Angst sei ein schlechter Ratgeber

SapereAudeBlog

Blödsinn. So, damit ist das Thema eigentlich abgehakt, oder? Na gut, um Missverständnisse auszuräumen, gehen wir auf den gesamten Komplex, der mit Angst zu tun hat, einmal etwas detaillierter ein. Die wichtigen Fragen, denen wir dabei nachgehen wollen, sind: (1) Ist Angst ein schlechter Ratgeber? (2) Haben die Menschen nur "irrationale Ängste?" (3) Wird mit den Ängsten der Menschen gespielt? (4) Und sollte man den Menschen ihre Ängste nehmen?

Angst sei ein schlechter Ratgeber

Blödsinn. So, damit ist das Thema eigentlich abgehakt, oder? Na gut, um Missverständnisse auszuräumen, gehen wir auf den gesamten Komplex, der mit Angst zu tun hat, einmal etwas detaillierter ein. Die wichtigen Fragen, denen wir dabei nachgehen wollen, sind: (1) Ist Angst ein schlechter Ratgeber? (2) Haben die Menschen nur "irrationale Ängste?" (3) Wird mit den Ängsten der Menschen gespielt? (4) Und sollte man den Menschen ihre Ängste nehmen?

Dieser Beitrag, wie auch derjenige zum Thema Hass und warum er bei weitem zu abfällig behandelt und nicht gebührlich gewürdigt wird, soll vor allem ein allgemeiner Versuch sein, gegen die Rhetorik vieler Politiker und Aktivisten anzugehen, die eigentlich nichts anderes machen, als auf den ersten, völlig unkritischen Blick, vielleicht schlüssig klingende Aussagen von sich zu geben, die dann viele Menschen ebenso unreflektiert nachplappern. Gehen wir also nun die Fragen, die wir eingangs gestellt haben, nacheinander durch und sehen wir dann, wie viel vom unendlich geistreichen Gerede übrig bleibt.

(1) Ist Angst ein schlechter Ratgeber?

Nein. Fertig. Aber gut, machen wir uns es hier mal nicht zu einfach. Was meint man denn mit der Aussage, Angst sei ein schlechter Ratgeber? Dass, wenn man aus Angst eine Entscheidung trifft, man eben viele, vielleicht auch vorteilhafte Lösungen nicht in Betracht zieht, eben weil man Angst davor hat. Hm. Wenn ich da an unser offizielles Geschichtsbild und die panische Angst vor irgendwelchen Revisionen denke, dann mag das stimmen. Aber insgesamt ist diese Aussage, wie so oft, einfach viel zu absolut. Wie auch beim Hass habe ich mal wieder den Eindruck, dass hier nur Schwarz und Weiß gedacht und das vielleicht viel gesündere Gleichgewicht damit ignoriert wird. Schrecklich sowas.

Zu sagen, Angst sei ein schlechter Ratgeber, beziehungsweise man solle aus Angst keine Entscheidung treffen, ist eigentlich schon beim groben betrachten ziemlich dämlich. Aus Angst als Deutscher, oder sogar noch eher als deutsche, unverschleierte Frau, nicht in gewisse Stadtteile ihm Ruhrpott oder in Berlin zu gehen, ist vernünftig. Danke Angst, für diesen guten Ratschlag. Aber wir wollen uns hier nun nicht in Gegenbeispielen verlieren. Es geht ja bei diesem Satze, wie so oft, eher um das politische Ganze. Also etwa aus Angst vor Terroranschlägen nicht die Grenzen offen zu halten und jeden ohne Pass abzulehnen, das sei eine schlechte Idee. Ahja. Die Opfer der jüngsten Anschläge, beziehungsweise ihre Angehörigen, sehen das gewiss anders. Bevor nun jemand sagt, hier würden die Leiden instrumentalisiert: soll man sie gänzlich ignorieren und keine Konsequenzen daraus ziehen? Wieder Blödsinn.

