Sprache, Verfall, Manipulation und Kriegsführung

SapereAudeBlog

Vor einiger Zeit hatten wir dazu aufgerufen, Themenvorschläge einzureichen. Derjenige, der die meiste Resonanz durch andere Zuschauer erfahren hat, wurde mit „Der Verfall der Deutschen Sprache“ betitelt. Dies ist ein Thema, das ich hier aufgreifen, aber über das ich auch hinausgehen möchte. Denn mit diesem traf der werte Zuschauer bei mir nicht nur einen Nerv: Zum einen ist die Sprache das Handwerkszeug meiner Tätigkeit auf Youtube sowie auf unserem Blog, zum anderen ist sie Gegenstand vieler meiner Betrachtungen innerhalb meiner persönlichen, aber auch universitären Studien gewesen. So habe ich unter anderem meine Abschlussarbeit über ein sprachliches Phänomen geschrieben und mich auch sonst immer wieder mit allen möglichen Themen rund um die Sprache beschäftigt. Nicht zuletzt gibt es auf unserem Blog, beziehungsweise auf dem Kanal, mehrere Beiträge, in denen Begriffsklärungen eine bedeutende Rolle spielen. Hier soll es nun also um das Thema der Sprache im Allgemeinen, den Verfall der Deutschen, beziehungsweise ihre gezielte Bearbeitung im Speziellen und dazu noch etwas allgemeiner um die Manipulation gehen. Das Ganze möchte ich Ihnen, werter Leser, in einem Vergleich zum Kriege versuchen näherzubringen.

Sprache, Verfall, Manipulation und Kriegsführung

Vor einiger Zeit hatten wir dazu aufgerufen, Themenvorschläge einzureichen. Derjenige, der die meiste Resonanz durch andere Zuschauer erfahren hat, wurde mit „Der Verfall der Deutschen Sprache“ betitelt. Dies ist ein Thema, das ich hier aufgreifen, aber über das ich auch hinausgehen möchte. Denn mit diesem traf der werte Zuschauer bei mir nicht nur einen Nerv: Zum einen ist die Sprache das Handwerkszeug meiner Tätigkeit auf Youtube sowie auf unserem Blog, zum anderen ist sie Gegenstand vieler meiner Betrachtungen innerhalb meiner persönlichen, aber auch universitären Studien gewesen. So habe ich unter anderem meine Abschlussarbeit über ein sprachliches Phänomen geschrieben und mich auch sonst immer wieder mit allen möglichen Themen rund um die Sprache beschäftigt. Nicht zuletzt gibt es auf unserem Blog, beziehungsweise auf dem Kanal, mehrere Beiträge, in denen Begriffsklärungen eine bedeutende Rolle spielen. Hier soll es nun also um das Thema der Sprache im Allgemeinen, den Verfall der Deutschen, beziehungsweise ihre gezielte Bearbeitung im Speziellen und dazu noch etwas allgemeiner um die Manipulation gehen. Das Ganze möchte ich Ihnen, werter Leser, in einem Vergleich zum Kriege versuchen näherzubringen.

Sprache

Beginnen wir einmal mit einer etwas merkwürdig anmutenden Frage: Was ist Sprache? Nun, das was wir sprechen, oder? Nun habe ich den Begriff jedoch mit sich selbst erklärt, was alles andere als hilfreich ist. Auf die Frage „was ist ein Mensch?“ zu antworten „ein menschliches Lebewesen“ bringt den Fragenden nicht unbedingt weiter. Denken Sie ruhig einmal darüber nach, wie man den Begriff der Sprache erklären könnte. Problematisch ist dabei jedoch, wie Sie vielleicht schon mitbekommen haben, dass ich diese Erklärung hier mittelst der Sprache anstelle, also mich gar nicht von ihr löse und dann eine Betrachtung von Außen vornehme. Denn alle Beschreibungen, die ich anstellen kann, sind wiederum ein sprachlicher Ausdruck in der einen oder anderen Form.

Wieso betone ich dies so? Weil es verdeutlicht, wie abhängig wir von der Sprache sind. Sie ist eine Fertigkeit des Menschen, die sich nicht ohne Gebrauch von sich selbst beschreiben lässt. Zudem nutzen wir sie für jegliche Form der Beschreibung anderer Phänomene und Begriffe und als ein Hauptmittel unserer Kommunikation, wenn nicht gar das einzige solche Mittel, so wir den Begriff sehr weit fassen. Denn auch Körpersprache oder Symbolsprache könnte man in ihn mitaufnehmen und so praktisch die Sprache als das Zentrum jeglichen menschlichen Umgangs miteinander beschreiben. Wir wollen uns hier jedoch mit einem wesentlich engeren Begriff beschäftigen. Natürlich, es gibt eine Menge Sprachformen, die nicht oder nicht zwangsläufig mit der gesprochenen oder geschriebenen Sprache einhergehen, wie etwa die Gebärdensprachen. Doch geht es mir hier vor allem darum, wie der Großteil von uns täglich die Sprache verwendet und welche Bedeutung es hat, diese wesentlich kritischer und ausführlicher zu betrachten.

Eine wichtige Tatsache ist dabei, dass wir vorrangig in Sprache denken. Sie können ja gerne mal versuchen, sich über ein Thema Gedanken zu machen, ohne dabei irgendwelche Worte zu gebrauchen. Und hier sei erwähnt, dass bereits Zahlen solche sind. Eine Alternative wäre, ausschließlich in Bildern zu denken, was jedoch viele komplexe Zusammenhänge, vor allem aber Abstraktionen, bei weitem nicht so einfach denkbar macht. Oder, falls Sie einen Selbstversuch wagen wollen und irgendwie die Möglichkeit dazu haben: unterhalten Sie sich einmal mit einem Menschen, mit dem Sie keine gemeinsame Sprache sprechen und fragen Sie ihn ein paar einfache Dinge, etwa wie es ihm geht oder welcher Arbeit er nachgeht.

