selbsterhaltungstrieb nur in einer bestimmten Ethnie vorkäme, während in einer anderen dafür Egoismus vorherrschend ist. Es scheint also, von der grundsätzlichen Veranlagung der vorhandenen Instinkte und Triebe her, erst einmal keinen Unterschied zu geben. Im Grade der Ausprägung mag dies jedoch der Fall sein. Allerdings können wir etwas anderes feststellen: Menschen sind eine geschlechtlich dimorphe Art. Das heißt, dass, abgesehen von den Geschlechtsorganen, die Männchen sich von den Weibchen unterscheiden. Hier soll es nun allerdings nicht darum gehen zu ermitteln, in wie fern Intelligenz, Körperbau, Kreativität usw. unter den Geschlechtern verschiedenartig verteilt sind, sondern darum, in wie fern Männer und Frauen unterschiedliche Instinkte und Triebe mitbringen. Hach, wie gerne ich doch in Wespennester steche. An dieser Stelle gehe ich also mal nicht zu weit, weil ich ansonsten auf das gesamte Thema des Feminismus eingehen müsste, das weit über die Ablehnung von Quoten und Sprachnormen hinaus geht, wenn man seine Kritik denn wirklich bis zum Ende denken will. Jedoch so viel: es ist grundsätzlich so, dass der Wille zur Macht, den ich bereits im Video zu Macht und Moral beschrieben habe, sich bei den Geschlechtern unterschiedlich zeigt. Das sehen wir an den deutlich unterschiedlichen Verhaltensweisen. Etwa wenn es darum geht, Risiken einzugehen, Sicherheit zu bevorzugen, in der Hierarchie aufsteigen zu wollen usw. Grundsätzlich ist es jedoch so, dass eine Anerkennung der Unterschiede und daraus entsprechend auch seine Konsequenzen zu ziehen, notwendig ist.

Nun stellen wir also folgendes fest: es gibt im Menschen, vor allem jedoch im Manne, eine gewisse Aggression. Diese verleitet unter anderem dazu, sich andere untertan machen zu wollen, besser zu sein als andere, seinen Einfluss auszudehnen usw. Mit anderen Worten ist sie eine Grundtriebfeder des Fortschritts. Ohne diesen Drang sich über andere, die Natur, die Gegebenheiten oder was auch immer zu erheben, ohne das Bedürfnis Probleme zu lösen, ist ein Vorankommen, ein Zurücklassen des derzeitigen Zustandes, entweder gar nicht möglich, weil dazu kein Antrieb besteht oder geht nur sehr langsam vonstatten. Aggression kommt, woher auch sonst, aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie auf etwas zugehen oder etwas anzugreifen. Anders gesagt ist unsere Aggressivität nichts anderes, als ein Trieb, ein Problem anzugehen und es nicht zu ignorieren. Gepaart mit Egoismus, der sich auch auf eine Gruppe erstrecken kann, sorgt dies dafür, dass wir, ganz natürlich, zunächst unsere eigenen Interessen verfolgen. Anders ausgedrückt ist das Beseitigen von Bedrohungen, das Erlangen von Ressourcen und das Steigern der eigenen Fertigkeiten, dies zu tun, menschlich, ja allzumenschlich.

Damit aber erstmal genug mit diesem kleinen Exkurs in unsere Instinkte und Triebe. Ich wollte hiermit vor allem aufzeigen, dass es in unserem Handeln, unter anderem durch unsere Körperchemie, schlicht Faktoren gibt, die es zu berücksichtigen gilt. Dazu gehört eben auch, dass jeder erst einmal im eigenen Körper steckt und diesen zu verteidigen und seine eigenen Möglichkeiten entsprechend seines Willens zur Macht auszudehnen sucht. Und wie bereits erwähnt ist dieses Verhalten auch auf Gruppen, in die man sich eingebunden fühlt, ausgedehnt. Etwa würde wohl kaum jemand lange nachdenken, ob er zunächst seine eigene Familie aus einem brennenden Haus rettet oder die des Nachbarn.

