Macht und Moral

SapereAudeBlog

In unserem Letzten Beitrag wurde beschrieben, warum im Krieg um die Hoheit über die Sprache Widerstand zwecklos ist. Die damit verbundenen Ausführungen basierten auf den Überlegungen des Carl von Clausewitz. Der folgende Beitrag bezieht wichtige Teile seiner Inspiration ebenfalls von einem Autoren aus dem neunzehnten Jahrhundert, nämlich von Friedrich Nietzsche. Weiterhin werden die Ausführungen Niccoló Machiavellis eine bedeutende Rolle spielen. Er ist keine direkte Antwort auf die Themenvorschläge, die unsere werten Zuschauer uns auf Youtube haben zukommen lassen, jedoch werde ich hier einige der genannten Dinge ansprechen und vor allem auch verdeutlichen, warum die Auseinandersetzung mit manchen von diesen meiner Ansicht nach nicht zielführend ist. Begründet werden soll dies vor allem damit, dass ich Ihnen, werter Leser, mein Verständnis von Macht und Moral näherbringen möchte und damit auch aufzeige, was für mich eine tatsächliche alternative Sicht auf die Welt und damit eine echte Opposition ausmachen kann. Auch wird nach diesem Beitrag hoffentlich der eine oder andere, der immer wieder versucht, mir von seiner Partei, Organisation, Idee oder was auch immer zu zu erzählen, einsehen, dass er bei mir damit an der falschen Adresse ist.

Macht und Moral

In unserem Letzten Beitrag wurde beschrieben, warum im Krieg um die Hoheit über die Sprache Widerstand zwecklos ist. Die damit verbundenen Ausführungen basierten auf den Überlegungen des Carl von Clausewitz. Der folgende Beitrag bezieht wichtige Teile seiner Inspiration ebenfalls von einem Autoren aus dem neunzehnten Jahrhundert, nämlich von Friedrich Nietzsche. Weiterhin werden die Ausführungen Niccoló Machiavellis eine bedeutende Rolle spielen. Er ist keine direkte Antwort auf die Themenvorschläge, die unsere werten Zuschauer uns auf Youtube haben zukommen lassen, jedoch werde ich hier einige der genannten Dinge ansprechen und vor allem auch verdeutlichen, warum die Auseinandersetzung mit manchen von diesen meiner Ansicht nach nicht zielführend ist. Begründet werden soll dies vor allem damit, dass ich Ihnen, werter Leser, mein Verständnis von Macht und Moral näherbringen möchte und damit auch aufzeige, was für mich eine tatsächliche alternative Sicht auf die Welt und damit eine echte Opposition ausmachen kann. Auch wird nach diesem Beitrag hoffentlich der eine oder andere, der immer wieder versucht, mir von seiner Partei, Organisation, Idee oder was auch immer zu zu erzählen, einsehen, dass er bei mir damit an der falschen Adresse ist.

Grundsatz für die folgenden Untersuchungen soll der folgende sein: Macht und Politik sollen so beschrieben werden, wie sie sind und nicht so wie sie sein sollen. Eine wichtige Erkenntnis Machiavellis war es, dass die letztere Herangehensweise unsinnig ist. Nebenbei erwähnt ist die Tatsache, dass er seine Ausführungen unter diesem geschrieben hat, einer der Gründe dafür, dass er bis heute einen sehr schlechten Ruf hat und der abwertende Begriff „Machiavellismus“ verwendet wird, um Menschen als rücksichtslose Machtpolitiker zu brandmarken. An dieser Stelle sei Ihnen, werter Leser, deswegen einmal die Lektüre von Machiavellis „der Fürst“ und, falls Sie größeres Interesse an den Themen der Macht und der Politik haben, seiner „Discorsi“ empfohlen.