Der Grund dafür, dass ich dies so breittrete ist der folgende: wir sind abhängig von unserer Sprache und davon, sie zu verwenden. Ohne sie können wir bei weitem nicht so effizient denken wie mit ihr. Auch die Kommunikation zwischen den Menschen wird erst durch sie auf so komplexe Art und Weise möglich, wie wir es im täglichen Umgang gewohnt sind. Um es einmal anders auszudrücken: ohne die Sprache würden wir einander nur angrunzen und wohl kaum mit anderen in Kooperation irgendwelche Fortschritte erzielen, sei es nun in der Wissenschaft, der Technik oder der gesellschaftlichen Entwicklung. So viel also erst einmal zur grundsätzlichen Bedeutung der Sprache.

Nun aber zu etwas, das man dabei nicht vergessen sollte: Sprache ist nicht gleich Sprache. Auf der Erde werden mehrere tausend davon gesprochen und wie viele bereits ausgestorben sind, wage ich nicht einmal zu schätzen. Es macht einen großen Unterschied für die eigene Denkfähigkeit, welcher Sprache beziehungsweise Sprachen man mächtig ist. Je einfacher die Grammatik, desto geringer ist die Leistung, die man beim Sprechen vollbringen muss. Und mit den kognitiven Fähigkeiten ist es wie mit Muskeln: verwendet man sie viel und beansprucht man sie auf hohem Niveau, so wächsen sie. Anders ausgedrückt: wächst man einsprachig lediglich mit dem Englischen als seiner Muttersprache auf, so hat man die Sprache wesentlich eher gemeistert, als wenn man beispielsweise Deutsch oder Finnisch gelernt hätte. Das Kleinkind muss nämlich wesentlich weniger grammatikalische Regeln für den alltäglichen sprachlichen Umgang beherrschen und ist somit schneller fertig. Dies ist auch einer der Gründe dafür, dass man schon nach kurzer Zeit gut genug Englisch sprechen kann, um damit im Ausland zumindest grundlegend zurecht zu kommen, also nach dem Weg zu fragen und sich über Preise von Mietwagen zu verständigen. Wenn Sie versuchen beispielsweise Finnisch zu lernen, sieht die Sache ganz anders aus. Alleine für Wegbeschreibungen müssen Sie mindestens die 6 Fälle für Ortsangaben und eigentlich noch weitere beherrschen und gerade die Grammatik ist ja etwas, womit sich viele Leute schwertun.

Es sollte an dieser Stelle also deutlich sein, dass die Sprache, die man spricht, mehr oder weniger unserer kognitiven Kapazitäten in Anspruch nimmt und entsprechend unsere Denkfähigkeit dadurch auch in unterschiedlichem Grade stimuliert wird. Mehrere Sprachen zu sprechen, vor allem wenn man dies auch regelmäßig tut, ist zusätzlich noch einmal vorteilhaft, vor allem dann, wenn man die Sprachen frei verwendet und diese wiederum möglichst komplex und wenig verwandt miteinander sind. Schwedisch, Norwegisch und Niederländisch zu sprechen ist für einen Deutschen weniger anspruchsvoll als Ungarisch und Chinesisch.

Einschränkungen der Sprache

Es sollte nun also klar sein, dass sprachliche Gewandtheit und die Fähigkeit mehrere Sprachen zu sprechen damit einhergehen, dass man geistig leistungsfähiger ist, als wenn man nur eine Sprache spricht. Aber auch innerhalb der Gruppe der einsprachigen Menschen gibt es dahingehend große Unterschiede. Es wird kaum ein Geheimnis sein und auch Sie, werte Leser, kaum überraschen, dass ein geringerer Bildungsstand oft mit einer eingeschränkten Finesse hinsichtlich des Ausdruckes daherkommt. Die Verwechslung von Dativ und Akkusativ, die Nichtverwendung des Genitivs, geringe Variation in den gewählten Worten, Unverständnis für nuancierte Bedeutungsunterschiede usw. sind nur einige Anzeichen dafür, dass man die eigene Muttersprache vielleicht grundsätzlich beherrscht, jedoch lange nicht auf dem Niveau, das eigentlich für einen mittleren Schulabschluss Gang und Gebe sein sollte. Und ich meine an dieser Stelle nicht die Unfähigkeit solche Merkwürdigkeiten wie Amts- oder Juristendeutsch zu verstehen, sondern bereits Schwierigkeiten dabei, meinen Ausführungen hier zu folgen.

Ist die eigene Sprachverwendung auf die sogenannte Gossensprache beschränkt oder spricht man diese den Großteil der Zeit und umgibt sich mit Menschen, die dies auch tun, so leidet wiederum das eigene Denken. Denn diejenigen Worte, die man regelmäßig verwendet, tauchen in den eigenen Gedanken auch entsprechend öfter auf und je weniger man mit abstrakten Begriffen zu tun hat, desto weniger denkt man in solchen Kategorien. Auch hier gilt wieder, dass dasjenige, dem man seine Aufmerksamkeit zukommen lässt, wächst.

Demzufolge sind Sprechverbote eigentlich nichts anderes als Denkverbote. Darf man gewisse Worte nicht mehr verwenden, weil sie politisch nicht korrekt sind, Leute sich dadurch angegriffen fühlen, sie als vorbelastet gelten oder was auch immer, dann wirkt sich dies langfristig darauf aus, bei wie vielen Menschen die damit verbundenen Konzepte überhaupt noch eine Rolle spielen. Hierbei ist auch zu bedenken, dass die mit diesen Begriffen einhergehenden Assoziationen dabei von großer Bedeutung sind und eine entsprechende Verbindung mit unerwünschten Dingen wiederum davon abhalten kann, gewisse Dinge klar und deutlich auszumachen. Diese Gedankengänge lassen sich wohl am besten an einem Beispiel verdeutlichen:

Als ich Student war und in einem Seminar saß, in dem wir einen Text von Nietzsche besprachen, verwendete dieser in irgendeinem Kontext, an den ich mich nicht genau erinnere und der auch an dieser Stelle keinerlei Relevanz hat, den Begriff „Führer.“ Daraufhin haben mehrere Teilnehmer, die, das bedenke man bitte, allesamt die Hochschulreife erlangt hatten und an einer Universität eingeschrieben waren, sich besorgt darüber geäußert, dass „Führer“ doch ein „Nazi-Begriff“ sei. Solche Absurditäten erlebt man heute leider an der Akademie wirklich in jeder Ecke. Es schien diesen Menschen völlig egal, dass Nietzsche schon gestorben ist, als Hitler noch ein Kind war und dass dieser erst 33 Jahre nach dem Tod des Philosophen zum Reichskanzler der Weimarer Republik wurde, die ebenfalls erst fast zwei Jahrzehnte nach seinem Ableben begründet worden war. Auch scheinen sie noch nie auf Reisen oder in einem Museum gewesen zu sein und dabei die reichhaltigen Angebote für Führungen wahrgenommen zu haben. In vielen Museen gibt es schon seit längerer Zeit sogar elektronische Führer, aber auch welche aus Fleisch und Blut sind immer noch eine Menschengruppe, die man in jeder Touristenfalle beobachten kann. Aber bei manch einem ist eben die Assoziation mit den Nationalsozialisten und allem, was sie in der Schule und aus dem Fernsehen über sie gelernt haben so stark, dass sie eine philosophische Arbeit nicht mehr unbeschwert angehen können. Traurig sowas.

So verhält es sich nun mit jeglichem Sprachverbot, beziehungsweise auch jedem Sprachgebot: ist man gezwungen bestimmte Ausdrücke zu meiden oder verbindet man mit ihnen immer gleich etwas ganz bestimmtes, ob dies nun gut oder schlecht ist, sei einmal dahingestellt, so beschränkt man damit letztlich auch die Fähigkeit zu Denken. Nicht uneingeschränkt und bei jedem und auch nicht sofort. Man denke nur einmal, wie viele Menschen heute auf den Begriff „Deutsches Reich“ oder das Wort „Deutschtum“ reagieren, beziehungsweise was sie damit verbinden. Dass dies einen Diskurs zugunsten gewisser Ideen oder Weltanschauungen nicht nur beschränkt, sondern teils gar unmöglich macht, muss wohl nicht näher ausgeführt werden.

Aber auch das Gegenteil ist der Fall: Manche Dinge werden regelmäßig wiederholt um eben im Denken der Menschen vorhanden zu bleiben und bestimmte Assoziationen immer wieder hervorzurufen, sowie gewisse Handlungen damit entweder auszulösen oder zu rechtfertigen. Man denke nur mal an die immerwährende „Deutsche Schuld,“ die wie eine Erbsünde wohl auch noch über der nächsten Generation hängen wird. Sagt man etwas oft genug, egal wie argumentativ haltbar diese Sache ist, so wird es sich bei immer mehr Menschen als Selbstverständlichkeit etablieren. Ein gutes Beispiel dafür ist, dass auch im alltäglichen Sprachgebrauch viele Menschen heute die EU mit Europa gleichsetzen und bei der Abstimmung zum Brexit tatsächlich sogar einige Wähler dachten, man wolle den Kontinent verlassen.

Der Krieg um die Hoheit über die Sprache

Wenn wir an Krieg denken, so denken wir an Schusswaffen, Bomben, Trümmer und Tote. Das ist wiederum solch eine eingeschränkte Sicht auf einen Begriff. Wir haben doch alle gelernt, dass die Preußen böse Militaristen waren, folglich kann man doch davon ausgehen, dass ein Preuße genau weiß, was genau denn der Krieg ist. Zum Glück gibt es da einen, der eine Menge zum Thema geschrieben hat: Carl von Clausewitz, dessen Werk „Vom Kriege“ hier jedem, der Kriegsführung etwas besser verstehen möchte, wärmstens empfohlen sei, definiert den Krieg wie folgt: „Der Krieg ist ein Akt der Gewalt, um den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu zwingen. Gewalt ist das Mittel; unseren Willen aufzudringen aber der Zweck des Krieges. Um diesen Zweck zu erreichen, muss man den Gegner wehrlos machen, und das ist dem Begriff nach das eigentliche Ziel der kriegerischen Handlung.“ Nun stellt sich eigentlich nur noch die Frage, was denn mit „Gewalt“ gemeint sein könnte. Nun, es handelt sich um eine Kraft, wie auch immer geartet, die ihre Wirkung durch Zwang erreicht. Eine solche muss nicht zwingend physischer Natur sein, sondern kann auch mittelst einer Drohung stattfinden.

Worum geht es mir nun damit, hier so viel vom Kriege zu schreiben? Nun, meiner Ansicht nach befinden wir uns in einem solchen. Und zwar in einem Krieg um die Hoheit über die Sprache, was gewissermaßen das Ziel des Krieges ist. Nehmen wir die clausewitzsche Definition, so können wir diesen wie folgt darstellen: Die Gewalt in diesem Krieg findet vor allem auf dem Wege der Diffamierung und der Schönrederei statt. Ob nun jemand dafür, dass er gewisse Worte oder Gedanken äußert, in eine bestimmte Ecke gestellt, beziehungsweise ein anderer für den richtigen Ausdruck, eine Distanzierung oder sonst was gelobt wird oder ob eine ganze Bewegung auf diese Weise in Verruf gebracht oder gefördert wird, sei einmal dahingestellt. Allerdings geht die Gewalt noch viel weiter und sogar in den Bereich des Physischen. Etwa wenn die Antifa Redner niederschreit oder sogar angreift oder wenn man wegen Äußerungen zu einem ganz bestimmten Thema vor Gericht gestellt oder einem das Rederecht auf Veranstaltungen entzogen wird. Das Gewaltmittel derjenigen, die sich in diesem Krieg in der unterlegenen Position befinden, ist bei weitem nicht so effizient. Auf dieser Seite gibt es weder die mediale Reichweite noch die juristische Unterstützung zur Durchsetzung von Sprechverboten. Entsprechend wird eher versucht, die Protagonisten der Gegner bloßzustellen, ihre Argumente anzugreifen und die Fakten zu sortieren, was jedoch nicht so weit reicht wie Skandaljournalismus, frühe Indoktrination oder stetige Wiederholung, der man kaum ausweichen kann.