An dieser Stelle soll einmal auf die Heuchelei derjenigen eingegangen werden, die immer wieder sagen, Angst sei ein schlechter Ratgeber. Das hört man ja nun vor allem von Leuten, die den etablierten Parteien BR-Deutschlands nahestehen. Also jenen, die ihre scheinbar endlose Angst vor einem Rechtsruck, Trump, dem Brexit, der Erderwärmung und so weiter immer wieder gezeigt haben und auch heute immer noch zeigen. Als ob diese Menschen nicht aus Angst vor irgendetwas bestimmte Handlungen begehen oder unterlassen. Aber man weist ja nur dann darauf hin, dass Angst ein schlechter Ratgeber sei, wenn man so die Position des Gegners unterminieren und die eigene untermauern kann. Und das sind dann die moralischen und aufrechten Demokraten, die den Aufstand der Anständigen proben sollen, oder so ähnlich.

Nun denn, es sollte klar sein, dass Angst sehr wohl eine gute Grundlage für Entscheidungen sein kann. Die Frage ist wie immer, wie man damit umgeht. Ein Thema völlig auszublenden und zu vermeiden, damit irgendwie auch nur gedanklich in Berührung zu kommen (hier sei noch einmal auf die Angst vor einer Neubewertung der Geschichte genannt), mag sicherlich recht häufig eine sehr dumme Herangehensweise sein. Aber aus Angst ein Thema mit Vorsicht anzugehen? Die Risiken gering zu halten und nicht unnötig Ressourcen darauf zu verschwenden? Das ist schlicht konservatives Handeln. Was ist denn daran nun so schlimm? Bevor wir hier jedoch in eine Diskussion über Konservatismus und vor allem, was er sein sollte, abgleiten, kommen wir lieber zur zweiten Frage:

(2) Haben die Menschen nur "irrationale Ängste" (vor allem im Bezug auf "Flüchtlinge" und den Mohammedanismus)?

Nein. Aber auch hier sollte wahrscheinlich etwas mehr erklärt werden, bevor wir zur nächsten Frage mit einer einsilbigen Antwort kommen. Klar, der ein oder andere, der vor einer Mohammedanisierung Angst hat oder davor, dass die Massen an illegalen Einwanderern, die man aus propagandistischen Gründen gerne Flüchtlinge nennt, diesem Land eine Menge weiteren Schaden zufügen werden, hat diese Angst mehr aus der Tatsache heraus, dass er die Zusammenhänge nicht versteht, jedoch sind insgesamt die Ängste der Menschen hier alles andere als irrational. Aber alles der Reihe nach.

Erstmal sollte man sich fragen, was denn eine irrationale Angst überhaupt sein soll. Wahrscheinlich das Gegenteil einer rationalen Angst. Hm. Wie oft haben Sie, werter Leser, diesen Begriff schon in den Medien oder aus dem Munde eines Politikers vernommen? Und gibt es auch noch weitere Arten von Ängsten, außer den rationalen und irrationalen? Schon diese Überlegung sollte ausreichen, damit man sieht, dass es sich hierbei, wie so oft, um einen eigentlich völlig hohlen Kampfbegriff und nicht ein solides Konzept handelt. Aber nehmen wir ihn mal trotzdem so hin. Irrational wäre eine Angst ja vor allem dann, wenn sie unbegründet wäre. Sei es, weil man nicht weiß, warum man vor etwas Angst hat oder weil das, wovor man sie hat, einem keinerlei Schaden zufügen kann. Nun wäre die Frage, was daran so schlimm sei. Ist der Grund ersteres, so sollte man das Warum ergründen. Ist es letzteres, so scheinen wir es mit einer Phobie zu tun zu haben, etwa wie bei Leuten, die Angst im Dunkeln oder vor engen Räumen haben.

Was ist nun bei der Mohammedanisierung der Fall? Ist die Angst, wenn irrational, eine vor etwas, das sich derjenige, der sie hat, nicht rational erklären kann oder vor etwas, das ihm nicht schaden kann? Letzteres wäre der Fall, wenn es keine Mohammedanisierung gäbe oder wenn eine solche unser Leben in keiner Weise einschränken könnte. Dass beides völliger Blödsinn ist, sollte eigentlich jedem bewusst sein. Bleibt also nur, dass die Irrationalität daher kommt, dass die Menschen nicht genau wissen, warum sie Angst vor ihr haben. Ja, und? Wo ist das Problem? Wir wissen doch, dass es nie eine Situation gibt, in der sich die Masse mit allem auseinandergesetzt hat. Das tun stets nur Einzelne. Die Frage ist dann, wie so oft in der Demokratie, wer die Menge an Menschen hinter seine Position bringen kann. Die Angst an sich jedenfalls ist nicht irrational, sondern höchstens, wenn wir diesen Kampfbegriff denn benutzen wollen, wovon ausdrücklich abgeraten sei, die Angst des Einzelnen, der sie nicht begründen kann. Mit der Angst vor den Einwanderermassen und der offenen Grenzpolitik sieht es genauso aus.