Zunächst einmal soll nun geklärt werden, was denn die beiden Begriffe Macht und Moral tatsächlich ausmachen. Eine grundlegende Ahnung davon, was damit gemeint sein könnte, sollte eigentlich jeder haben, jedoch sehe ich immer wieder, dass die damit verbundenen Vorstellungen an der Realität vorbeigehen. Beginnen wir also mit der Macht. Was ist sie und wer verfügt über sie? Allgemein kann man sagen, dass sie nichts weiter beschreibt, als dass jemand über etwas verfügen kann, sodass zugunsten des von ihm gewünschten Zweckes gearbeitet wird. Ob dies nun ein Befehl an die Untergebenen ist oder eine Drohung, mittelst der man einen Fremden zwingt, sein Geld auszuhändigen, ist dabei eigentlich einerlei. Es geht in jedem Falle darum, dass man über etwas oder jemanden damit verfügen kann. Denn zur Macht gehört in der Regel auch, dass man auf ihren Gebrauch verzichten kann, wobei es hiervon durchaus Ausnahmen gibt.

Beziehen wir diesen Begriff auf das Politische, so beschreibt Macht vor allem die Möglichkeit, die Handlungen des Verwaltungsapparates zu lenken, von den Menschen Mittel in Form von Steuern einzutreiben, Gesetze zu machen, aufzuheben, auszulegen oder auszusetzen, Kriege zu erklären, zu führen und zu beenden, Posten zu schaffen und zu besetzen, Bedienstete zu entlassen und so weiter. Man sieht an dieser Stelle schon, dass in BR-Land viele verschiedene Menschen zu einem unterschiedlichen Grade über Macht verfügen. In wie fern die eigene Macht nun dazu geeignet ist, einem anderen Menschen seinen Willen aufzuzwingen, hängt vor allem davon ab, worüber man verfügen kann. Hat man hundert Untergebene, die man nach eigener Willkür jederzeit auf die Straße setzen kann, so mögen einige von diesen, nämlich jene, die keine oder nur schlechte Aussicht auf eine andere Anstellung haben, eher sputen, als diejenigen, die jederzeit weg können. Genauso kann derjenige Angestellte, der aufgrund seiner Erfahrung und Fertigkeit unersetzbar ist, seinen Vorgesetzten durch die Androhung einer Kündigung eher dazu veranlassen, eine Gehaltserhöhung zu gewähren oder den Dienstplan umzustellen, als die Aushilfe ohne jegliche besondere Qualifikation. Diese Beispiele sind zwar sehr vereinfacht, jedoch sollten sie eines verdeutlichen: Macht ist nichts absolutes, sondern immer eine Frage des Kontextes.

Nun aber weiter zu einer Angelegenheit, von der ich den Eindruck habe, dass viele Menschen sie nicht verstehen: Macht, egal welcher Art, bringt Imperative mit sich. Oder anders gesagt: egal welche Form von Macht man erwirbt, sorgt man sich nicht um ihren Erhalt, so schwindet sie mit der Zeit. Dieses Schwinden kann entweder daher kommen, dass das bloße Nichtstun für den Erhalt nicht ausreichend ist oder dadurch dass jemand anders einem diese nehmen möchte. Daraus folgt, dass Macht stets mit Zwang für einen selbst verbunden ist. Da Macht nichts anderes ist, als die Fähigkeit seinen Willen geltend zu machen, ist dies auch bei noch so kleinen Angelegenheiten verständlich: will man auch in zehn Jahren noch leben, ist man gezwungen, sich zu ernähren, ausreichend zu schlafen und auch sonst auf seine Gesundheit zu achten. Nichtstun führt dazu, dass der eigene Körper eingeht, genauso kann einem aber auch die Erreichung dieses Willens durch andere verwehrt werden.

