Satire in der Zeit: 10 Gebote für naive Demokraten

SapereAudeBlog

Es macht langsam wirklich keinen Spaß mehr, in die deutschen Zeitungen zu blicken. Man hat den Eindruck, dass die Redaktionen inzwischen nicht mal mehr einen feuchten Dreck auf den Leser geben und diesem ins Gesicht sagen, dass sie nur zur Volksverdummung dienen. So auch das tolle intellektuelle Blatt die Zeit, das mir nun eine neue besondere Freundin nahebringen möchte. Vor einiger Zeit hatte ich ja bereits meinen Kommentar zum Artikel von Victoria Libal geschrieben und mich über den Blödsinn, den dieses Qualitätsmedium veröffentlicht ausgelassen. Damals konnte man vielleicht noch einwerfen, dass der Artikel bei Zeit Campus erschienen ist und von einer Gastautorin im Rahmen einer Reihe veröffentlicht wurde. Da haben die Redakteure dann bestimmt nicht so genau hingesehen. Das sei zugestanden. Doch der Artikel um den es jetzt gehen wird wurde von niemand geringerem als Sabine Rückert, der stellvertretenden Chefredakteurin der Zeit, geschrieben. Mit anderen Worten: das kommt von ganz oben und verdeutlicht, wie vermodert dieses Wochenblatt inzwischen ist. Oder es handelt sich nunmehr nur noch um ein Satireblatt und ich tue den armen Redakteuren hiermit Unrecht. Wenn das der Fall sein sollte, so möchte ich demütig um Verzeihung bitten.

Satire in der Zeit: 10 Gebote für naive Demokraten

Es macht langsam wirklich keinen Spaß mehr, in die deutschen Zeitungen zu blicken. Man hat den Eindruck, dass die Redaktionen inzwischen nicht mal mehr einen feuchten Dreck auf den Leser geben und diesem ins Gesicht sagen, dass sie nur zur Volksverdummung dienen. So auch das tolle intellektuelle Blatt die Zeit, das mir nun eine neue besondere Freundin nahebringen möchte. Vor einiger Zeit hatte ich ja bereits meinen Kommentar zum Artikel von Victoria Libal geschrieben und mich über den Blödsinn, den dieses Qualitätsmedium veröffentlicht ausgelassen. Damals konnte man vielleicht noch einwerfen, dass der Artikel bei Zeit Campus erschienen ist und von einer Gastautorin im Rahmen einer Reihe veröffentlicht wurde. Da haben die Redakteure dann bestimmt nicht so genau hingesehen. Das sei zugestanden. Doch der Artikel um den es jetzt gehen wird wurde von niemand geringerem als Sabine Rückert, der stellvertretenden Chefredakteurin der Zeit, geschrieben. Mit anderen Worten: das kommt von ganz oben und verdeutlicht, wie vermodert dieses Wochenblatt inzwischen ist. Oder es handelt sich nunmehr nur noch um ein Satireblatt und ich tue den armen Redakteuren hiermit Unrecht. Wenn das der Fall sein sollte, so möchte ich demütig um Verzeihung bitten.

Der Artikel, der mich zum Verfassen dieses Beitrags bewegt hat, trägt den Titel "Von wegen "die anderen" – Was ich tun kann, um die Demokratie zu stärken, in der ich lebe." Wer auch nur im Ansatz kritisch zu denken in der Lage ist, kann hier eigentlich schon aufhören. Frau Rückert lebt also in einer Demokratie? Interessant. Wo denn? Sicherlich kann sie nicht die BundesREPUBLIK meinen, oder? Seis drum, gehen wir mal einfach davon aus, die Frau denke tatsächlich, die BRD sei eine Demokratie, einfach um Ihr etwas entgegenzukommen. Man sollte trotzdem bedenken, dass man hier bereits sehen kann, dass wir es bloß mit dämlichem ideologischen Geschwafel zu tun haben.