Was können wir also schlussfolgern? Dass der Begriff der irrationalen Angst zumindest im politischen Kontext auf die Massen angewendet zum einen völlig fehl am Platze ist und zum anderen, selbst wenn er es nicht wäre, in keiner Weise begründet, warum man die Angst der Menschen deswegen abtun und als irrelevant oder etwas, das man überwinden müsse, betrachten könnte. Folglich haben wir es hier mit reiner propagandistischer Rhetorik zu tun. Kommen wir also zur dritten Frage.

(3) Wird mit den Ängsten der Menschen (im Bezug auf eine Mohammedanisierung) gespielt?

Nein. Zumindest nicht erfolgreich. Was würde die Behauptung begründen, man spiele mit den Ängsten der Menschen? Wenn man sie dadurch zu gewissen Handlungen (oder Unterlassungen) verleiten würde. Etwa ist jegliche Wahlwerbung, bei der es heißt, wer nicht wählen geht unterstütze die NPD, ein solches Spielen mit einer Angst vor den bösen Rechten, weil irgendwelche völlig überzogenen und nicht realistischen Horrorszenarien gezeichnet werden, obwohl die Partei selbst mit 10% im Landtag keinerlei Relevanz hätte und man dadurch nur versucht, selbst mehr Wählerstimmen einzufangen. Interessant wie man wiederum die Heuchelei sehen kann, oder? Ist es aber ein Spielen mit der Angst, wenn vor der Mohammedanisierung durch die derzeitige Politik gewarnt wird? Keineswegs. Wir reden hier nämlich über Fakten. Es gibt immer mehr Moscheen und der Bevölkerungsanteil derjenigen, die sich fürs Gebet zu einem Schwarzen Kasten in der Wüste wenden müssen, steigt auch immer weiter an. Wo ist das ein Spielen? Etwa weil man sagt, die etablierten Parteien tun nichts dagegen und unterstützen dies teils gar? Nun ja, das ist die Wahrheit, oder? Wir könnten ewig so weiter machen.

Insgesamt kann man auch hier sagen, dass diejenigen, die behaupten, "Rechte Rattenfänger" oder wer auch immer, würden nur die Ängste ausnutzen um ihren Zielen näher zu kommen, vielleicht wahr sein mag, jedoch ist daran nichts Verwerfliches, so dies denn auf Tatsachen begründet ist. Wobei man sich mal fragen sollte, wie die etablierten Politiker und Journalisten denn den einfachen Bewohner dieses Landes sehen, wenn sie meinen, die werden von Rattenfängern eingesammelt. Aber egal. Wie auch schon bei den vorherigen Punkten sehen wir, dass auch diese Phrase eher als Kampfbegriff dient, denn in irgendeiner Weise etwas solides zum Thema beiträgt. Kommen wir also zur vierten Frage.

(4) Sollte man den Menschen ihre Ängste nehmen?

Nein. Manchmal kommt der Eindruck auf, man könne alles in die Tonne kloppen, was einem in der öffentlichen Berichterstattung vorgesetzt wird. So auch die geistreiche Aussage vieler Experten, Politiker, Journalisten oder wer auch immer es wagt, sich zu so wichtigen Themen wie der Mohammedanisierung oder der Masseneinwanderung zu äußern. Nehmen wir den Menschen doch einfach ihre Ängste. Das klingt ja fast so, als hätten wir alle irgendeine Phobie vor Schmetterlingen und man müsse nur eine kleine Therapie mit uns machen, damit wir bald wieder unbeschwert auf den Wiesen und Feldern rumhüpfen können. Dass es sich bei den Ängsten der Bevölkerung um etwas anderes als eine Phobie handelt, sollte jedoch klar sein. Aber selbst wenn es so wäre ist das Problem, dass die Behandlung einer solchen lange, individuelle Betreuung erfordern kann. Und das mit ein paar Millionen irrational Verängstigten? Blödsinn.