Dass die eigene Macht, egal ob nun sehr klein und allgemein oder äußerst groß, lediglich das Potential ist, seinen eigenen Willen nach Außen zu tragen, macht sie gewissermaßen mit Schusswaffen vergleichbar: mit einer solchen hat man stets die Möglichkeit, eine Patrone auf ein beliebiges Ziel abzufeuern. Pflegt man diese jedoch nicht, versäumt man immer ausreichend Munition zu haben oder lässt man sie sich stehlen, so wird der Nutzen dieser mit der Zeit abnehmen oder ganz abhanden kommen. Und da kann man noch so ein großes oder wirkungsvolles Schießeisen haben. Ich denke, das sollte erst mal ausreichen, damit das grundsätzliche Problem des Machterhaltes deutlich ist. Zusätzlich sollte man vielleicht noch sagen, dass dadurch schon rein Begrifflich Allmacht nicht möglich ist. Denn eine solche würde implizieren, dass man sie nicht zu erhalten braucht und damit außerhalb dessen stehen, was ein fester Bestandteil des Konzeptes ist. Das jedoch nur am Rande.

Nietzsche beschreibt nun mit dem „Willen zur Macht“ ein Konzept, das an dieser Stelle einige Bedeutung hat. Denn wer einen Willen hat, bei dem geht das Streben über den bloßen Erhalt des eigenen Lebens hinaus. Man möchte gewissermaßen über sich hinauswachsen. Das Leben an sich will, so Nietzsche, wachsen, sich vergrößern und dies gilt eben auch für den Einzelnen. Man kann es auf diese Formel bringen: Leben ist Wille zur Macht. Verliert man diesen Willen, so geht man ein. Dies kann man an denjenigen Menschen beobachten, die den ganzen Tag vor dem Fernseher verbringen und sich ansonsten kaum noch bewegen, weil sie keinerlei Ziele mehr im Leben haben. Jeder andere strebt gewissermaßen danach, etwas von sich auf andere zu übertragen, also seinen Willen nach Außen wirken zu lassen und das auch über die eigene Existenz hinaus, also etwas von sich selbst auf dieser Erde zu hinterlassen. Man will Kinder zur Welt bringen und nach seinen Vorstellungen erziehen, Karriere machen, Anerkennung finden, seine Ideen umsetzen und so weiter. Es gibt also ein Streben in uns, das uns dazu antreibt, mehr sein zu wollen, als wir jetzt und hier sind, auf andere effektiver einzuwirken, sie auf unsere Seite zu ziehen, in der Hierarchie aufzusteigen oder unsere politischen Zwecke umzusetzen. Sich mit den Umständen abzufinden, für sich alleine und ohne auf andere einzuwirken sein Dasein zu fristen, das ist nicht Wille zur Macht und entsprechend auch nicht das, wozu das Leben uns antreibt.

Dadurch entstehen nun zwangsläufig Konflikte, da der Wille des einen sich von dem des anderen unterscheidet. Man muss dafür noch nicht einmal so weit gehen, dass Menschen mit völlig konträren Ideologien sich gegenseitig die Köpfe einschlagen. Bereits im alternativen Bereich der Medienlandschaft kann man dies häufig beobachten, wenn zwei Menschen, die eigentlich sehr große Überschneidungen miteinander haben, sich gegenseitig bekriegen, während sie Dritte, mit denen die Gemeinsamkeiten eher gering sind, weit höher schätzen. Dies kommt daher, dass Macht nun einmal in einer Hierarchie angeordnet sein will und man unbewusst danach strebt, die höhere Position zu erlangen. Sind die äußeren Feinde zahlreich und ist der Wille zur Macht derjenigen, die sich auf derselben Seite befinden, damit beschäftigt, gegen diese vorzugehen und dabei auch entsprechend erfolgreich, kommt dieses Problem weniger vor. Aber auch an anderen Stellen, etwa wenn es darum geht, wer die meisten Plätze im Bundestag, einen bestimmten Posten, ein bestimmtes Amt oder einen Platz in einer Talkshow zu besetzen, wird dies deutlich: Nicht danach zu streben oder lediglich daran zu arbeiten, den eigenen Einfluss auf gleicher Höhe zu halten, reicht auf Dauer nicht aus, da die Konkurrenz nicht schläft, wie man so schön sagt. Andere Interessen, deren Durchsetzung der eigenen schaden könnten, werden immer eine Minderung der eigenen Macht ausnutzen um die ihre auszubauen.