Nachdem wir nun also das Tier im Menschen, also seine natürlichen Veranlagungen, bemerkt haben, die vor allem im Rahmen des Nietzeschen Satzes, Leben sei Wille zur Macht, zusammengefasst werden können, wollen wir voranschreiten. Denn nun stellt sich erst einmal die Frage, ob es als Methode, die Natur des Menschen auszumachen, ausreicht, seine grundlegenden Triebe zu identifizieren. Dafür soll folgende Überlegung dienen: kann der Mensch sich über seine Veranlagungen erheben und völlig anders handeln, als es eigentlich diesen gemäß wäre? Gibt es etwas, das uns vom Tier unterscheidet? Nun, ja, das gibt es. Man nennt es gemeinhin Vernunft. Dies geht darüber hinaus, dass ein bestimmtes Signal das andere überwiegt, etwa wenn ein Hund aus Zuneigung zu seinem Herrchen sein eigenes Leben aufs Spiel setzt um es zu schützen und damit seinem Selbsterhaltungstrieb oder auch einem Fluchtinstinkt zuwider handelt. Die Fähigkeit, bewusst das eine oder andere zu tun und das auch ohne dass ein bloßer Vergleich von biologischen Motivatoren ausreichend wäre, die Handlungspräferenz zu bestimmen, ist eine, die wir nur bei uns Menschen sicher feststellen können. Entsprechend reicht es nicht, uns analog zu Tieren, die in gewissen Aspekten Ähnlichkeiten zu uns aufweisen, zu betrachten um ihn so zu studieren.

Nun stellt sich, nachdem wir ein Bewusstsein, das Handlungsentschlüsse fasst, natürlich die Frage danach, ob es so etwas wie einen Freien Willen gibt, wie er in der philosophischen Debatte gerne genannt wird. Die Antwort darauf ist allerdings wiederum für unsere Ausführungen gar nicht so wichtig. Denn unabhängig davon kann jeder von sich selbst (und anders ist es leider mit gar nichts anders) auf andere dahingehend schließen, dass er ihnen ein Bewusstsein zuschreibt. Ob dieses nun das Produkt vorbestimmter oder aufgrund von Ursache-Wirkung-Beziehungen Gegebenheiten zustande kommt oder ob es einen Grad an Freiheit gibt, der Mensch also aktiv seine Handlungen bestimmen und so in die Welt eingreifen kann, geht tatsächlich darüber hinaus, was für die Frage nach unserer Natur erst einmal wichtig ist. Denn wir können feststellen, dass sich der Mensch über seine tierischen Aspekte hinwegsetzen KANN, es allerdings nicht muss. Womit wir beim nächsten Punkt wären.

Man sagt gemeinhin, der Mensch bestehe zu einem recht hohen Prozentsatz aus Wasser. Wie hoch der tatsächlich ist, sei einmal dahingestellt und variiert sicherlich, jedoch soll dies auch nur dazu dienen das folgende Sinnbild zu untermalen: Man sagt schließlich auch, Wasser nehme stets den Weg des geringsten Widerstandes. Auf diese Weise entstehen zum Beispiel Flusschlingen statt schnurgrader Wege bergab und zum nächsten Meer. Für Menschen gilt dies zu einem gewissen Teil auch. Um es kurz auf den Punkt zu bringen: lediglich seinen Bedürfnissen zu folgen und kurzfristige Befriedigung zu suchen, ist im Großen und Ganzen der einfachste Weg, den man im Leben wählen kann. Denn auf diese Weise kann man stets seine grundlegenden wie auch hedonistischen Verlangen stillen, ohne das Leid, das Verzicht und Entbehrung mit sich bringen, erdulden zu müssen. Um es einmal platt auszudrücken: nur für sich selbst zu leben, einer Teilzeitarbeit nachzugehen und alles, was nicht für Miete und sonstige laufende Kosten draufgeht, für Selbstbespaßung auszugeben, sowie den Rest seiner Zeit mit Faulenzen im weitesten Sinne zu verbringen, ist ein angenehmes und einfaches Leben. Hier wäre der Begriff des Hedonismus womöglich angebracht, da es einem solchen Individuum lediglich darum geht, seine eigenen Bedürfnisse zu stillen und ansonsten möglichst das zu genießen, was es zur Verfügung hat, ohne langfristig oder an irgendetwas Anderes, Höheres denken zu müssen. Wobei man die Teilzeitstelle natürlich auch durch das Leben vom Sozialstaat ersetzen könnte, was jedoch die möglichen Ausgaben zum Genuss verringert und zumindest in BR-Deutschland gewisse Verpflichtungen mit sich bringt, damit man weiter Hartz IV beziehen kann. Es soll hier jedoch auch nicht darum gehen, was der tatsächliche Weg des geringsten Widerstandes im Leben ist. Jedoch lässt sich zweifelsohne sagen, dass ein solcher nicht beinhaltet, eine eigene Firma zu gründen, in der Hierarchie aufzusteigen, Verantwortung zu übernehmen oder sonstwie sich in Situationen zu bringen, die mehr von einem verlangen, als lediglich dasjenige zu tun, was einem gesagt wird und was der eigenen Bedürfnisbefriedigung beziehungsweise Genusssteigerung dient, ohne dabei über sonst was für Hürden zu springen. Und wir alle kennen Menschen, die mit solch einem Leben durchaus zufrieden sind.

