Ideologie - der Grund dafür,
dass "gut gemeint" schädlich ist

SapereAudeBlog

Je mehr man mit Vertretern verschiedener politischer Parteien oder Organisationen spricht oder ihre Texte liest oder je öfter man an deutschen Universitäten mit Professoren und Studenten zu tun hat, die bei all der ach so kritischen wissenschaftlichen Herangehensweise vielerlei Dinge schlicht hinnehmen, desto mehr regt sich persönliches Unbehagen bei einigen Menschen. Ein Beispiel: Vor einiger Zeit musste ich in verschiedenen Seminaren einer Universität von verschiedenen Professoren immer wieder diverse Seitenhiebe gegen PEGIDA und AfD vernehmen. Nicht dass ich selbst einer dieser beiden Gruppen besonders nah stünde, das, was mich gestört hat, war viel mehr, dass a priori angenommen wurde, beide seien schlecht. So entsinne ich mich, dass PEGIDA als Negativbeispiel für eine freie Meinungsäußerung im politischen Diskurs erwähnt und die Aussage, der Professor wolle nicht mehr in einem Land leben, in dem die AfD eine Mehrheit hätte, für völlig normal und gar moralisch einleuchtend hingenommen wurde. Doch keine dieser und diverser anderer Aussagen wurde begründet. Ich weiß bis heute nicht, warum der Professor PEGIDA hinsichtlich der freien Meinungsäußerung als schlecht oder der andere die AfD als politisch grundsätzlich verwerflich befindet. Keine Gründe wurden angegeben, fast alle Studenten im Raum nahmen die Aussagen schlicht so hin.

Ideologie - der Grund dafür, dass "gut gemeint" schädlich ist

Je mehr man mit Vertretern verschiedener politischer Parteien oder Organisationen spricht oder ihre Texte liest oder je öfter man an deutschen Universitäten mit Professoren und Studenten zu tun hat, die bei all der ach so kritischen wissenschaftlichen Herangehensweise vielerlei Dinge schlicht hinnehmen, desto mehr regt sich persönliches Unbehagen bei einigen Menschen. Ein Beispiel: Vor einiger Zeit musste ich in verschiedenen Seminaren einer Universität von verschiedenen Professoren immer wieder diverse Seitenhiebe gegen PEGIDA und AfD vernehmen. Nicht dass ich selbst einer dieser beiden Gruppen besonders nah stünde, das, was mich gestört hat, war viel mehr, dass a priori angenommen wurde, beide seien schlecht. So entsinne ich mich, dass PEGIDA als Negativbeispiel für eine freie Meinungsäußerung im politischen Diskurs erwähnt und die Aussage, der Professor wolle nicht mehr in einem Land leben, in dem die AfD eine Mehrheit hätte, für völlig normal und gar moralisch einleuchtend hingenommen wurde. Doch keine dieser und diverser anderer Aussagen wurde begründet. Ich weiß bis heute nicht, warum der Professor PEGIDA hinsichtlich der freien Meinungsäußerung als schlecht oder der andere die AfD als politisch grundsätzlich verwerflich befindet. Keine Gründe wurden angegeben, fast alle Studenten im Raum nahmen die Aussagen schlicht so hin.

Was ist nun das Problem? In unserer Gesellschaft, gerade auch an den Schulen und Universitäten, gibt es einen ideologischen Grundkonsens. Dieser wird auch gar nicht großartig diskutiert und diesen zu erkennen kann recht schwer sein. Andere Besucher besagter Veranstaltungen, die in irgendeiner Weise die Aussagen des Professors zweifelhaft fanden, waren nicht in der Lage, den Grund ihres Unbehagens zu benennen und hatten ein deutliches Aha-Elebnis, als sie darauf hingewiesen wurden: Menschen, die sich mit bestimmten Positionen, ohne diese sinnvoll untermauern zu können, im Recht wähnen, unterliegen einer Ideologie. Und genau das ist ein großes Problem.

Warum? Kann es nicht in Ordnung sein, wenn die Ideologie richtig ist? Nein. Denn eine Ideologie kann schon rein begriffslogisch nicht richtig sein. Sie entspringt einem Ideal, nicht der Realität. Ist nun in einer Gesellschaft eine Ideologie so vorherrschend, dass sie zum Dogma und damit nicht mehr hinterfragt wird, dann entstehen geistige Mauern, die zu überwinden ganze Generationen dauern kann. Man denke nur mal an "Tatsachen" wie die gottgegebene Ständeordnung oder die Unterlegenheit der Frau gegenüber dem Manne in vielen historischen aber auch gegenwärtigen Gesellschaften. Wie schädlich viele dieser Ideologien in der Geschichte waren und auch teilweise heute noch sind, kann man sich leicht vorstellen, wenn man nur mal annähme, es hätte keine ideologisch bedingten Kriege, Verfolgungen und Unterdrückungen gegeben. Wer weiß schon, wie viele weibliche Künstler oder potentielle Entdecker es zum Beispiel vor 200 Jahren in Europa gab beziehungsweise geben hätte?