Der gesamte Artikel hat weder Einleitung noch Schlusswort, sondern besteht aus einer Art "10 Gebote für den supertollen Demokraten von heute" oder so ähnlich. Und in jedem dieser kommt mindestens einmal Blödsinn drin vor, weshalb wir sie nun einzeln durchgehen werden. Der Verdacht der Satire liegt nah, da man leicht in Lachen ausbrechen kann, wenn man die Dreisigkeit sieht, mit der Frau Rückert hier schreibt.

"1. Ich engagiere mich gesellschaftlich. Ich opfere einen Teil meiner Zeit für Feuerwehr, Hospiz, Flüchtlingsarbeit. Denn unsere Demokratie lebt vom Engagement des Einzelnen, der sich freiwillig und ehrenamtlich einsetzt."

Der erste Satz mag ja noch harmlos wirken, aber der zweite zeigt schon, dass es nur Propaganda oder Satire sein kann. Flüchtlingsarbeit? Wie bitte? Die Frau sollte doch wissen, wie es um die Situation mit den sogenannten "Flüchtlingen" steht. Na gut, dass sie Sprachregelungen auferlegt bekommen hat oder aus ihrer Position vielleicht selbst sogar diese verteilt, sei ja mal übersehen. Aber was soll das mit dem Engagement des Einzelnen? Warum lebt die Demokratie, die wir ja gar nicht haben, aber seis drum, denn davon? Die BRD lebt davon, uns massiv zu besteuern. Schön zu sehen ist hier, dass man sich ehrenamtlich, aber eben unkritisch, einbringen soll, damit die Politik sich auf Helfer in ihrem aktuellen Wahn stützen kann.

"2. Ich gehe immer wählen und stelle mich auch selbst zur Wahl. Als Stadträtin oder als Elternvertreter in der Schule. Den verschiedenen Ansichten und Bedürfnissen eine Stimme zu verleihen und auch für andere zu sprechen ist die Aufgabe eines Bürgers in der Demokratie."

Hier haben wir wieder dieses tolle Gerede von einer moralischen Wahlpflicht. Wenn einem nun aber der Kot verschiedener Tiere vorgesetzt wird, mit der Aufforderung einen zum Essen auszuwählen, wird doch wohl niemand sagen, dass eine Verweigerung der Wahl falsch ist. Nicht zu wählen ist auch eine Wahl, nämlich die gegen das System und die etablierten Parteien. Interessant wird der Punkt aber vor allem im Zusammenhang mit den Geboten Nummer 6 und 7. Der Rest ist nun wieder ideologisches Blabla. Ja, stellen wir uns auf, gut. Wir haben ja auch alle eine Arbeit, die uns das ermöglicht. Es ist nun auch nicht so, dass politische Tätigkeit vor allem mit bestimmten Berufsgruppen, gerade den verbeamteten, kompatibel ist und viele andere keine Möglichkeit haben, neben Beruf und Familie noch groß was zu machen. Aber Moment: Was meint sie jetzt mit "für andere zu sprechen?" Weiß sie, was richtig ist? Was andere für Bedürfnisse haben? Was andere wollen und wie sie leben sollten? Es ist gut zu wissen, dass es heute noch solch weise Menschen gibt.

"3. Ich schaffe Netzwerke und Diskussionsforen. Wer Straßenfeste veranstaltet, die Nachbarschaft pflegt und anderen zuhört, verhandelt Politik nicht als Privatsache. Auch das Private ist politisch."

Die ersten beiden Sätze sind wieder bloß ideologischen Gerede. Ja, schön. Treffen wir uns und reden wir drüber. Aber bitte erinnern wir uns daran, wenn das nächste mal wieder über die Stammtische gelästert wird. Der letzte Satz ist jedoch eine Frechheit. Nein, das Private ist nicht politisch, es ist privat. Politisch ist das Öffentliche. Was für Begriffe man im privaten Rahmen verwendet, was für Witze man macht und welche Bücher man liest, das geht niemanden etwas an, denn es ist privat. Das Politische mag sich zwar aufs Privatleben auswirken und in diesem ein Thema sein, aber das Private wird dadurch noch lange nicht zu etwas politischem. Oder es sollte zumindest so etwas nicht sein, gerade auch in einer "Demokratie" nicht, in der man sich frei entfalten und man selbst sein darf.