Um einem Fehlschluss zuvorzukommen: ich sprach davon, dass ein solches Leben im Endeffekt das ledigliche Befolgen der eigenen Triebe, Instinkte und Bedürfnisse ist, sich also von diesen zu größten Teil leiten zu lassen. Da dies analog zu Tieren betrachtet wurde, die, zumindest unbestreitbar zum größten Teil, genau dies tun, könnte man nun meinen, ich spräche einer gewissen Gruppe das Menschsein ab. Das stimmt nicht. Denn wie ich oben bereits anmerkte, ist uns über unsere animalischen Anteile zu erheben lediglich etwas, wozu wir fähig sind. Aber genauso wie jeder Mensch dazu in der Lage ist, sich ins eigene Auge zu stechen oder Chinesisch zu lernen, ist es keine Voraussetzung dafür, einer zu sein, dass man dies auch tut. Es ist, wie gesagt, lediglich eine Fähigkeit.

Von dieser Gebrauch zu machen ist manchmal schwieriger und anderemale einfacher. Wer schon einmal eine Diät gemacht hat und nach zwei Wochen Verzicht vor einem Teller mit einem Stück seiner Lieblingstorte oder was auch immer stand, von dem er genau weiß, dass er es jetzt auf keinen Fall anrühren sollte, der weiß, dass Willenskraft aufzubringen eine aufzehrende Angelegenheit ist. Vor allem dann, wenn sie häufig gefordert wird oder gegen etwas so starkes wie eine Sucht oder Jähzorn ankämpfen muss. Mit anderen Worten: man lässt sich vielleicht nicht ausschließlich von seinen Bedürfnissen steuern, doch spielen diese eine große Rolle, da sie zumindest im Bewusstsein in der einen oder anderen Form auftauchen werden und man sich manchmal selbst zwingen muss, beispielsweise die Klappe zu halten, eine Angst und den damit verbundenen Fluchtinstinkt zu überwinden, Schmerzen hinzunehmen, etwas aufzugeben oder Verzicht zu üben.

Bis zu diesem Punkt kann man also folgendes sagen: jeder Mensch ist zu einem gewissen Teil durch seine natürlichen Triebe bestimmt, hat allerdings zumindest das Vermögen in vielen Situationen sich gegen dieses zu entscheiden. Sind die Bedürfnisse gestillt, gibt es also nichts, das den Menschen zu etwas anderem antreibt, so ist er mehr oder weniger frei in seiner Handlung. In wie fern er seine Antriebe überkommen kann, ist weiterhin eine Frage der Willenskraft. Aus alledem kann man folgern, dass ein großer Teil der Menschheit, nämlich derjenige, dessen Willen eher schwach ist, der den Weg des geringsten Widerstandes bevorzugt und der allgemein dem Hedonismus eher zugeneigt ist, als Entbehrungen hinzunehmen, den Genuss nach hinten zu verlagern oder Initiative und Verantwortung zu übernehmen. Diese Menschen kann man getrost zur Herde rechnen. Wie groß diese ist, hängt allerdings von den äußeren Umständen ab. Zwar mag nicht jeder die Veranlagung dazu haben, in der Hierarchie eine höhere Position einzunehmen und viel Verantwortung tragen zu können, doch ist es so, dass eine solche nicht ausreichend ist. Je mehr der Mensch damit beschäftigt ist, für die Befriedigung seiner Grundbedürfnisse arbeiten zu müssen, desto eher ist er gezwungen, sich in die Herde einzureihen, egal ob er in der Lage wäre, sich als Herr über sie zu stellen, wenn er seine Fertigkeiten dazu ausprägen könnte.