Dass die eigene Macht, wie auch immer geartet, von anderen nicht angetastet wird, sodass der bloße Erhalt ohne das Streben nach einem Ausbau derselben zureichend ist, erfordert vor allem, dass man anderen Grund dazu gibt, diese nicht zu wollen. Man stelle sich vor, man lenke die Geschicke eines Staates. Wie kann man, ohne sich selbst oder die eigene Wirtschaftsmacht auf Kosten Anderer ausdehnen oder die eigene Rüstung vorantreiben zu müssen, dafür sorgen, dass der eigene Machtbereich außenpolitisch stabil bleibt? Indem man zum einen dafür sorgt, dass kein fremder Staat Grenzkonflikte mit einem selbst hat, man also möglichst alle Grenzverläufe an natürlichen Grenzen wie Gebirgen oder großen Flüssen hat und man jenen Staaten Gebiete abtritt oder abnimmt, bei denen dies nicht so ist und notfalls seine Nachbarstaaten zerschlägt. Man kann auch dafür sorgen, dass diese mit wiederum anderen Nachbarn entsprechende Konflikte haben, die ihrer Aufmerksamkeit bedürfen. Man siehe sich dazu beispielsweise die Idee der britischen Grenzziehung an. Weiterhin muss das eigene Militär stark genug sein, einen Angriff abzuwehren, aber nicht so stark, dass mehrere Nachbarn sich verbünden um eine vermeintliche Bedrohung zu beseitigen. Man kann sich natürlich auch mit einer anderen Macht verbünden, was jedoch wiederum eine Beschränkung der eigenen Handlungsfähigkeit im gewissen Rahmen zur Folge hat. Damit das Ganze hier nicht zu weit führt, sei folgendes gesagt: selbst der bloße Machterhalt erfordert eine Menge Arbeit und kann sogar verlangen, dass man diese bis zu einem bestimmten Punkt ausbaut oder sogar stetig anwachsen lässt.

So viel also erst einmal grundsätzlich dazu, was Macht ist und was sie impliziert. Kommen wir nun also zur Moral, bevor wir die beiden Überlegungen zusammenführen. Schopenhauer schrieb dazu, es gebe den einen Grundsatz, „über dessen Inhalt alle Ethiker eigentlich einig sind“ und dieser lautet „Neminem laede; imo omnes, quantum potes, juva [Schade niemandem; vielmehr hilf allen, soviel du kannst].“ Eine gewagte Aussage, dass sich alle Ethiker an dieser Stelle einig sein sollen. Jedoch könnte man zu diesem Schluss durchaus selbst kommen, da diese Idee, niemandem zu schaden und anderen zu Helfen, offensichtlich erst einmal grundsätzlich für die meisten Menschen als eine tolle Angelegenheit erscheint. Tatsächlich ist meine persönliche Erfahrung, dass die meisten, mit denen man eine Diskussion zu einem ethischen Thema führt, ihre Argumentation mit dieser Prämisse, wenn auch unbewusst, aufbauen.

Nietzsche hat zu dieser Aussage folgendes zu sagen: „wer einmal gründlich nachgefühlt hat, wie abgeschmackt falsch und sentimental dieser Satz ist, in einer Welt, deren Essenz Wille zur Macht ist – der mag sich daran erinnern lassen, dass Schopenhauer, obschon Pessimist, eigentlich – die Flöte blies...“ Da haben wir ihn wieder, unseren Willen zur Macht. Niemandem schaden, allen zu helfen und das auch noch völlig selbstlos, wie Schopenhauer an anderer Stelle ausführt, damit die eigenen Taten moralisch wertvoll sein können, das ist nicht Wille zur Macht. Das ist nicht das Bestreben, den eigenen Willen über sich selbst hinaus wirken zu lassen, sich auszubreiten und nach Höherem zu streben. Es widerspricht also einem gewissen Trieb in uns, ob man nun Nietzsches Idee des Willens zur Macht folgen mag oder nicht, so ist doch ein solches Neminem-Laede- Prinzip eines, das stets im Konflikt mit den eigenen Interessen beziehungsweise dem Egoismus steht. Ein interessanter Teil des Nietzsche-Zitates ist dabei derjenige, wo er sagt, Schopenhauer blase die Flöte. Der ein oder andere wird mit dem politischen Begriff der Blockflöte etwas anfangen können. Man spielt diejenige Melodie mit, die von einem erwartet wird, so auch Schopenhauer an dieser Stelle. Doch warum?