Damit hätten wir den ersten wichtigen, im Zitat kursiv hervorgehobenen, Begriff, nämlich das Mittel, identifiziert. Was ist jedoch der Zweck, also der Wille, den man dem Gegner aufzwingen will? Diese Frage lässt sich am ehesten für die Seite der Angreifer klären, da die Zwecke der unterschiedlichen Verteidiger durchaus verschieden sein können. Ersterer will die Hoheit über die Sprache und damit über die Möglichkeiten im Denken erlangen. Wie bereits gesagt ist es deutlich schwieriger, sich über Themen zu unterhalten oder Gedanken auch nur zu denken, für die einem die Begriffe fehlen oder bei denen man weiß, dass es einfach nicht richtig ist, dasjenige zu denken, was einem in den Sinn kam. Der eine oder andere wird schon einmal von kognitiver Dissonanz gehört haben: Einem Spannungsgefühl, das unter anderem dann auftritt, wenn man eine Norm verinnerlicht hat, jedoch durch rationale Abwägung zu dem Schluss kam, dass sie eigentlich falsch ist, man sich aber dennoch nicht traut, sich darüber hinwegzusetzen. Ein Beispiel, das ich an anderer Stelle schon einmal erwähnt habe und daher nicht weiter ausführen möchte: Sind wir alle gleich? Gleich viel wert? Gleich geschaffen? Gibt es irgendetwas, das eine Gleichheit aller Menschen begründen würde? Erlaubt man sich dies einmal in Frage zu stellen, kommt man schnell an einen Punkt, an dem man grundsätzliche Handlungsweisen und Normen anzweifelt, sich jedoch nicht einfach dagegen wenden kann. (Falls dazu ein ausführlicher Beitrag gewünscht wird, lassen Sie es mich wissen.)

Aber wozu diese Hoheit? Gut, wenn ich beispielsweise die Begriffe „Nationalsozialismus“ und „Faschismus“ nicht nur negativ, sondern fast schon mit einem dämonischen Makel belege und man für die Verwendung von Worten wie „Führer,“ „Rasse,“ „Lügenpresse,“ „Masseneinwanderung“ oder „Volksverräter“ in vielen Kontexten sofort in die Ecke der Schmuddelkinder, mit denen man nicht spielt, gestellt wird, dann kann ich den öffentlichen Diskurs lenken und von gewissen Themen und Ideenwelten fernhalten. Aber ist das die Mühe wert? Wer daran glaubt, dass wir eine Lügenpresse haben, wird sich von dieser nicht überzeugen lassen. Wer nicht daran glaubt, den kann ich doch auch noch mit rationalen Argumenten überzeugen, oder? Tja, das ist aber nicht das Ziel und auch bei weitem nicht so effizient. Denn Argumenten kann man Gegenargumente entgegenstellen. Doch einer Ächtung durch die Gesellschaft oder zumindest einer Abwehrhaltung gegen gewisse Themen nicht wirklich. Zumal eine solche Hoheit vor allem dann nützt, wenn die eigene Position bei weitem nicht so solide ist, wie man sie gerne darstellt, da man so immer auf die Bösen zu verweisen in der Lage ist. Der Wille, den man dem Feind, der gewissermaßen jeder andersgesinnte beziehungsweise jeder Ahnungslose ist, ist natürlich nicht nur, dass er die eigenen Begriffe verwendet. Doch welche Zwecke letztlich dahinter stecken, wäre Thema für wiederum einen anderen Beitrag und mit viel Spekulation an den verschiedensten Stellen verbunden.

Nun haben wir also Mittel und Zweck geklärt. Nämlich mittelst Diffamierungen und Sprechverboten die Denk- und Ausdrucksfähigkeit potentieller und tatsächlicher Feinde zu unterminieren um zu verhindern, dass ungenehme Ideen Fuß fassen und zu bewirken dass genehme Vorstellungen einen fruchtbaren Boden finden können. Was verstehen wir in diesem Kontext unter dem Wehrlos Machen des Feindes? Dass man ihm jegliche Möglichkeit nimmt, Widerworte zu geben und zu begründen. Beispiele dafür, dass dies an vielen Fronten schon sehr gut funktioniert, gibt es genug. Wann haben Sie das letzte mal im Fernsehen oder in einer großen, überregionalen und nicht als rechts verschrienen Zeitung etwas kritisches über die Geschichtsschreibung vernommen? Oder fundamentale Demokratiekritik? Libertäre Ideen? Die Ideen einer Reaktionären beziehungsweise Konservativen Revolution? Gar nicht? Wen wunderts. Genauso sieht man es in Talkshows, wenn derjenige, der eine stark abweichende Meinung vertritt, eigentlich nur vorgeführt werden soll. Dasselbe Ziel der Wehrlosmachung sieht man, wenn im Internet Zensur geübt wird, etwa wenn Kanäle oder Videos gesperrt werden oder man die Überwachung ausweiten will. An dieser Stelle ist der Erfolg jedoch bislang nicht allzu groß, wobei man dazu auch sagen muss, dass die Reichweite vieler alternativer Medien entweder nicht sonderlich groß ist oder die tatsächlich andere Sicht auf die Welt bei diesen zu wünschen übrig lässt.

Was folgern wir daraus?