Wir können also bis zu diesem Punkt nicht die Natur des Menschen an sich ableiten, haben also noch keine erschöpfende Methodik gefunden. Was wir wissen, ist, dass es einen großen Teil an Herdenmenschen schlicht geben muss, dass der Mensch sich stets in diejenigen teilen wird, die ihr Leben unter den gegebenen Umständen einfach so leben wollen, wie es gesellschaftlich halt akzeptiert wird. Man kann dazu auch „die Masse“ sagen. Das Individuum aus dieser mag für sich ganz anders denken und andere Werte bevorzugen, doch sich gegen diese Menge zu wenden, käme ihm kaum in den Sinn und um ihn zur Veränderung anzutreiben ist es entweder nötig, die gegebenen Umstände so unerträglich zu machen, dass das Aufbegehren attraktiver ist, oder den Kampf mit so geringen Kosten zu verbinden, dass es dadurch kaum Repressionen zu befürchten hat. Ein Beispiel für ersteres wären Hunger oder Unrecht in großem Maßstabe, eines für letzteres geheime Wahlen, bei denen man sich nicht öffentlich für seine Entscheidung zu verantworten hat.

Nun könnte man annehmen, dass ein Studium der Massenpsychologischen Eigenschaften an vorderster Stelle stehen sollte. Dieses ist zwar wichtig, will man den Menschen verstehen, doch gab und gibt es immer wieder jene, die in der Lage sind, die Herde so zu lenken, wie sie es für richtig befinden und dadurch einen großen Einfluss auf die Menschheit haben. Wollen wir die Natur des Menschen kennenlernen, so müssen wir also diese eine, wiederum manch einem wahrscheinlich schwer im Magen liegende, Erkenntnis machen: Wir sind nicht alle gleich. Ganz und gar nicht und in keiner Hinsicht. Es gibt, abgesehen von den offensichtlichen körperlichen Unterschieden zwischen den Geschlechtern, den Ethnien und auch den Individuen, große Differenzen auch auf geistiger Ebene, was etwa Intelligenz und Kreativität angeht, aber auch was den eigenen Willen betrifft. Wir sprechen nicht umsonst davon, jemand sei sehr willensstark, stur oder sei auf der anderen Seite eher willensschwach. Das Wissen, wie man seinen eigenen Willen zur Macht durchsetzen kann, reicht also nicht aus. Es ist auch notwendig, einen starken Willen mitzubringen.

So, nun haben wir sehr viel darüber geredet, wie man nicht die Natur des Menschen ermitteln sollte und was wir definitiv sagen können: wir sind alle sehr verschieden, viele von uns sind Herdenmenschen, die nicht führen, sondern lediglich folgen, wir sind in der Lage wider unsere Triebe zu handeln, doch kostet dies Kraft in Form von Willensstärke und es gibt auch den Weg des geringsten Widerstandes und des Hedonismus, der dem Menschen ebenso offen steht. Bevor wir nun aber dazu kommen, wie man denn die Natur des Menschen tatsächlich ermitteln kann, wozu natürlich die Berücksichtigung der oben genannten Aspekte gehört, können wir an dieser Stelle bereits zur folgenden Erkenntnis gelangen: Eine Reduktion auf Menschen eines bestimmten Schlags bei der Formulierung einer gesellschaftlichen Theorie muss dazu führen, dass man zu einer Utopie – einem Nicht-Ort – gelangt. Man kann diese natürlich umsetzen, doch wird man immer bei einem instabilen Konstrukt landen. Über gute Umsetzungen einer Gemeinschaftsordnung wollen wir uns an dieser Stelle jedoch auch nicht unterhalten, da es wiederum vom Thema weit wegführen würde.