Nietzsche nennt diese Vorstellung eine Sklavenmoral. Ihr gegenüber stellt er die Herrenmoral, womit er Schopenhauers Idee, alle Ethiker seien sich eigentlich einig, widerspricht. Doch genug von Schopenhauer an dieser Stelle. Die Unterscheidung zwischen Herren- und Sklavenmoral ist äußerst wichtig, damit man verstehen kann, warum viele Menschen mit ihren Vorhaben auf der politischen Bühne schlicht scheitern müssen und warum sie niemals zu der Macht gelangen können, die sie für ihre Zwecke benötigen.

Ein kleiner Einschub an dieser Stelle: Ich werde im folgenden, unter anderem aus Platzgründen, verallgemeinern. Sollte sich der eine oder andere dadurch unwohl, jedoch nicht angesprochen fühlen, dann sei dies so. Nur weil es hier heißt, alle Menschen einer Gruppe seien so oder so, heißt dies nicht, dass es keine Ausnahmen gibt. Generalisierungen sind deswegen wichtig, weil ansonsten eine Kommunikation des Sachverhaltes äußerst schwierig wäre. Sollten Sie, werter Leser, sich jedoch von einer meiner Aussagen hier angesprochen fühlen, dann sind Sie auch gemeint.

Was ist nun also eine Sklavenmoral? Um dies mal gleich vorne anzustellen: höchstwahrscheinlich jegliche Ethik, von der Sie je gehört und mit der Sie sich auseinandergesetzt haben, jegliche Moralvorstellung, die in Zeitungen oder Talkshows diskutiert wurde, jegliche Überlegung zur Bewertung einer Tat, die der Großteil der Menschen jemals anstellte. Mit anderen Worten: auf moralischer Ebene sind die meisten von uns nur glorifizierte Sklaven. Die wichtige Unterscheidung zwischen den Herren und Sklaven ist dabei, was der Begriff des Guten bedeutet. Das Adjektiv „gut“ lässt sich nämlich sowohl als Gegensatz von „schlecht“ wie auch von „böse“ verwenden. Ersteres ist eine positive Definition, indem man festlegt, was gut sei und entsprechend dasjenige als schlecht sieht, das dem Anspruch nicht entsprechend kann. Letzteres ist eine negative, da man definiert, was das Böse ist und sich als Guter dadurch abgrenzt, eben nicht böse zu sein.

Das interessante ist nun folgendes:wer eine Herrenmoral vertritt, der sieht seine eigenen Qualitäten, beziehungsweise diejenigen die er anstrebt, als das Gute. Er betrachtet das, was gut ist, als das Edle, es findet also eine Bejahung des Eigenen statt und erst dadurch, dass er dasjenige, was ihn ausmacht, bestimmt hat, sieht er diejenigen, die diese Eigenschaften nicht besitzen und bezeichnet diese als einfach oder gemein. Das Wort „schlicht“ zeigt hier eine Verwandtschaft zum Begriff „schlecht“ und genau darum geht es: es geht um Stärke. Gut ist nicht derjenige, der den Schwachen hilft, sondern derjenige, der selbst eine Stärke mit sich bringt, von sich aus Leistung erbringen kann und nur sich selbst Rechenschaft schuldet. Daher sieht der Herr auch seinen Feind auf eine gewisse Weise: nicht als einen bösen Übeltäter, den es zu überwinden gilt, nein, sondern als einen anderen Guten, der ihm bei der Erreichung seiner Zwecke entgegensteht.