Dass die Ängste der Menschen nicht unbegründet und durch Kontakt mit Kopftuchträgern oder irgendwelchen Propagandafilmen aufgelöst werden können, ist eigentlich eine recht leichte Erkenntnis. Jedoch alleine der Versuch, den Menschen die Ängste zu nehmen, könnte dem einen oder anderen sauer aufstoßen. Stellen Sie sich vor, Sie hätten eine Phobie. Ob nun vor Dunkelheit, Schmetterlingen oder irgendwas anderem, sei völlig egal. Warum sollte jemand Ihnen diese nehmen dürfen? Gab es nicht so etwas wie ein Recht auf Selbstbestimmung? Klar, wenn Sie diese loswerden wollen, können Sie sich gerne Hilfe suchen. Das ist aber ein anderes Thema. Vielleicht wollen Sie keine Hilfe, weil sie sich damit arrangiert haben oder Sie wollen das Problem alleine lösen. Egal. Selbstbestimmung und Selbstverantwortlichkeit gebieten es erst einmal, dass es von Ihnen ausgeht. Wenn ein äußerer Zwang versucht, Ihnen diese zu nehmen, dann ist dies schon ein Angriff auf Ihre Persönlichkeit, den Sie sich nicht gefallen lassen müssen. Und so sieht es mit allen Ängsten aus.

Nur weil der/die/das Grünenpolitikierende der Meinung ist, die Angst eines Menschen sei unbegründet oder entspreche nicht seiner Willkommenskultur, hat er/sie/es diesem Menschen noch lange nicht zu sagen, wie er handeln und welche Angst er überwinden muss. Und das gilt für alle Ängste. Auch hier ist nämlich wieder die Frage, wie bereits gesagt, wie man mit ihr umgeht. Lässt man sich von der Angst hemmen, so kann sie einen selbst in der persönlichen Entfaltung einschränken. Nutzt man sie als Faktor bei der Überlegung einer Handlungsstrategie, so kann sie durchaus vorteilhaft sein, da man durch sie Möglichkeiten sucht, bestimmte Dinge zu meiden oder zu verhindern, die man als schädlich befindet. So einfach ist die Sache.

Insgesamt kann bei all dem politischen Gelaber über Ängste, gerade wenn nach Anschlägen gesagt wird, man solle sie nicht schüren, wie immer nur vollkommen unbegründetes und teils sogar sehr heuchlerisches Kampfbegriffumhergeschmeiße ausfindig gemacht werden. Wollte man vernünftige Politik machen, so müsste man im Bezug auf die Ängste der Menschen folgendes tun: sie ernst nehmen, nachvollziehen und dann akzeptieren, dass bestimmte Handlungen oder Unterlassungen nicht möglich sind, ohne aufgrund dieser Ängste zu Unruhen zu gelangen. Nähme Merkel die Ängste der Menschen ernst und versuchte sie diese nachzuvollziehen, würde sie eine tatsächliche Mohammedanisierung wahrnehmen und ebenso bemerken, dass ihre Einwanderungspolitik nicht nur zu großen Problemen, nein, auch zu Verletzten und Toten geführt hat. Wenn wir nun blauäugig dazu noch annähmen, sie wolle tatsächlich dem Wohl des deutschen Volkes dienen, dann müsste sie entsprechend ihre Politik ändern. Ebenso müssten die restlichen Politiker sowie die Journalisten und wer sonst noch immer meint, öffentlich geistlos labern zu müssen, aufhören, von Angst als schlechtem Ratgeber, irrationalen Ängsten, dem Spielen mit der Angst oder dass man die Ängste nur nehmen müsse zu reden. Aber da fundiertes und kritisches Denken scheinbar nicht erforderlich ist um in diesem Lande eine Person des öffentlichen Lebens zu werden, wird es in naher Zukunft nicht dazu kommen.


Artikel: Drucken oder Runterladen

Top