Wie soll man herausfinden, wie er in seiner Gesamtheit wirklich ist und was man von ihm unter bestimmten Umständen zu erwarten hat? Wie soll man ermitteln, was für politische Konstruktionen auch langfristig funktionieren und welche stets zum Scheitern verurteilt sind? Welche Methode soll man ansetzen? Es sollte nun offensichtlich sein, dass das Studium des Einzelnen, wie es beispielsweise in der Psychologie passiert, nicht ausreicht und auch das Studium von Gemeinschaften wie es in den Sozialwissenschaften stattfindet, nicht wirklich fruchtbar ist. Genausowenig wie die Formulierung von moralphilosophischen Idealen, von denen man sein Handeln leiten lässt. Denn es fehlt immer das eine, eigentlich so einfache und offensichtliche, was uns bei alledem helfen könnte: es fehlt die Geschichte. Jeder wird schonmal eine Abwandlung des Satzes „Wer die Geschichte nicht kennt ist verdammt, sie zu wiederholen“ gehört haben. Der Grund dafür ist ganz einfach: der Mensch ist der Mensch, war der Mensch und wird in absehbarer Zukunft wahrscheinlich auch noch der Mensch bleiben. Was meine ich damit? Dass, egal wie sehr man immer versucht, sich über seine Vorfahren zu erheben, sie als barbarisch oder sonst was betrachtet, man ihnen doch sehr viel ähnlicher ist, als man das heute gerne wahrhaben will. Ja, die Sachsen und Friesen ziehen nicht mehr plündernd gen Brittanien. Na und? Die Umstände haben sich geändert, die Notwendigkeit besteht nicht mehr und es gibt nun andere Wege ein Auskommen zu finden. Um es ganz deutlich zu sagen: der Mensch an sich, nicht seine Umstände, nicht der Wissensschatz, nicht die Technologie, sondern das biologische, mit Vernunft ausgestattete Wesen, hat sich in den letzten paar Tausend Jahren nicht wirklich verändert.

Ich hatte schon mehrere Diskussionen zu dem Thema und weiß daher, dass mir manch einer dabei widersprechen möchte. Meistens kommen solche Antworten wie: „Ja, aber wir sind doch nicht so, wie wir vor 2000 Jahren waren. Wir haben doch gesellschaftlichen Fortschritt gemacht, haben eine andere Moral usw.“ Und genau das ist mein Punkt: natürlich haben sich die Umstände verändert. Ja, es gab eine gesellschaftliche Entwicklung (ob es sich dabei um Fortschritt handelt, sei einmal dahingestellt), ja, wir leben heute mit einer anderen Vorstellung von Moralität, die uns von Kindesbeinen an eingeimpft wird, ja, der Wohlstand, die Medizin und was weiß ich was alles, haben heute eine ganz andere Bedeutung und auch andere Qualität als noch vor 200 Jahren oder auch nur ein paar Jahrzehnten. Na und? Das alles ist nicht der Mensch, das ist die Umwelt des Menschen. Und wenn wir eines wissen, dann dass wir recht anpassungsfähig sein können, wenn wir uns nicht von Sturheit hemmen lassen. Jeder, der schonmal eine, nicht für den allgemeinen Tourismus ausgelegte, Reise in einen möglichst fremden Kulturkreis unternommen hat, kann das bestätigen. Man lernt völlig andere Verhaltensweisen, Vorstellungen über das Leben an sich usw. kennen und handelt entsprechend. Vielleicht legt man seine eigenen nicht ab, doch wird man auch nicht gegen die örtlichen Sitten bewusst verstoßen, nur weil die eigenen dem widersprechen. Genauso wäre es, wenn Zeitreisen möglich wären, ein Mensch aus dem antiken Griechenland bei uns landen würde, Deutsch lernte und sich hier in die Gesellschaft einfügen müsste. Warum? Weil Mensch eben Mensch bleibt. Die Umwelt, die gesellschaftliche Ordnung, die technischem Mittel, die medizinische Versorgung, die Infrastruktur, die Zahl an Mitmenschen, sogar die eigene Muttersprache; all das verändert das Verhalten des Menschen, jedoch nicht seine Natur. Unsere Fähigkeiten Dinge zu begreifen, analytisch zu denken, kreativ zu agieren, unsere Gefühlsvermögen für Liebe, Hass, Neid, Angst, unsere Neugierde, Abenteuerlust, der Entdeckergeist und so weiter sind heute genauso da, in dem einen stärker ausgeprägt als in dem anderen, wie zu Zeiten des Sokrates, Arminius, Luther oder alten Fritzes. Um es etwas anders auszudrücken: Alle diese tollen Dinge, die wir als Fortschritte des Menschen betrachten, liegen außerhalb des Menschen selbst, sie haben in ihm keine riesigen Veränderungen herbeigeführt. Wir mögen größer sein als unsere Ahnen, wir mögen alle lesen und schreiben können oder anderen Regeln folgen. Ja, und? Alle Dinge, die nicht uns in unserer grundsätzlichen Verhaltensweise unter den gegebenen Umständen verändern, sind lediglich Mittel und Zwänge, die uns an der Entfaltung hindern oder die wir für unsere Zwecke nutzen können. Sie bewirken keine Veränderung der Natur unserer Art.