Dagegen steht der Sklave. Dieser sieht den Herren und bildet gegen alles, was dieser tut ein Ressentiment. Es ist gewissermaßen die Verneinung von allem, was der Herr tut und damit eine Ablehnung von dessen Stärke. Daher kann man seine Moralvorstellung zum Beispiel an dem zwanghaften Distanzieren von allem Möglichen und sich selbst eben dadurch erst heraufsetzen beobachten. Die Moral des Sklaven ist eine Reaktion, sodass sie nicht von selbst aktiv wird, nicht positiv Werte setzt, sondern diese stets negativ zur Abgrenzung gegen das, was als das Unmoralische empfunden wird, beschreibt. Das, was der Starke als das Gute sah, sieht der Sklave als das Böse. Und wäre es nicht so, dass die Zahl derjenigen, die nicht führen, sondern nur folgen können, stets größer ist als die Zahl der Herren, wäre es nicht so, dass die Stärke nicht verachtet und der Herr am Maßstab der Sklavenmoral gemessen wird, dann könnte der Schlichte nie Erfolg haben. Doch auch eine Masse aus Schwachen kann den Starken überwinden. Nur ist eben dies der Vorgang, der eine Degeneration zur Mittelmäßigkeit einleitet, was an dieser Stelle jedoch zu weit ginge.

Nun sieht der Sklave also den Herren und alles, was er vertritt, als das Böse und seine eigene Schwäche dazu in Abgrenzung als gut. Seine Feinde sind die Unterdrücker, diejenigen, die ihre gegebenen Stärken, Privilegien, ihr Geburtsrecht usw. nutzen um ihre Zwecke zu erreichen. Sie sind nicht, wie die Feinde des Herren zu achten, nein, sie sind zu verachten. Denn sie sind das Böse, ihnen zollt man keinen Respekt, sondern man muss sie vernichten oder dazu zwingen, ihre Bösartigkeit anzuerkennen und sich zum Guten zu bekennen. Wem nun einige historische oder aktuell politische Vorgänge in einem anderen Licht erscheinen, dem sei gesagt: das ist alles nur Zufall, da ich hier bloß rumphilosophiere und das ja ein Laberfach ohne weltlichen Nutzen ist.

Wir haben also die beiden grundsätzlichen Vorstellungen von Moral, die man auch so beschreiben könnte: der eine sagt, dass Stärke gut ist, der andere, dass dies für die Schwäche gilt. Stärke kann dabei auf verschiedenste Weise definiert werden. Ob man damit nun reine Körperkraft, finanzielle Unabhängigkeit, großen Einfluss, Einen Zustand der Selbstgenügsamkeit und Eigenverantwortlichkeit oder sonst irgendwas meint, sei dahingestellt. Wer sich jedoch von anderen abhängig macht, weil er nicht in der Lage ist, für sich selbst im Leben zu stehen, weil er ohne die Gesellschaft von Anderen, ohne Bestätigung, ohne die Erlaubnis durch die moralische Billigung der Gemeinschaft nicht mit sich selbst zurechtkommt, der wird immer ein, wie Nietzsche ihn nennt, Herdenmensch sein und deswegen, egal wie oft er Gewichte stemmt, niemals zu den Starken gehören.

Bevor wir diese Überlegungen nun mit denen zur Macht zusammenführen und damit eine unheilige Vereinigung zwischen Machiavelli und Nietzsche wagen, sei noch folgendes an meine werten Zuschauer auf Youtube gesagt: viele von Ihnen haben Themenvorschläge eingereicht, bei denen mir der Eindruck entsteht, es ginge entweder nur um reine Unterhaltung oder darum, seiner eigenen Schwäche dadurch Ausdruck zu verleihen, dass man mit dem Finger auf die Bösen zeigt. Dies ist keine Methode des effektiven Kampfes gegen diejenigen, die man als seine Feinde betrachtet. Eine Dämonisierung hilft nur, will man die Massen gegen diesen bewegen, also wenn man die Sklavenmoral für sich arbeiten lässt. Selbst eine solche zu vertreten, vor allem dann, wenn der Zweck von Sapere Aude ist, die Menschen zum eigenen Denken anzuregen, wäre für unseren Kanal folglich nicht zielführend. Sollte der eine oder andere von Ihnen sich hiermit angesprochen fühlen, jedoch der Meinung sein, das Ziel des Themenvorschlages sei eben nicht gewesen, die eigene Schwäche zu zelebrieren, dann lassen Sie es mich wissen. Auch neue Themenvorschläge im Zuge dieses Beitrages sind willkommen.