Nun, bevor jetzt jemand denkt, dass ich mich hier darüber beschwere, dass eine solche Hoheit von verschiedenen Leuten mit bislang großem Erfolg angestrebt wird: das tue ich nicht. Im Gegenteil, ich halte ein solches Verhalten für einen Imperativ der Vernunft: Nicht die Hoheit über die Sprache anzustreben, also den Versuch, eine Konnotation zu bestimmten Begriffen hinzuzufügen oder andere im Gespräch zu halten, also jegliche effiziente Propaganda, wegzulassen, wäre äußerst dumm und das aus mehreren Gründen: Zunächst einmal leben wir in einer Gesellschaft mit allgemeinen Wahlen. Dass das ein Problem sein kann, sei hier einmal dahingestellt, aber es ist nun einmal so. Kontrolliert man das Denken und welche Optionen darin überhaupt vorkommen, so ist die Sicherung der eigenen Macht im Parlament und was für ein Rattenschwanz an Interessen auch immer noch daran hängt, wesentlich einfacher. Warum sonst glauben Sie, kriegen wir immer so geistreiche Parolen wie „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ um die Ohren geworfen, die schon nach kurzem Nachdenken völlig sinnfrei sind? Oder was glauben Sie, wie viele Menschen tatsächlich über mehr als fünf oder sechs Parteien, die halt immer wieder in den Medien vorkommen, nachdenken, wenn sie sich darüber Gedanken machen, wem sie denn ihr Kreuz schenken sollen? Weder die Familienpartei, noch die ÖDP, die MLPD oder die Republikaner tauchen bei den meisten überhaupt als Option auf, zudem kommt hinzu, dass selbst diejenigen, die sie kennen, über das Programm so gut wie gar nichts wissen, während sie bei den bekannten Parteien zumindest noch zwei oder drei wichtigere Punkte aufzählen können. Und darin schließe ich explizit auch sehr gebildete und politisch interessierte Menschen mit ein.

Ein weiterer Grund ist, dass auf diese Weise der Widerstand gegen politische Vorhaben minimiert werden kann. Denn wer die Sprache und durch sie das Denken dominiert, der kann zumindest bei größeren Mengen von Menschen Empörungen verhindern beziehungsweise Unterstützung einfordern. Man siehe nur, wie dies in den letzten Jahren mit dem Wort „Flüchtling“ geschehen ist. Hätte man diejenigen, die hierherkamen, nicht immer wieder fälschlicher Weise als „Asylanten“ oder „Flüchtlinge“ bezeichnet, sondern akkurater mit den Begriffen „Illegale Einwanderer“ oder „Menschen ohne Asylgrund“ und dann die entsprechenden Kostenrechnungen etc. samt all der Probleme dargestellt, wäre der öffentliche Aufschrei in der Bevölkerung wesentlich lauter. Aber dadurch, dass man diese Menschen pauschal als „Flüchtlinge“ benennt, ist eine solche Reaktion nicht auf voller Breite und mit großer Stärke zustande gekommen. Die Absurdität geht sogar so weit, dass „Flüchtling“ von manch einem inzwischen mit „Einwanderern“ oder gar mit neuen BRD-Angehörigen gleichgesetzt wird. Vor einiger Zeit hat mir tatsächlich jemand erzählt, dass die Zahlen gar nicht so schlimm seien, da wir ja schon mal ein paar Millionen „Flüchtlinge“ in das schöne BR-Deutschland aufgenommen haben. Ich fragte, ob er die derzeitigen Ströme ernsthaft mit den Vertriebenen gleichsetzen wollte, was er verneinte, denn er sprach von der Wiedervereinigung und der Aufnahme der DDRBürger in die BRD. Ja, er meinte tatsächlich, dass die Menschen der neuen Bundesländer praktisch auch Flüchtlinge waren. Allesamt. Und sowas studiert heute an unseren Universitäten Wirtschaftswissenschaften. Mit solchen Menschen sind differenzierte Gespräche über ein Thema wie die Masseneinwanderung dann auch oft entsprechend fruchtlos.

Ein dritter, wichtiger Grund ist, dass derjenige, der die Begriffe definiert, also eine entsprechende Hoheit in seinem Bereich erworben hat, einen Heimvorteil mitbringt. Man denke nur mal daran, wie schnell man in gewissen Kontexten als ungebildet, ignorant, ahnungslos, unsensibel oder was auch immer gilt, wenn man etwa nicht jeden pauschal „Flüchtling“ nennt, sondern versucht eine akkurate Beschreibung des Einzelnen, wie etwa „Asylbetrüger“ oder „Illegaler Einwanderer“ verwendet oder wenn man nicht mit den aktuellen Merkwürdigkeiten hinterherkommt, die es gerade bei diesen netten Menschen aus der sogenannten Genderforschung gibt. Weiterhin bringt einem dieser Heimvorteil ein, dass man selbst die Diskussion lenken kann. Um bei meinem Vergleich zur Kriegsführung zu bleiben: Das Schlachtfeld zu wählen heißt, die Schlacht schon halb gewonnen zu haben. Wenn man selbst festlegt, worüber gesprochen wird, etwa über eine „Flüchtlingskrise,“ dann braucht man nicht mehr beweisen, dass es tatsächlich Flüchtlinge sind. Worüber reden wir denn sonst? Derjenige, der versucht, dagegen anzugehen, indem er immer wieder „Einwanderer“ oder „Migranten“ sagt, was inzwischen ja auch schon mit dem Begriff des „Flüchtlings“ gerne gleichgesetzt wird, rennt an sich gegen eine Wand an. Denn er ist ja nicht beim Thema oder versteht anscheinend nicht, worum es geht.

Ein letzter Grund, den ich hier nennen möchte, ist die Verwässerung von Begrifflichkeiten. Im Rahmen der sogenannten „Flüchtlingskrise“ fällt dies vor allem dabei auf, dass „Asylsuchende,“ „Flüchtlinge“ und „Migranten“ offensichtlich dasselbe sind. Dabei haben wir es, wie in unserem Beitrag zur Begriffsklärung bereits besprochen, eigentlich mit wohlunterschiedenen Begriffen zu tun. Warum ist es also nützlich, solch eine Unterscheidung zu untergraben? Ganz einfach: wenn eh alles eine Soße ist und eines davon eine bestimmte Handlungsweise impliziert, die man auf die anderen übertragen will, dann kann man dies einfach tun. Asylanten sind Menschen, die vor politischer Verfolgung geflohen sind und nicht in ihre Heimat zurückkehren können. Daraus folgt, dass derjenige, dem man Asyl gewährt, wahrscheinlich lange, wenn nicht dauerhaft in BR-Land bleiben wird. Überträgt man diese Eigenschaft auf alle Menschen, die aus rein wirtschaftlichen Gründen hierherkommen und verwischt die Grenze zwischen diesen doch sehr unterschiedlichen Gruppen, so kann man auch hier wieder dafür sorgen, dass die Wahrnehmung und die Handlungsmotivation des Einzelnen den eigenen Zwecken zuträglich ist.