Lange Rede, kurzer Sinn: wenn wir wissen wollen, wie der Mensch auf verschiedene Situationen reagiert, welche Art von Gesellschaftsformen nach Innen hin stabil sind, welche Moralität es erlaubt zur Größe zu streben und was weiß ich noch alles, dann ist das wichtigste Studium das der Geschichte. Und zwar der Geschichte als etwas Lebendiges, nicht als eine Wissenschaft des Toten. Man kann, wenn man diesen einfachen Schritt wagt, sehr viel über die Natur des Menschen lernen: unter welchen Bedingungen erheben sich die Massen? Wohin führt Pazifismus? Wie lenkt man die Aufmerksamkeit einer Bevölkerung um? Welchen Einfluss haben große Männer und Frauen? Was unterscheidet sie vom einfachen Mann auf der Straße? Wozu führen Krieg, Not, Leid und Bedrängnis? Welche Gesetze schaden, welche Systeme halten ewig? Wie kann man innere Stabilität langfristig gewährleisten, wie sich nach Außen sichern und schützen? Warum scheitern viele Formen von Gesellschaftsorganisationen immer und immer wieder, egal wie sehr man versucht, die Menschen zu erziehen oder zu zwingen? Und ja, alle diese Fragen und noch viele weitere kann man sich schlüssig, anhand von mehreren Beispielen mittelst der Geschichte erklären.

So, nun haben wir endlich den ersten Teil abgehakt, nämlich festzulegen, wie wir die Natur des Menschen ermitteln sollen: Eine Betrachtung der Geschichte der Menschheit hinsichtlich seines Verhaltens unter den gegebenen Umständen unter Berücksichtigung sowohl seiner animalischen Triebe, die zu überkommen er in der Lage ist, als auch seiner geistigen Kapazitäten. Schön und gut. Nun aber die Preisfrage: WAS ist denn jetzt die Natur des Menschen? Was ist dieses Menschliche, was zu bejahen ist? Und warum war Schritt eins die Verneinung, die ich im Beitrag „Die Wurzel allen Übels“ ansprach?

Der Grund, dass die Verneinung meiner Ansicht nach vor der Bejahung stehen muss, ist folgender: Wie will ich etwas bejahen, dessen Gegenteil eine Grundannahme meines Denkens ist? Wie will ich Dinge, die meiner verinnerlichte Sklavenmoral, meiner Unterwerfung unter die Tyrannei der Schwachen, widersprechen für mich annehmen? Das geht nicht ohne sich selbst in Widersprüchen zu verstricken. Anders gesagt: macht man sich nicht von dem frei, was das eigene Denken behindert, ist man sich nicht bewusst, aufgrund welcher Dogmen man dort gelandet ist, wo man heute geistig steht, so ist man auch hier verdammt, die Geschichte zu wiederholen und bei derselben Philosophie mit denselben Konsequenzen zu landen, bei der man angefangen hat. Sie kommt nur in einem anderen Gewande daher, da man neue Etiketten auf die alten Verpackungen geklebt hat, die mit denselben Produkten gefüllt sind.