Fügen wir also die Überlegungen zu Macht und Moral zusammen. Ich mache dies am besten im Zusammenhang mit den Friedensaktivisten, da es eine aktuelle Relevanz hat und zudem noch die eine oder andere Nachricht beziehungsweise manch ein Kommentar uns mit solchen Ideen bereits erreicht hat. Derjenige, der sich auf die Straße vor die amerikanische Botschaft oder irgendeinen großen Platz stellt und lauthals für den Frieden demonstriert, der steht dort aus einer Position der Schwäche heraus: Hat er nicht so viele Menschen hinter sich, dass sie einen ernstzunehmenden Wähleranteil oder gar einen möglichen Aufstand der einen oder anderen Form androhen können, braucht man ihn nicht ernst zu nehmen. Dies gilt vor allem dann, wenn man gegen einen Krieg oder die kriegerischen Handlungen aufsteht, die von einer fremden Macht geführt werden. Deswegen konnten viele derjenigen Demonstrationsgruppierungen, die in den letzten Jahren aufgekommen sind, auch niemals Erfolg haben. Sie konnten schlicht keine Machtbasis aufbauen und bestanden aus Menschen, die diejenigen, die keine Sklavenmoral verinnerlicht haben, nur als nichtsahnende Schwache betrachtet haben.

Ein weiteres Problem damit ist, dass der Wille zur Macht für diese Friedensaktivisten oft keine Rolle spielt. Sie scheinen nicht zu wissen, dass es in der Natur liegt, seinen Willen ausdehnen zu wollen. Im Prinzip will jeder aufsteigen, sich unabhängiger machen oder sonst irgendwas, das mindestens erfordert, dass man an anderen vorbeizieht, eher jedoch dass man sie auf dem Wege bekämpft. Oder, anders ausgedrückt: der Mensch, ja, die gesamte Natur, ist nicht für den Frieden gemacht. Konkurrenz und Feindschaft liegen uns im Blute. Nicht jeder gegen jeden, nicht immer und überall, aber früher oder später muss es Konflikte geben. Diese kann man auch zivilisiert lösen? Naja, was sind denn moderne Waffen im Gegensatz zu Stöcken und Steinen? Oh, man meint hier diplomatisch? Warum sollte ein Besatzer und Ausbeuter aufgrund von nettem Nachfragen, aufgrund von Petitionen irgendeinen Meter Land abtreten? Warum sollte er vor jemandem kuschen, der unbewaffnet ist, wenn er über Armeen verfügt?

Warum sollte die deutsche Außenpolitik die Welt in den Frieden leiten können? Wieso sollte irgendwer wegen uns aufhören, sich gegenseitig zu bekämpfen? Ja, wir könnten die Waffenexporte beenden. Und dann? Dann bekämpft man sich anders. Waffen töten nicht, sie sind Werkzeuge um sich das Töten einfacher zu machen. Will man den Krieg verhindern, will man die Kriege zwischen anderen beenden und diese dazu zwingen, die bittere Pille des Kompromisses zu schlucken, will man unterdrückte Völker in Freiheit sehen oder insgesamt einfach nur den Frieden in der Welt befördern, so sollte man sich dabei einen Satz der alten Römer zu Herzen nehmen: „Se vis pacem para bellum.“ „Willst Du Frieden, dann rüste für den Krieg.“ Denn nur wer Macht hat, kann andere dazu bringen, seinem Willen Folge zu leisten. Ist der eigene Wille der Weltfrieden, so ist Abrüstung im eigenen Lande das Letzte, was man anstreben sollte. In anderen Ländern diese Idee zu verbreiten ist hingegen eine fruchtbare Methode.