Man sieht also, dass diejenigen, die gewisse politische Ambitionen mitbringen, ob diese nun Ihren, werter Leser, entsprechen oder Ihnen völlig zuwider sind, sei einmal dahingestellt, aus Gründen der Vernunft nicht drumrum kommen, die Hoheit über die Sprache zu erkämpfen. Je mehr die Bevölkerung von verschiedenen Dingen überzeugt ist, beziehungsweise je weniger Alternativen in ihrem Denken vorkommen, desto sicherer und einfacher kann man entsprechende Programme in die Tat umsetzen und desto weniger Widerstand wird sich dagegen regen.

Widerstand ist zwecklos

In einem Krieg, so schreibt Clausewitz, ist der reine Widerstand der kleinste mögliche Zweck im Kampfe. Denn er ist bloß negativ: es geht lediglich darum, den Feind an der Erreichung seines Zieles zu hindern, ohne selbst ein positiv gesetztes zu verfolgen. Und im Falle des Krieges um die Hoheit über die Sprache ist der reine Widerstand zwecklos. Lassen Sie mich das etwas näher ausführen.

Egal auf welcher Seite man auch stehen mag: lediglich den Versuch zu unternehmen, den eigenen Feind am Vorankommen mit seiner Normierung, wie etwa bei einer „geschlechtergerechten“ Sprache, zu hindern, ist langfristig zum Scheitern verurteilt. Der Widerstand sähe hier so aus, dass man sich selbst weigert, diese Normen anzunehmen und eventuell auch aufzeigt, dass Alternativen dazu bestehen. Man geht jedoch nicht in die Offensive über. Ein solches Verhalten macht im Kriege durchaus Sinn. Der Feind hat nämlich nicht unbegrenzten Nachschub an Ressourcen, wie etwa an Rüstungsgütern und Soldaten und zudem gibt es einen Punkt, an dem die Kosten für die Fortführung des Krieges den zu erreichenden Nutzen übersteigen, weshalb man sich zurückzieht. Doch ein solches Kalkül kann derjenige, der im Krieg um die Sprache auf Seiten derjenigen steht, die sich gegen die derzeitige Entwicklung aussprechen, nicht machen. Der Grund dafür ist einfach: die Ressourcen und der Kampfgeist des Feindes schrumpfen nicht im Laufe der Zeit, nein, sie wachsen. Je mehr Menschen Genderkrams studieren, je mehr Nachwuchs mit den entsprechenden Denkweisen heranwächst, je mehr Gesetze und Regelungen dahingehend durchgesetzt werden usw. desto mehr Macht bringt derjenige mit, der sich auf die Seite dieser Ideen stellt. Zu beobachten war dies für mich vor allem beim Thema der sogenannten „Flüchtlingskrise:“ Am Anfang konnte man bei vielen noch eine Skepsis bezüglich des Wortes „Flüchtling“ vernehmen, oft wurde sogar noch der Begriff des „Wirtschaftsflüchtlings“ dazu in Abgrenzung verwendet. Doch jetzt sieht es so aus, dass viele die resignierte Haltung an den Tag legen, die nach einer verlorenen Schlacht nun einmal vorkommen kann: „Was soll man denn jetzt noch dagegen tun?“ Zumal für viele, selbst im alternativen Bereich tätige Menschen, der Begriff des „Flüchtlings“ oder des „Asylanten“ inzwischen derjenige ist, den man unreflektiert verwendet.

Wenn also der Widerstand zwecklos ist, was muss man dann tun? Nun, man muss den Kampf zum Feind tragen. Nicht lediglich die eigene Stellung verteidigen, sondern die gegenüberliegende angreifen. Damit machen wir jetzt schon wieder ein völlig anderes Fass auf. Aber gut, wir wollen zumindest mal versuchen, dieses Thema anzugehen. Wenn Sie, werter Leser, sich auf der Seite derjenigen befinden, die nicht dieselben Zwecke verteidigen wie diejenigen, die die Masseneinwanderung befürworten, an die „Ergebnisse“ der Genderforschung glauben oder von solchen Merkwürdigkeiten wie sozialer Gerechtigkeit und der immerwährenden deutschen Schuld sprechen, dann sind Sie in einer misslichen Lage. Wie wir bereits festgestellt haben, dominiert unsere Sprachverwendung unsere Möglichkeit zu Denken und entsprechend dadurch auch unsere durch bewusste Entscheidungen getroffenen Handlungen. Wir selbst sind schon seit mindestens zwei Generationen so sehr in diesen Sprachmustern gefangen, dass wir viele Dinge nicht in Frage stellen oder zu denken wagen, die eigentlichen unseren Zielen zuträglich sein könnten oder die man zumindest mal theoretisch durchgehen sollte, bevor man sie verwirft. Anders ausgedrückt, um wieder zur Kriegsterminologie zurückzukommen: die Streitmacht des Verteidigers ist stark angeschlagen, wenn auch noch intakt und zum Kampfe fähig. Jedoch sind die Ressourcen auf dieser Seite spärlich und dazu auch noch dahinschwindend, da jeder Erfolg des Feindes die eigenen Möglichkeiten reduziert. Der bloße Widerstand hilft entsprechend nicht, doch wie könnte man angreifen?