Dieser Beitrag soll sich jedoch nicht zuvörderst mit historischen, sondern eher mit gegenwärtigen Problemen auseinandersetzen. Dass eine gesellschaftlich stillschweigend und nicht bekanntermaßen anerkannte, weil in Fleisch und Blut übergegangene Ideologie ein Problem ist, sollte auf der Hand liegen. Denn jede Ideologie, egal ob sie nun den Menschen an sich unterdrücken oder befreien, ihn ausbeuten oder bereichern will, hat ein Problem. Nämlich die Wirklichkeit, normalerweise also die Natur des Menschen. Denn die Ideologie richtet sich eben nicht daran aus, sondern konstruiert ihr eigenes Menschenbild und will den Mensch daran anpassen. Entsprechend dieses Menschenbildes wäre dann auch alles in Ordnung. Der Homo Oeconomicus würde sehr gut in einer liberalistischen Welt zurecht kommen, der Marxismus hingegen geht von einem anderen Menschenbild aus, mit dem dann seine Ideologie wiederum passen würde. "Ich mach mir die Welt, wiede-wiede-wie sie mir gefällt."

Nun aber der Knackpunkt: mir ist schlicht keine einzige Ideologie bekannt, die ein perfektes Menschenbild hat. Also sagen kann, wie der Mensch wirklich ist und was dementsprechend die für ihn perfekte Form des Zusammenlebens wäre. Dann wäre es ja auch keine Ideologie mehr, sondern sowas wie die absolute Wahrheit. Jetzt gibt es für Menschen, die ihre politischen Positionen anhand von Ideologien ausrichten, eigentlich nur zwei Möglichkeiten: entweder treffen sie mittels Versuch und Irrtum irgendwann die "richtige" Ideologie (was aufgrund des Phänomens, dass die meisten ideologisch geprägten Menschen von ihrer nur gering im Laufe des Lebens abweichen oder sich radikal dagegen stellen, ein generationsübergreifender Prozess wäre) oder sie kleben halt an einer mit der Wirklichkeit nicht übereinstimmenden fest, was immer zu Leid unter den Menschen führt.

Jetzt könnte man ja meinen, dass das alles schön und gut sei, doch was hat das nun mit uns zu tun? Uns Deutschen (oder Europäern oder Weltbürgern oder wie auch immer man gerade politisch korrekt sagt) liegt doch keine Ideologie zugrunde, wir sind doch im Großen und Ganzen keine Marxisten oder Libertarier. Wir haben keinen uns aufgedrückten Faschismus, in dem wir erzogen werden. Oder doch? Wer ehrlich glaubt, dass er es geschafft hat, seine Eltern, den Kindergarten, die Schule, die Ausbildung oder Universität und so weiter ohne ideologische Prägung zu durchstehen, der ist schlicht naiv. Das Ergründen dieser Prägung, also worin sie eigentlich liegt und ob diese uns schadet oder nützt, ist eine anspruchsvolle philosophische Aufgabe, die man nicht unterschätzen sollte. Den meisten Menschen fällt nämlich alleine die Erkenntnis schwer, dass sie ideologische Grundsätze haben. Das macht es dann fast unmöglich, diese infrage zu stellen. Und andere, die das tun, werden dann oft schlicht als Spinner abgetan.

Aber genau das ist es, was geistige Arbeit leisten muss, wenn wir einen förderlichen sozialen Prozess in Gang setzen und Politik zum Wohle der Menschen betreiben wollen. Wir müssen wirklich grundsätzliche Dinge in Frage stellen, wie die Demokratie, die Allgemeinheit der Menschenrechte, die Schulpflicht, die Marktwirtschaft, die Wissenschaften und so weiter und so fort. Denn was ich kritiklos und stillschweigend hinnehme und in mich hineinfresse, das wird sich früher oder später in meinen Haltungen und meinem Denken niederschlagen. Denn was ich lerne, das prägt mich in der einen oder anderen Form und was ich unbewusst lerne und so harmlos sein kann, wie der angemessene Abstand beim Händeschütteln mit einem Fremden, das schlägt sich eben auch oft unbewusst in meinem Handeln nieder.