Wenn Sie, werter Leser, mir bis hierher gefolgt sind, also die Verneinung für sich gewagt haben, bereit sind alles in Frage zu stellen, worauf unsere Gesellschaft, unsere Moral, unser Denken fußt und nun mit mir hier stehen, an der Schwelle zur Bejahung dessen, was menschlich ist, dann gestatten Sie mir, an dieser Stelle einmal Ihre Kühnheit zu loben. Denn es gehört doch einiges dazu, diese Schritte zu gehen und es wird Ihnen wahrscheinlich gehen wie mir, wenn Sie versuchen, mit anderen Menschen darüber zu reden und ich meine hiermit gerade auch diejenigen, die sich als Systemkritiker verstehen, meinen gegen den Strom zu schwimmen oder eine Alternative zu vertreten. Die Augen werden verschlossen, die Ohren zugedrückt und es werden Ausflüchte gesucht, die stets mit den Worten „ja, aber“ beginnen. Nun denn, mal sehen, wie weit mir zu folgen Sie noch bereit sind.

Wir lernen vor allem eines: menschlich ist der Wille zur Macht, das Streben nach Größe, nach Ausbreitung, sich die Natur, die Umwelt, andere Menschen, dienstbar zu machen. Das heißt nicht, bevor nun wieder der Einspruch kommt, dass man andere dafür versklaven muss, nein. Was ist „viel Geld verdienen“ anderes, als mit der gleichen Stundenzahl an Arbeit immer mehr Leistungen erhalten zu können, ob dies nun Dienstleistungen, die Arbeit von Angestellten, Lebensmittel, Energieversorgung oder was auch immer ist, als der Versuch, die Dienstbarkeit der Umwelt, zu der nunmal alles und jeder außerhalb des eigenen Körpers gehört, zu erhöhen? Wer würde sich bewusst entscheiden, in derselben Stadt eine vom Arbeitsbereich genau gleich aufgestellte Stelle in einer Firma zu übernehmen, die ihm einen Euro weniger die Stunde bietet, als die andere Firma, wenn er in beiden nicht verwurzelt ist? Eigentlich niemand, oder? Vielleicht aus Idealismus, aber sonst auch nicht. Warum? Weil mehr Bezahlung an dieser Stelle mehr Dienstbarkeit bedeutet, oder, wie man heute sagt, man kann sich dann mehr leisten. Ja, es gibt Ausnahmen. Na und? Im Großen und Ganzen passt es: jeder versucht, sich sein Leben zu bereichern, seine Zwecke zu erreichen, auf seine Art entweder nach Größe oder Annehmlichkeit zu streben und seinen Willen nach Außen zu tragen. Um diesen bereits recht langen Beitrag nicht unnötig weiter ausufern zu lassen, werde ich auf den Begriff des Willens zur Macht hier nicht noch detaillierter eingehen, als ich es bereits im Beitrag „Macht und Moral“ getan habe. Sollte zu diesem Thema noch einmal etwas eigenes gewünscht werden, lassen Sie es mich bitte wissen.

Wir bejahen nun also den Willen zur Macht. Wir widersprechen nicht dem Ehrgeiz des einen, dem Hedonismus des anderen, und allen Formen seines Ausdrucks. Wir nehmen es an, wir sehen es als Menschlich, wir arbeiten davon ausgehend, dass dem so ist und dass wir dies nicht ändern, wenn doch aber im gewissen Maße beeinflussen können. Wir akzeptieren, dass nicht jeder gleich ist, dass die Moralität sich unterscheidet, dass es eine Herde gibt, die kein Bedürfnis oder eher keine Fähigkeit dazu hat, zu führen und Entscheidungen für die Gesamtheit zu treffen, dass es die Starken gibt, die in der Lage sind, sich über die Schwachen zu erheben und dass eine Unterdrückung derselben zum Ruin führen muss, da eine Ausbeutung der Starken durch die Schwachen auf lange Sicht nur dazu führen kann, dass Stagnation oder gar Degeneration in jeglicher Hinsicht eintreten müssen. Doch was hat das für Konsequenzen? Dass wir akzeptieren, dass der Mensch Neid und Missgunst empfindet, dass Interessen kollidieren und Gewalt ausbrechen wird, kurz: dass dasjenige, was wir gerne als unmenschlich bezeichnen, nämlich andere aus Egoismus ihrem Schicksal zu überlassen, aus sogenannten niederen Motiven zu töten, Desinteresse am Leiden anderer in der Ferne zu zeigen gar nicht unmenschlich, sondern gar allzumenschlich ist. Dass der Begriff des Unmenschlichen an sich nichts anderes als ein Kampfbegriff mit dem Zwecke ist, diejenigen Dinge zu Verneinen, die Teil unserer Natur sind.