Meiner bescheidenen Meinung nach gibt es nur zwei Arten von Soldaten, die in dem Krieg um die Hoheit der Sprache tatsächlich in größerem Maßstabe relevant sind. Alle anderen tun zwar auch ihren Teil, doch sind es diese beiden, aus welchen die offensiven Truppen zusammengesetzt sein müssen: Intellektuelle und Künstler. Natürlich sind hier gerade Hybriden wünschenswert, weshalb an dieser Stelle „Also sprach Zarathustra“ als ein Beispiel empfohlen sei. Lassen Sie mich etwas näher ausführen, warum gerade diese beiden Gruppen interessant sind. Die erste ist diejenige, der man zuhört, wenn es um verschiedene Themen geht, da sie die sogenannten „Experten“ auf ihrem Gebiet sind. Das sei jedoch einmal dahingestellt. Die wichtigere Eigenschaft dieser Menschen ist die folgende: sie können von sich aus begründen, warum eine bestimmte Sprachverwendung oder Begrifflichkeit so und nicht anders stattfinden sollte oder warum jemand, verzeihen Sie meinen Ausdruck, einfach nur Scheiße labert. Gewissermaßen bilden sie die erste Linie der Infanterie, die die feindlichen Linien angreift und zu binden oder gar durchbrechen versucht, dabei jedoch auch die größten Verluste hinnimmt. Um wieder vom Vergleich ein wenig wegzukommen, sei dies wie folgt beschrieben: durch zahlreiche Angriffe auf intellektueller Ebene ist der Feind gezwungen, seine eigenen Theorien und Begründungen immer wieder zu verteidigen. Stellt man dies klug an und überschätzt sich dabei vor allem nicht selbst, diskutiert man also nur über Themen, von denen man tatsächlich fundierte Ahnung hat und begründet alles ausführlich, kann man dem Feind so die Initiative nehmen und ihn in der akademischen Diskussion zurückdrängen. Und Erfolge dieser Vorgehensweise sieht man allerorten, nur leider eben nicht konstant. Wenn es irgendwo, beispielsweise an einer Universität, gelingt, bestimmte Sprachnormen abzuwehren, dann bleibt es meist dabei. Es wird nicht nachgesetzt. Entsprechend fehlt die Offensive und der bloße Widerstand wird langsam aber stetig immer weiter zurückgedrängt. Was die Verluste der Intellektuellen angeht, so meine ich hierbei vor allem, dass sie von Kollegen als problematisch beäugt werden könnten und sie gerade dann ihre eigene Karriere gefährden, wenn sie nicht so gut sind, wie sie glauben.

Wenn wir nun also unsere Infanterie sehen, die die feindlichen Linien frontal angreift, aber eben nur auf intellektueller Ebene wirklichen Schaden verursachen kann, fehlt es an einer Truppe, die seine Linien aufbrechen und die Schlacht entscheiden kann: Nämlich die Künstler, die in diesem Krieg als die Kavallerie betrachtet werden. Historisch war es oft so, dass die bloße Anwesenheit und das Anstürmen von berittenen Truppen gereicht hat, um die feindliche Infanterie zur Flucht zu bewegen. Wer bleibt schon gerne stehen, wenn mehrere Tonnen mit hoher Geschwindigkeit auf einen zurasen? Ein solches Potential, Massen von Feinden zu demoralisieren, ist eigentlich nur bei den Kulturschaffenden zu finden. Ja, die Journalisten haben ebenfalls einen großen Einfluss, doch gerade hier sehe ich wenig Möglichkeit, in den großen Medien viele zum Wechseln der Seiten zu bewegen. Entsprechend muss man sich auf diejenige Gruppe verlassen, in die jeder gewissermaßen einsteigen kann und bei denen gewiss auch eine Nachfrage nach Alternativen besteht.

In wie fern kann nun der Künstler der Sache dienlich sein, den Feind auf Ebene der Sprache zu bekämpfen? Nun, Werte werden durch die Kultur vermittelt. Man siehe sich an, wie viele Fabeln und Märchen mit einer bestimmten Moral sich über die Jahrhunderte erhalten haben. Heute findet dies vor allem durch Lieder, Filme, Serien und Romane statt, aber auch andere Kunstformen haben durchaus einen großen Einfluss. Wie kann man dies nutzen? Ganz einfach: wenn Sie, werter Leser, ein gewisses Talent oder eine gewisse Fertigkeit mitbringen oder entsprechende Leute kennen, dann können Sie Ihre Botschaft in die Kunst einfließen lassen. Und durch diese, je nachdem, für wen Sie das Werk anfertigen, auf größere Mengen von Leuten Einfluss ausüben. Lassen Sie mich dies an einem Beispiel verdeutlichen: Wie viele Filme kennen Sie, die ungefähr das folgende Schema aufweisen, von mir aus jedoch mit der einen oder anderen Abweichung: Ein Mensch, meist ein weißer Mann, sieht sich einer Situation ausgesetzt, in der er Umgang mit einer anderen Kultur pflegen muss, hat aber zu Beginn eine Abneigung dagegen. Etwa ist er der strenge Vater, der nicht will, dass seine Tochter einen Türken heiratet oder derjenige, neben dem eine „Flüchtlingsfamilie“ einzieht. Und am Ende hat er eingesehen, dass seine Vorurteile falsch waren und freundet sich mit diesen Menschen an. Man muss nicht gerade viel Fernsehen schauen oder oft ins Kino gehen, um zu wissen, dass solche Filme ständig produziert werden. Dagegen kennen Sie wahrscheinlich nicht einen einzigen, der damit beginnt, dass eine kulturfremde Familie in eine deutsche Nachbarschaft zieht, sich dort nicht an die Sitten hält und das glückliche Ende ist, dass die Bewohner deren Abschiebung bewirkt haben, nachdem sie nachweisen konnten, dass diese illegal im Lande waren und das eine oder andere Verbrechen von ihnen begangen wurde.