"4. Ich informiere mich. Ich höre, lese oder sehe Nachrichten, kaufe gute Zeitungen (zahle für sie auch im Internet), damit erhalte ich die selbstbewusste und kritische Presse, die unsere Demokratie vor autoritären Einflüssen schützt. Ich zahle die Beiträge für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit Überzeugung. Denn er gehört keinem Konzern oder Konsortium, sondern den Bürgern."

Ist das noch Eigenwerbung oder schon Eigensatire? Eine Frau aus der Chefredaktion einer Zeitung mit Onlinepräsens schreibt, man solle auch für Zeitungen im Internet zahlen. Gut, sie will Geld für ihre qualitativ hochwertige Arbeit. Aber selbstbewusste und kritische Presse? In welchem Land lebt die Frau? Meint sie ihre Zeitung? Ist das noch ein Scherz oder schon eine Dreistigkeit? Und ja, natürlich Beiträge zahlen. Mit Freuden, denn es ist ja im Interesse unserer kritischen Erziehung, dass wir für unsere eigene Verdummung und die Pensionen von ARD und ZDF zahlen können.

"5. Ich kämpfe für die Datensicherheit und für ein zivilisiertes Netz. So bleibt meine Privatsphäre erhalten, und wir User regeln die Sitten im Netz untereinander."

Was meint sie nun damit? Zensur von "Hasskommentaren?" Oder was? Ehrlich gesagt: keine Ahnung. Foren haben Regeln und die Zeitungen zensieren so wie so die Kommentare unter ihren Artikeln. Wofür will sie kämpfen? Dass die Leute höflicher zueinander werden und so böse Menschen wie ich sich nicht über sie lustig machen? Dann soll sie nicht so einen Mist fabrizieren.

"6. Ich verfolge die politischen Debatten im Bundestag, über die Europäische Union und die Weltlage an sich. Ich weiß, wer meine Volksvertreter sind, und lerne die Staatsdiener in den Ministerien und Ausschüssen schätzen. Denn: Sie arbeiten und sprechen für mich."

Nochmal zum Thema Zeit. Wer schafft es bitte, neben seiner Arbeit, der Familie und natürlich der Freiwilligenarbeit im Flüchtlingsheim, jetzt auch noch die stundenlangen Debatten im Bundestag zu verfolgen? Tägliche Zusammenfassungen davon liefert die Zeitung die Zeit uns zumindest nicht. Und dann natürlich auch noch alles zur EU- und der Weltpolitik. Man hat ja sonst nichts zu tun. Und jetzt sollen wir also diejenigen, die auf unsere Kosten in irgendwelchen Ministerien, Ausschüssen, Parlamenten oder sonst was sitzen und Politik gegen den Willen und das Wohl des Volkes machen auch noch schätzen? Bitte sehr, kriegen wir hin. Heiko Maaß schätzen wir bestimmt alle sehr hoch, oder Sigmar Gabriel und Ursula von der Leyen. Wir haben diese Leute ja auch alle gewählt und sind mit ihrer Arbeit zufrieden. Und natürlich, jetzt sprechen sie für uns. In Gebot 2 haben wir noch für andere gesprochen, nun tut man es von oben herab und wir sind unmündig. Danke, Frau Merkel, dass sie für uns sprechen, wenn Sie sagen "Wir schaffen das." Ich bin mir sicher, jeder, der Ihnen zuhört, wird genauso wie Frau Rückert in Bewunderung für Ihre Leistungen versinken. Und das trotz der Tatsache, dass bei weitem mehr als die Hälfte des Volkes Sie nicht gewählt haben, weil Ihre Leistung in den vorangegangenen Legislaturperioden nicht gerade schätzenswert war...