Nun also endlich zum Kern dieses Beitrags. Ziel soll es sein, möglichst einige Dogmen darzustellen, mit denen sich jeder von uns auseinandersetzen muss, will er denn tatsächlich Politik und Geschichte nicht nur oberflächlich verstehen. Dabei sei nicht gesagt, dass jeder in unserer Gesellschaft aufgewachsene Mensch mit diesen ideologischen Grundsätzen belastet ist, sondern eher, dass sie so breit getreten hier bei uns präsent sind, dass man um eine Auseinandersetzung selbst dann nicht drumherum kommt, wenn man selbst verschont blieb.

Ein typischer Grundsatz ist der, dass es die Guten und die Bösen gibt. Klingt erst einmal nach Kindergarten, ist aber wirklich sehr präsent. Ob wir nun die böse Regierung und die guten Rebellen, die guten Loyalisten und die bösen Seperatisten oder die bösen Rechten und die guten "Unsere Stadt bleibt bunt"-Aktivisten haben. Dass Fronten klar definiert werden, ist oftmals der Fall. Und wir beobachten dabei häufig das "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns"-Prinzip. Beispiel PEGIDA und Hochschulen: NICHT stillschweigend hinzunehmen, dass PEGIDA aus einem Haufen fremdenfeindlicher Rechter besteht, die nur alle Mohammedaner wieder in die Heimat zurückschicken wollen, sondern eine neutrale Haltung ihnen gegenüber in einer Diskussion im Rahmen eines Seminars wahren zu wollen, hat mich gleich in den Augen der Studenten und des Professors zum Anwalt der Bewegung gemacht. Ich war halt nicht auf ihrer Seite und damit automatisch auf der Gegenseite. Dieses Phänomen begegnet einem oft, gerade wenn in Deutschland die berühmten Keulen herausgeholt werden: Rechts, Faschist, Neonazi, Antisemit, Fremdenfeind oder Sie-wissen-schon-was-Leugner. Diese Haltung, die den Leuten scheinbar ins Blut übergegangen ist, geht so weit, dass man meist dritte Positionen gar nicht zu Ende anhört. Man kann ja jetzt zum Beispiel für oder gegen eine steuerliche Gleichbehandlung homosexueller Lebensgemeinschaften und der Ehe sein. Aber nicht dafür, jegliche steuerliche Vergünstigung aufzuheben und diese dann schrittweise für die Zahl der Kinder bei arbeitenden Eltern - unabhängig davon, ob wir von Lebensgemeinschaft oder Ehe sprechen - auf die einzelne Beziehung wieder anzuwenden. Spricht man mit der einen oder anderen Gruppe, ist man entweder derjenige, der den Schwulen und Lesben verwehren will, in den Genuss einer "echten" Ehe zu gelangen oder derjenige, der die altehrwürdige Institution untergraben will.

Ein zweiter Grundsatz, der immer wie ein Schild vor sich hergetragen wird, ist der der Gleichheit aller Menschen. Wir sind doch alle gleich. Oder? Frauen und Männer, Schwarze und Weiße, Dicke und Dünne, Große und Kleine, Junge und Alte. Dieser Satz wird dann aber oft und schnell auf "Gleichwertig" korrigiert. Das ist aber genauso bloß ein Ideal. So hart es klingt: wenn morgen alle Hartz IV Empfänger tot umfallen, sind die Folgen für die Gesellschaft völlig andere, als wenn dasselbe allen Ärzten passierte. Man sollte mal über solche Sätze nachdenken. Verstehen Sie mich nicht falsch: ich beziehe hier und auch an anderer Stelle dieses Beitrages keineswegs Position. Es geht nur darum, einige Denkanstöße zu geben. Nun denn. Sind wir denn alle gleichwertig? Die Aussage ist allgemein. Dass wir im Speziellen dies nicht sind, sollte eine einfache Erkenntnis sein. Wird in einem Unternehmen dringend ein Ingenieur gebraucht, dann ist in diesem speziellen Fall der fertig ausgebildete und mit viel Berufserfahrung daherkommende Ingenieur für dieses Unternehmen wesentlich mehr wert, als ein Abiturient, der gerne ein duales Studium dort beginnen und sich ausbilden lassen will. Werden neue Buchhalter gebraucht, sind beide gleich wertlos im Vergleich zu einem guten arbeitssuchenden Buchhalter. Aber im allgemeinen, also nicht in einer bestimmten Situation, sondern global und immer und überall? Das ist schon ziemlich abstrakt. Überhaupt einen Wert des Menschen anzunehmen könnte man an dieser Stelle schon infrage stellen. Denn eine Gleichwertigkeit erfordert, dass man irgendworan den Wert eines Menschen messen kann und das alleine zu bezweifeln fällt nicht unbedingt schwer.