Ich wollte diesen Beitrag ursprünglich „Bejahung der Finsternis“ oder „des Abgrundes“ nennen, also die Bejahung derjenigen Seite des Menschen, die als „Böse“ empfunden wird, die es zu unterdrücken gilt. Ich habe mich dagegen entschieden, weil zum einen eben auch die andere Seite dazugehört, also diejenigen Aspekte von uns, die man gemeinhin als das „Gute im Menschen“ bezeichnet. Nun sollte man mich an dieser Stelle keineswegs falsch verstehen: eine Bejahung dessen, was Teil des Menschen ist, egal wie sehr es der Sklavenmoral widerspricht, egal wie schädlich es für das Zusammenleben erscheint, ist keinesfalls ein Aufruf, alle diese Dinge auch unreflektiert zuzulassen, dem Menschen absolute Freiheit zuzugestehen und ihn machen zu lassen, was er will. Dies führt weder zu Stabilität, noch zu Größe, noch zu Entwicklung. Der Wert des Zwanges ist es, dass er den Menschen dazu verleitet, neue Wege zu finden, neue Pfade zu entdecken und sich im Rahmen seiner Möglichkeiten vollkommen zu entfalten um so die größtmöglichen Leistungen zu vollbringen. Doch auch die Frage danach, welche Wertschätzung genau dem Zwange gebührt, wie wichtig Freiheit ist und welche Bedingungen den Menschen beflügeln ist eine, die über das hinausgeht, worum es hier gehen soll: die Bejahung des Menschlichen.

Die Bejahung unseres Willens zur Macht, die Anerkennung dessen, dass der Kampf in seinen verschiedensten Formen zu unserem Dasein dazugehört, dass selbst dieser Beitrag ein Ausdruck desselben ist, dass eine Gleichheit auf jeglicher Ebene weder möglich noch erstrebenswert ist, führt dazu, dass man den Begriff des Unmenschlichen, wie ich eingangs angekündigt habe, umdeuten muss: unmenschlich ist die Aberkennung des Willens zur Macht, unmenschlich ist die Utopie, die den Menschen auf einen Teil seines Selbst reduziert, unmenschlich ist die Tyrannei der Schwachen, die Dominanz der Sklavenmoral, die Gleichheit und die Gleichmacherei. Und, so Sie, werter Leser, mir denn bis hierhin gefolgt sind, auf einmal sieht die Welt ganz anders aus. Man braucht sich nicht mehr seine eigenen Vorstellungen von Demokratie, Sozialismus, Freiheit oder was auch immer schönzureden, wenn man all diese Dinge, die ich bis hierher in den vier Beiträgen, die ich hier immer wieder aufgezählt habe einschließlich dieses Beitrages, bejaht beziehungsweise die Tyrannei der Schwachen, die Sklavenmoral verneint. Bevor wir nun aber dahinkommen, wohin die Reise gehen kann, welcher Idee, welchem geschichtlichen Vorbild man folgen sollte um eine tatsächliche Alternative anbieten zu können, schließen wir diesen Beitrag erst einmal ab. Da es, denke ich, eine Menge zu verdauen und wahrscheinlich trotz meiner Bemühungen, alles sehr ausführlich dazulegen, einiges an Fragen, Anmerkungen und Einsprüchen geben wird, erwarte ich mit Neugierde Ihre Kommentare. Und vergessen Sie nicht: Nein zur Utopie, Ja zum Menschlichen.


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