"7. Ich zeige Zivilcourage, gehe auf Demonstrationen gegen linken und rechten Extremismus und streite mich freudig und überall mit denen, die mit demokratischen Mitteln die Demokratie abschaffen wollen."

Hier ist so ziemlich alles falsch. Wo gibt es denn Demonstrationen gegen linken Extremismus? Und wo war Frau Rückert bei einer von diesen dabei? Zum Thema Rigaer Straße hat sie sich in ihrer Zeitung zumindest nicht geäußert. Und Demokratie auf ewig scheint auch das einzig Wahre zu sein. Sonst müsste man sich ja nicht mit jenen streiten, die die Demokratie mit demokratischen Mitteln, also aufgrund des Willens des Volkes, abschaffen wollen. Zumal wir ja gar keine haben, aber das zu betonen sollte ich wohl bei der ideologischen Starrsinnigkeit dieser Frau aufgeben.

"8. Ich unterstütze die Institutionen: zahle etwa meine Steuern ohne Murren. Nur eine Demokratie, die nicht in eine prekäre Lage abrutscht, kann Sicherheit und soziale Balance garantieren. Ich setze mich dafür ein, dass auch die Reichen angemessen besteuert werden. Obszöner Reichtum zerstört den sozialen Zusammenhalt."

Bla bla bla. Muss ich jetzt wirklich was dazu schreiben? Langsam wird es anstrengend. Steuern zahlen ohne Murren? Hat die Frau mal nachgesehen, wohin das ganze Geld geht? Da liegt Murren nah. Eher noch ein Aufstand. Und Reiche angemessen besteuern? Nett, aber Angemessenheit bei den grotesken Ausmaßen unseres Steuerrechts und der Verschwendung der Mittel in horrenden Mengen ist schlechterdings nicht möglich.

"9. Ich trete für die Solidareinrichtungen dieser Gesellschaft ein. Ich versichere mich freiwillig gesetzlich und lasse mir nicht wegen irgendwelcher Ermäßigungen Daten zu meinem Gesundheitszustand entlocken. Dafür werden nämlich andere zur Kasse gebeten – und am Ende natürlich auch ich selbst."

Sie meint jetzt die Kassen, die ständig die Beiträge erhöhen und dann aufgrund von Frau Rückerts guter Flüchtlingsarbeit wahrscheinlich bald noch wesentlich mehr verlangen? Aha. Aber jetzt mal ehrlich: Das kann doch nur Satire sein. Sonst muss man wirklich am Gesundheitszustand der Frau zweifeln.

"10. Ich trete in die Kirche ein oder in eine aufgeklärte Glaubensgemeinschaft anderer Religionen: auch als Agnostiker. Diese Gemeinschaften halten die Gesellschaft zusammen, sie lehren die Tugenden des Umgangs: Höflichkeit, Freundlichkeit, Herzlichkeit. Sie bewahren mich vor dem Irrweg, alles besser zu wissen."

Hach. Jetzt bin ich erleichtert. Es war doch alles nur Satire, sie meinte kein Wort ernst. Entwarnung. Und ich dachte schon, die Frau wäre wirklich so verblendet. Aber der Witz im letzten Satz, sie wolle vor Besserwisserei bewahrt bleiben, nachdem sie 9 besserwisserische Gebote von sich gegeben hat, kann doch nur eine Schlusspointe sein, oder etwa nicht? Dann ist ja alles gut. Und der Witz mit den Kirchen ist auch nicht schlecht.

Naja, nochmal gerettet. Zu Beginn konnte man wirklich Angst haben, Frau Rückert meine all das ernst und wolle ihr intellektuelles Blatt zu einer Wochenausgabe der Bild machen. Doch zuletzt hat sie uns gesagt, dass die Entwicklung der Zeit ganz woanders hingehen soll: sie will nun endgültig Nägel mit Köpfen machen und sich zu einem Satiremagazin entwickeln. Ich für meinen Teil wünsche ihnen dabei alles Gute und hoffe, dass ihre Witze besser werden.


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