Jetzt hätten wir aber noch viel speziellere Probleme. Etwa die Annahme, es sei stets erst einmal richtig, sich gegen bestimmte Dinge zu wenden, ohne zu prüfen, ob dies überhaupt angemessen ist. Derzeit wird Deutschland ja von einer Menge mohammedanischer Einwanderer bevölkert, deren Zahl stetig im Rahmen der sogenannten "Flüchtlingskrise" steigt. Am 22.07.2016 war der Anschlag in München, wo ein Iraner mehrere Menschen, darunter Kinder, über den Haufen geschossen hat. Das interessante war nun das Verhalten vieler Menschen auf Facebook, Twitter und auch an anderen Stellen, wo sie ihre Meinung rausposaunt haben. Mit die ersten Meldungen vieler Leute waren so Aussprüche wie "Ich hoffe es war ein Rechter und kein Flüchtling." Die ersten Stunden nach der Tat war der Öffentlichkeit zumindest nämlich noch nicht klar, wer da nun geschossen hatte. Was soll man nun davon halten? Es war mindestens neunfacher Mord und das einzige, was einige Menschen umtreibt, ist, ob es sich nun um jemanden handelt, der in ihrem Weltbild der Böse war, wie oben schon beschrieben. Denn zu den Opfern darf er nicht gehören. Dieses Dazugerechne der Opfer zu den Guten ist allgegenwärtig. Immer erstmal arme Flüchtlinge mit einem Trauma von der Flucht, dann sehen wir weiter. Als die Künast nach dem Axtschwinger von Würzburg dann auch noch den Täter zum Opfer machte, weil ein Polizist in der Hitze des Gefechts ihn erschossen und nicht nur verletzt hat, war der Gipfel dieser Absurdität erreicht. Das klare reinreden von Menschen in bestimmte Rollen führt oft zu großen Problemen. Gerade auch, wenn man erst einmal als "Rechter" oder "Rassist" verschrien ist. Denn das ist der eigentliche Grundsatz, auf den ich hinauswill: dass erst einmal a priori gewisse Dinge schlecht sind, auch wenn man selbst sie gar nicht beschreiben oder erklären kann. Beim Begriff "Rassist" mag das ja noch vielen gut gelingen, sodass sie auch begründen können, warum sie Menschen, die zu dieser Gruppe gehören, nicht leiden können. Aber fragen Sie mal Menschen, was denn nun genau ein "Rechter" ist. Es steckt in den Köpfen der Menschen sehr stark drinne, dass gewisse politische Richtungen von vornherein auszuschließen sind. So musste ich zum Beispiel in der Schule im Sozialkundeunterricht mir mehrere Vorträge über Aktionen "gegen Rechts" und auch Stunden, in denen wir selbst über unsere Möglichkeiten daran mitzumachen geredet haben, antun. Und immer wurde so ziemlich Rechts mit Ausländerfeind gleichgesetzt. Aber so ist das nunmal mit unserer Demokratie: nur die Hälfte des Spektrums ist zulässig.