Um wieder etwas näher zum Thema der Sprache zu kommen, sei folgendes hinzugefügt: wer mal genau hinhört, WAS die Schauspieler in den meisten Filmen und Serien sagen oder welche Worte in Büchern verwendet werden, wird schnell feststellen, dass bestimmte Normen darüber etabliert werden. Unterhaltungsmedien sind exzellent zu Propagandazwecken geeignet, da der Großteil der Bevölkerung mit ihnen täglichen Umgang pflegt. Entsprechend ist es nur wünschenswert, dass man selbst, so man sich denn zur Gegenseite rechnet, auf dieser Front beginnt, zum Gegenangriff überzugehen. Doch wie schafft man das? Etwa prägt sich vieles besser ein, verpackt man es in einen Reim. Hörn die Leute einem zu, verbreitet dieser sich im Nu. Und sind Flügel erst am Wort, dann spricht man es bald allerort.

Es gibt darüber hinaus viele Möglichkeiten, dass sich diejenigen, die ein Publikum herankriegen, über verschiedene Themen auslassen können. Auf Youtube gibt es etwa viele Menschen, die sogenannte „Let's Play“-Formate betreiben, bei denen sie ein Videospiel vorführen und nebenbei eine Menge erzählen, was nichts mit dem Spiel zu tun hat. Genauso gibt es viele, die Lieder singen und veröffentlichen oder ein komödiantisches Talent zeigen. Diese könnten sich beispielsweise vor einem Publikum über die Genderideologie lustig machen oder darüber, wie lebensfern viele Vorschläge zur Lösung der sogenannten „Flüchtlingskrise“ sind, beziehungsweise gerade auch über die vielen linken Kabarettisten in unserem Lande.

Ich glaube, an dieser Stelle ist erst einmal genug gesagt worden. Wichtig ist, dass gerade bei den Künstlern die eigene Kreativität wichtig ist und dass Sie, werter Leser, sollten Sie sich daran versuchen, auf die Vorarbeit derjenigen bauen sollten, die zur Gruppe der Intellektuellen gezählt werden. Denn frontal auf die gegnerische Infanterie zuzustürmen, kann fatal sein, während ein Angriff in ihre Flanke, solange sie von der eigenen Infanterie gebunden wird, für den Feind verheerend ist.

Zerfällt die Deutsche Sprache?

Der eigentliche Themenvorschlag unseres Zuschauers auf Youtube war bezüglich des Verfalls der deutschen Sprache. Natürlich ist es ein Problem, wenn sich Grammatik und Wortschatz von alleine immer weiter reduzieren und wir immer mehr Anglizismen verwenden, die eigentlich recht bedeutungsleer sind. Aber: dies ist nicht der Vorgang, der uns die größeren Sorgen bereiten sollte. Zum einen ist dies ein Prozess, der sich überall und durch die Geschichte hinweg beobachten lässt: Sprachen werden immer einfacher. Im Finnischen werden nicht mehr so wirklich alle 15 Fälle verwendet, aus dem Russischen entfernt sich gerade das neutrale Geschlecht und wird vermutlich in ein paar Generationen verschwunden sein usw. Ein Grund dafür ist, dass wenn Sprachen sich mischen, sie eigentlich nie komplexer werden. Dies kann man gut am Englischen ausmachen, das aufgrund dauernder Durchmischung mit der Sprache verschiedener Invasoren entstanden ist. Von den vier Fällen, die sich im Deutschen erhalten haben, sind in dieser Sprache nur noch zwei enthalten. Vom grammatikalischen Geschlecht ist nichts mehr übrig und das obwohl es in den wichtigsten Sprachen der hinzugekommenen Völker stets enthalten war. Die Komplexitätsabnahme, wie gesagt, ist ein Problem und wir haben dieses auch. Aber ein Zerfall ist ein langsamer Prozess der zudem durch Passivität ermöglicht wird und von alleine stattfindet, während wir es hier eher damit zu tun haben, dass die Sprache bewusst manipuliert wird.

Dieser Beitrag ist nun ein ganzes Stück länger geworden, als ich erwartet hatte. Ich hoffe, dass der Vergleich mit dem Krieg und der Bezug auf Clausewitz dem einen oder anderen von Ihnen, werte Leser, sinnvoll erschienen ist und Ihnen neue Denkanstöße zu geben geeignet war. Zum Abschluss möchte ich nun noch einer persönlichen Schwäche nachgeben: da ich einmal angefangen habe zu Reimen, will ich an dieser Stelle noch eine Dichtung herauslassen:

Die Gerechten in die Knie zu zwingen
Schien mit dem Schwerte nie zu gelingen
Man konnte noch so viele Schädel spalten,
Sie vertreiben und in Ketten legen
Doch egal auf welchen dunklen Wegen
Konnten die doch stets ihre Ehr erhalten

Nicht viele wahrhaft Treue scheints zu geben
Dennoch scheint die Treue noch zu leben
Denn wer aufrecht steht, bis in den Tod hinein
Der sich im Geiste nicht knechten lässt
Und dessen Freiheit steht noch fest
Nur der kann noch von Ehre sein

Nun will man sie zum Schweigen bringen
Und so den Sieg doch noch erringen
Sprechverbote gibt es nun allerort
Vieles darf man heute gar nicht sagen
Oder sollte es nicht zu laut wagen
Denn so findet man nie das rechte Wort

Wenn es denn nur Verbote wären
Könnte man sich noch leicht wehren
Doch Sprechgebote gibt man uns auf
Um unser Denken einzuschränken
Es in gewünschte Bahnen nur zu lenken
Lässt man ihm nie den freien Lauf

Es nicht zu sagen wie es ist
Ist nichts als eine düstre List
In unsre Köpfe einzudringen
Uns vom geraden Denken abzuhalten
Um die Kritik so auszuschalten
Und uns doch noch auf die Knie zu bringen

Wälle die vor der Sprache liegen
Scheinen schwerer als das Schwert zu wiegen
Sie kommen Denkblockaden gleich
Die Widerstand sogleich ersticken
Und das große Einerlei erquicken
Hin zum neuen Sklavenreich

In den Abgrund sollt Ihr fallen
Und Eure Stimme dort verhallen
Geht gerade auf die Menschen zu
Nennt sie bei dem, was sie sind
Sonst werdet Ihr vor ihnen blind
Und Ihr erstickt in dieser Ruh


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