Diese Problematik und auch die Idee des Si vis Pacem para Bellum lässt sich nun beliebig auf andere Themen übertragen. Man will in der BRD Parteienpolitik betreiben? Ja, eine Lächerlichmachung und eine Dämonisierung anderer Parteien sind nach Außen hin sinnvoll um Wählerstimmen zu fangen. Doch wer in den Führungspositionen sitzt, darf nicht den Fehler machen, dieses Geschwätz zu glauben. Der Feind ist nicht böse, er ist gut, sonst wäre er nicht mit einem selbst auf Augenhöhe, sonst hätte er keinen Erfolg und wäre keine Bedrohung. Man muss von ihm lernen, ihn beobachten und sich notfalls mit ihm verbünden, wenn es die beste Möglichkeit darstellt, eine schlimmere Bedrohung zu beseitigen.

Wie also kann eine Aktivistengruppe, ohne eine Revolution vom Zaun zu brechen, Erfolg haben? Indem sie den Willen zur Macht der Politiker ausnutzt. Diese haben von sich aus kein Interesse, einer gewissen Forderung nachzugeben, weshalb sich im Volke Widerstand regt. Sollte dieses es schaffen, den Machterhalt des Politikers zu gefährden, so dieser sich nicht fügt, dann wird er einknicken. Es können auch zweihunderttausend Menschen gegen etwas auf die Straße gehen: solange die Macht dieser Gruppe sich nicht hält, also die Demonstration nur mal einen Tag lang läuft und die Umfragewerte dadurch nicht schwanken, wird es kaum Abweichler geben. Dies kann man in der Politik täglich beobachten, wenn irgendwelche Gesetze oder Handlungen durchgeführt werden, die der eigentlichen Parteimeinung widersprechen, weil dies nun mal für die entsprechende Führung von Vorteil ist oder weil man sich dadurch irgendetwas auf längere Sicht erhofft. Der Widerspruch von den hinteren Plätzen im Bundestag kommt erst dann, wenn man merkt, dass sich im Volke Widerstand regt und man um den eigenen Platz und damit seine Diäten fürchten muss.

Um diesen Beitrag einmal zusammenzufassen: die Nichtbeachtung der Natur der Macht, dass diese Nämlich mit dem Zwang zur Erhaltung und zum Aufbau daherkommt und die Übergehung des Willens zur Macht, also des wiederum natürlichen Instinktes, seine eigenen Interessen zu verfolgen und den eigenen Willen über sich selbst hinaus wachen zu lassen und ihn nach Außen zu tragen, führt dazu, dass man politisch völlig absurde Ideen und Vorstellungen entwickelt. Kommt dazu noch, dass man den Feind als das Böse betrachtet, dass man also ihn dafür verteufelt, dass er nun einmal die Macht hat, dann argumentiert man stets aus einer Position der Schwäche heraus. Von einer solchen ist es jedoch nicht möglich, großartig etwas zu erreichen, wenn man nicht die große Masse der Menschen hinter sich bringen kann. Entsprechend muss eine tatsächliche Alternative anders agieren: Sie muss eigene Stärke aufbauen und aus dieser heraus gegen den Feind arbeiten, den sie respektiert und den sie bis aufs Blut bekämpfen will. Und das Ganze fängt damit an, dass man aufhört, sich selbst als Schwächling zu betrachten, über „die da Oben“ rumzuheulen und sich über die Politik zu beschweren. Doch was man machen kann, ist wiederum ein anderes Thema, das jedoch auch schon oft auf anderen Kanälen detailliert und sehr gut besprochen wurde. Man bedenke dabei stets: Si vis pacem para Bellum!


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