Wo wir gerade bei Demokratie sind: Wer sagt denn, dass diese gut ist? Hat da schonmal jemand drüber nachgedacht? Nehmen wir mal einfach an, unser BR-deutsches System sei nun demokratisch, denn so steht es ja im Grundgesetz, in Artikel 20 Absatz 1: "Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat." Hm. Also sei einmal gegeben, dass alle vier Jahre zur Bundestagswahl zu rennen (die Länderebene und alles darunter lassen wir mal weg, denn von dieser ist in dem Artikel nicht die Rede) und dann mit dem Ergebnis leben zu müssen, den Präsideten und die Regierung nicht direkt wählen zu dürfen und keine Volksabstimmungen zu haben demokratisch ist. Gut. Nun, uns wird in der Schule beigebracht, wir lebten im "freisten Deutschland der Geschichte." Oder so ähnlich. Das hört man auch in Talkshows gerne mal. Alleine daran kann man berechtigte Zweifel aufbringen, aber seis drum. Diese freiheitliche Demokratie, so wird uns auch eingeimpft und das lesen wir immer wieder, sei etwas tolles. Alle Parteien, auch die oft dämonisierte AfD, bekennen sich zu ihr. Alle sprechen immer wieder davon, wir müssten unsere Demokratie verteidigen und so weiter. Selbst die immer wieder im Ziel von Verbotsbestrebungen auftauchende NPD heißt ausgeschrieben NationalDEMOKRATISCHE Partei Deutschlands. Es scheint also irgendwo der Konsens zu sein und es wird auch viel vermittelt, dass Demokratie etwas tolles ist. Da geht es dann um die Mehrheit und dass man so den rechten Pfad für die Gesellschaft findet. Nur komisch, dass, wenn man ein wenig in die Geschichte geht, viele große Philosophen die Demokratie nicht gerade positiv gesehen haben. Oft wurde sie als eine Form der Tyrannei betrachtet. Schiller schrieb zum Beispiel die wunderbaren Worte: "Die Mehrheit? Was ist die Mehrheit? Mehrheit ist der Unsinn, Verstand ist stets bei wen'gen nur gewesen. Der Staat muß untergehen, früh oder spät, wo Mehrheit siegt und Unverstand entscheidet." Harte Worte. Hier soll es nun aber nicht um tiefgründige Demokratiekritik gehen, geschweige denn um die Frage, ob wir in einer solchen überhaupt leben. Aber es sollte klar sein, dass die Prämisse, Demokratie sei gut, leicht anzuzweifeln ist. Und das findet öffentlich, vor allem in unserer Bildung, so gut wie gar nicht statt, sodass wir von vornherein zumindest in einer Gesellschaft leben, die sich in einer mehr oder weniger tollen Demokratie wähnt, an der man vielleicht einiges noch demokratischer gestalten könne, zu der es aber erst einmal keine wirklich bessere Alternative gäbe.

Man könnte den ganzen Tag so weiter machen und immer weitere Grundsätze unseres Denkens und Handelns in Zweifel ziehen: Marktwirtschaft sei effizient, Schulpflicht sei förderlich, die EU sei ein gutes Projekt, Krieg sei a priori schlecht, Nationalismus und Patriotismus seien verwerflich, ein Sozialstaat gut, die Menschenrechte seien allgemein gültig und sollten überall umgesetzt werden und so weiter und so fort. Das Problem ist, dass wir viele dieser Annahmen selbst haben, das größere jedoch, dass dies bei allen anderen auch der Fall ist. Denn selbst, wenn man zum Beispiel der Demokratie gegenüber sehr abweisend eingestellt ist, hat man das Problem, dass die Grundlage immer erst einmal ist, sie sei gut. Das ist nicht gerade eine sehr gute Grundlage für eine Diskussion. Und viele Menschen behindert dieser Faktor dermaßen, dass sie auf alternative Lösungen für verschiedenartigste Probleme, nichtmal nur im politischen Bereich, gar nicht kommen, beziehungsweise diejenigen, die sie dann doch vorbringen, als Phantasten oder sonst was betrachten. Sie, werter Leser, wollte ich in diesem Beitrag eigentlich auch nur darauf hinweisen und Sie dazu ermuntern, mal wirklich grundsätzliche Dinge infrage zu stellen. Das Ergebnis mag ja sein, dass Demokratie beispielsweise sehr toll ist, aber es einfach anzunehmen und nicht begründen zu können, zeigt, wie wenig viele Menschen doch von dem wissen, worüber sie sprechen, womit wir eigentlich fast schon wieder beim Thema Experten wären.

Letztlich ist das Problem jeder Ideologie, wie bereits gesagt, die Wirklichkeit. Denn sie stimmt mit dieser nicht überein. Nicht jeder teilt die Ansicht oder sie basiert schlicht auf falschen Annahmen und das führt oft zu mehr oder weniger großen Katastrophen. So zum Beispiel, wenn freiwillige Flüchtlingshelferinnen, die in ihrem Gutmenschentum den armen Opfern, die ja niemals Täter sein können, helfen wollten, vergewaltigt oder anderweitig geschunden werden und dann nicht zur Polizei gehen, um den "Rechten" nicht in die Hände zu spielen. Man will sich gar nicht vorstellen müssen, was in solch einem Menschen innerlich vorgeht und was dort alles kaputt sein muss. Solche Fälle und auch andere Probleme, etwa wenn man sehen muss, dass die Bundestagswahl nichts bringt, weil doch immer die gleichen Nasen in den Ministerposten sitzen, zeigen dann anhand der Wirklichkeit, dass die Ideologie falsch war. Und da kann man es noch so gut gemeint haben: das Ergebnis ist schlecht und man hätte es wissen können, nein müssen, wenn man nur darüber nachgedacht hätte. Doch genau das ist es, was wir anstreben sollten, wenn wir wirklich nachhaltig unser Land zum Besseren verändern wollen.


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